Neun weitere Stolpersteine zum Gedenken der Opfer des NS-Regimes verlegt
Denkwürdige Worte und weiße Rosen
Die neun Stolpersteine informieren über das Schicksal der jüdischen Familien Meyer und Ullmann, die seit Jahrzehnten in der Römerstraße 97 wohnten, als sie vom NS-Regime von hier vertrieben und ermordet wurden. Zum Gedenken wurden weiße Rosen niedergelegt. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – In der Römerstraße 97 wohnten lange Zeit zwei jüdische Familien, bis sie Opfer des NS-Regimes wurden. An sie erinnern seit Samstag neun Stolpersteine mit Inschriften, die Auskunft über ihr Schicksal und ihren Verbleib geben, sofern dieser bekannt ist. An der Rückseite des Parkhauses Wilhelmstraße, dort, wo bis zu ihrer Zerstörung durch die Nazis die Synagoge stand, hielt Bürgermeister Gottfried Störmer am Samstagnachmittag vor großer Zuschauerrunde seine Ansprache zum Projekt Stolpersteine und im Besonderen zum Schicksal der beiden Lampertheimer Familien Meyer und Ullmann. Drei Frauen der Familie Meyer, Fanny, Else und Ida, haben mit Hilfe überlebt, das Schicksal von Hedwig Meyer ist unbekannt. Jonas Meyer starb gedemütigt und entrechtet 1935. Ferdinand Ullmann wurde 1940 deportiert und 1942 in Ausschwitz ermordet, ebenso Hilda Ullmann und der neunzehnjährige Fritz Ullmann. Dem jungen Hans Ullmann gelang 1937 die Flucht nach USA. Die Erinnerung wach halten, Anstöße zum Nachdenken geben, dazu sollen die Stolpersteine beitragen, erklärte Störmer.
Störmer rief dazu auf, die Entwicklungen in der Politik zu beobachten und die Demokratie zu verteidigen. Unter den Zuschauern waren die Volker Ochs und Karl Klemm, Buchautoren von „Der Erinnerung einen Namen geben“, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass, Stadtverordnete, Magistratsmitglieder und Spargelkönigin Christin I. Der 71-jährige Künstler Gunter Demnig hat das Projekt Stolpersteine ins Leben gerufen und schon in 22 Ländern 70.000 Stolpersteine verlegt, dies sei kein Grund zur Freude, es seien 70.000 Steine zu viel. Doch sei er kürzlich in Polen unterwegs gewesen, wo angereiste Angehörige einen Reigen um die Verlegestelle zelebriert hatten, was ihn sehr beeindruckt habe. Es werde nicht weniger, immer mehr Angehörige wünschten sich Stolpersteine, denn es sind keine Grabsteine vorhanden. Bürgermeister Störmer teilte den Zuschauern mit, dass noch weitere Stolpersteine folgen werden, kubische Quader, auf deren Oberseite sich eine individuelle beschriftete Messingplatte befindet. Der Jugendbeirat habe aus eigener Initiative die Stolpersteine frisch poliert. In der Regel werden sie vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Gehwegpflaster eingelassen. 2007 wurde der erste Stolperstein im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 60. Todestag von Pater Alfred Delp verlegt, mit Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 2. November 2012 wurde die Verwaltung beauftragt, die Aktion „Stolpersteine“ jährlich fortzusetzen, was nun an fünf weiteren Stellen geschehen ist. Zum Abschluss des Gedenkens rief Störmer die Zuschauer auf, die weißen Rosen auf den Stolpersteinen zu legen. Hannelore Nowacki