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Di., 31. Januar 2017, 14:59 Uhr
Spaziergänger durchstreifen das Flussbett bei Nordheim
Der Rhein – ein breiter Strom wird zur Fahrrinne
Der Rhein als breiter Strom hält sich zurzeit zurück, Wasser ist nur in der Fahrrinne. Der breite Strand lädt zum Spazierengehen ein. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Eine ganz besondere Attraktion lockte am Sonntag zahlreiche Spaziergänger an den Rhein – bei Nordheim hat sich der Rhein vom breiten Strom in eine schmale Fahrrinne verwandelt. Wo sonst die Wellen ans Ufer schlagen, wenn die voll beladenen Schiffe durchs Wasser pflügen, macht man einen Strandspaziergang und genießt die frische Winterluft. Ein Geheimtipp, der sich herumgesprochen hat, denn am Sonntag füllten sich die Parkplätze zusehends hinter dem Damm am historischen Fährturm und am Fährhaus. Herbst und Winter brachten wenig Regen, das Wasser zog sich seit Monaten zurück. Eine überraschend dünne Kiesschicht bedeckt den darunter liegenden trittfesten Sandboden. Fein geschliffen sind die meisten Kieselsteinchen, sie teilen sich den Grund mit vielen kleinen Muschelhälften. Nur noch einen Katzensprung entfernt erscheint die linksrheinische Nachbargemeinde Rheindürkheim vom Rande der Fahrrinne aus gesehen. Erstaunlich sauber sieht das trockene Flussbett auf den ersten Blick aus. Von der letzten Strömung ist nur wenig Treibholz liegengeblieben. Doch wer hat die Plastikabfälle zu verantworten, die hier und da das Bild stören? Enten bevölkern die Fahrrinne und den Himmel. Nur wenige Schiffe schoben sich am Sonntag eng am gegenüberliegenden Ufer in einem Bogen vorbei. Die Rheinschifffahrt leidet, weil sie nur zur Hälfte laden kann, Spaziergänger freuen sich. Einladend stand ein Verkaufsstand mit Getränken auf dem Kiesstrand. Was haben die Holzpflöcke am Rande der Fahrrinne zu bedeuten, die vom niedrigen Wasser umspült sind? Überreste der alten Brücke, mutmaßte ein Spaziergänger. Günter Mössinger, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Nordheim, weiß es ganz genau. Seit 1939 überspannte hier die Kriegsbrücke den Fluss, zu ihrem Schutz als Eisbrecher wurden die Holzpflöcke in den Fluss gerammt. Auf der Wiese oben am Deich sind noch die Fundamente der Betonpfeiler zu finden. Auf alten Schiffskarten ist der „Nordheimer Grund“ eingetragen, erklärt Mössinger, Schiffe liefen hier Gefahr auf Grund aufzulaufen. Vom Rheinabschnitt bei Nordheim schwärmt Mössinger als Ausflugsziel, der Kreis Bergstraße liege eben auch am Rhein. Zuletzt habe der Rhein vor neun Jahren so wenig Wasser geführt, erinnert er sich. Die Sandbank sei aber öfter begehbar gewesen, jetzt sei sie einen Kilometer lang und mit fast 200 Metern enorm breit. Mit etwas Glück könne man Raritäten finden. Warum ist es am Rhein so schön? Wer nach Nordheim kommt, erfährt es. Der historische Fährturm am Deich, der vom Heimat- und Geschichtsvereins Nordheim betreut wird, hat wieder im März zur Besichtigung geöffnet. Hannelore Nowacki