Fr., 13. November 2020, 16:21 Uhr
ICE-TRASSE: DB stellt geplanten Verlauf für die neue Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim vor / Landrat Engelhardt erläutert Forderungen des Kreises
Lampertheim hält an bergmännischem Tunnel fest
LAMPERTHEIM – Die geplante Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim wird seit Jahren diskutiert. Dabei war der ursprüngliche Plan, die Strecke durch den Lampertheimer Wald, vorbei am Stadtteil Neuschloß Richtung Mannheim zu führen. Die von der Politik gefasste Bergsträßer Konsenstrasse, welche in engem Schulterschluss der betroffenen Kommunen mit dem Kreis Bergstraße erarbeitet wurde, spielte beim jüngsten Beteiligungsforum keine Rolle. Die Stadt Lampertheim hat sich gemeinsam mit der Bürgerinitiative Lampertheim und der lokalen Politik schon von Anfang an mit mehreren Aktionen gegen die sogenannte Trasse C ausgesprochen. Alle Beteiligten fordern im Falle einer Streckenführung durch den Lampertheimer Wald einen bergmännischen Tunnel, um die Belastung für Mensch, Tier und Natur so gering wie möglich zu halten.
Auch wenn es im jetzigen Beteiligungsforums zur geplanten Bahn-Neubaustrecke zwischen Frankfurt und Mannheim noch keine endgültige Entscheidung gab, hält die Stadt Lampertheim weiterhin an einem bergmännischen Tunnel fest. „Eine Schlechterstellung gegenüber der Bergsträßer Konsenstrasse für die Lampertheimer Bürgerinnen und Bürger darf nicht eintreten“, bekräftigt Bürgermeister Gottfried Störmer.
Streckenführung im Ried weitgehend im Tunnel
Zuvor hatte die DB den geplanten Verlauf für die neue Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Mannheim vorgestellt: Doppelt so viele Fernzüge zwischen Frankfurt am Main und Mannheim, nur noch 29 Minuten Fahrzeit für den ICE, mehr Platz für zusätzlichen Nahverkehr und Güterzüge - dafür baut die Bahn zwei neue Gleise zwischen Frankfurt und Mannheim und entlastet so die bestehenden Bahnstrecken, so die DB. Demnach habe sich die jetzt entschiedene Streckenvariante II.b in Summe aller Bewertungskriterien als die beste von insgesamt 30 Varianten erwiesen. Mit dieser Streckenführung würden die wenigsten Menschen von Schienenlärm belastet. Zwischen Zeppelinheim und Lorsch verläuft die Strecke entlang der Autobahnen A5 und A67, anschließend zwischen Lorsch und Mannheim weitgehend im Tunnel.
Bei Lorsch unterquert die Strecke die A67 in einem Tunnel (offene Bauweise) und verläuft anschließend oberirdisch, bis sie auf Höhe des Lampertheim Gescheidts wieder in einen Tunnel (ebenfalls offene Bauweise) weitergeführt wird. Im Mannheimer Norden verläuft die Strecke dann wieder oberirdisch und schließt an die Riedbahn an.
Darmstadt wird an die neue Strecke angebunden. Im kommenden Sommer soll das Baugenehmigungsverfahren für den ersten Abschnitt der Strecke zwischen Zeppelinheim und Darmstadt Nord starten.Nachts werden die Anwohner an den Bestandsstrecken Riedbahn und Main-Neckar-Bahn von Güterverkehr entlastet, da dieser auf die Neubaustrecke geleitet wird.
Forderungen aus dem Kreis Bergstraße
Landrat Christian Engelhardt sagte dazu: „Die gewählte Streckenführung ist, im Vergleich der von der Bahn geprüften Varianten, die mit der geringsten Schallbetroffenheit für die Bürgerinnen und Bürger. Das war unser Hauptanliegen! Wesentlich dafür war die Entscheidung, die Strecke nicht entlang der dicht besiedelten Bergstraße in Bündelung mit der A 5 zu bauen. Entsprechend des Vorschlags der Region im Rahmen der „Konsenstrasse“ sei eine Bündelung mit der A67 vorgesehen. Mit der vorgeschlagenen Variante werden die Kommunen entlang der Riedbahn und Main-Neckar-Bahn vom nächtlichen Güterverkehr entlastet
Nun sei es jedoch wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger entlang der A67 in Langwaden, Einhausen und Lorsch ebenfalls nicht belastet werden. Dies ist mit der heute vorgelegten Planung noch nicht zufriedenstellend gelöst“ Wichtig sei dabei nicht nur, „WO“ die Strecke geführt wird, sondern vor allem auch „WIE“ die Strecke geführt wird. Die Bauweise sei nun entscheidend! Auch von Bedeutung ist für den Bergsträßer Landrat, dass es durch die Bündelung mit der A 67, die ebenfalls ausgebaut werden soll, nur zu einem einmaligen Eingriff in die Umwelt kommt.
Engelhardt will sich in den nächsten Wochen mit den Kommunen, Verbänden und Interessenvertretern, die im Arbeitskreis Eisenbahn Trassenführung wie im ICE-Forum zusammenarbeiten, über die Entscheidung der Bahn austauschen und das weitere Vorgehen besprechen. „Die Entscheidung der Bahn beinhaltet Abweichungen von der von uns beschlossenen Konsenstrasse. Für uns bedeutet diese Konsenstrasse allerdings einen entscheidenden qualitativen Maßstab: Die von der Bahn vorgelegte Vorzugstrasse muss für unsere Bevölkerung und den Naturraum mindestens so gut sein wie die Konsenstrasse, welche wir in der Region in engem gemeinsamen Schulterschluss entwickelt haben. Wir werden gemeinsam besprechen, wie wir damit umgehen werden“, sagte Engelhardt.
Zu den Bergsträßer Forderungen gehörte unter anderem die nach einer bergmännischen Tunnelbauweise durch den Lampertheimer Wald, ein bergmännischer Tunnel bei Langwaden sowie entlang Einhausen und Lorsch. Zudem fordert die Region für alle Bestandsstrecken Lärmschutzmaßnahmen mindestens im Standard einer Neubaustrecke, sowie ausreichende Kapazitäten für den Schienenpersonennahverkehr. „Es sollen alle Ziele erreicht werden, die wir mit der Konsenstrasse aufgestellt haben. Als Region sind wir Teil eines wichtigen Verkehrsraums und sind auch bereit, den Ausbau des Schienenverkehrs zu unterstützen. Gerade, weil im Ried bereits jetzt zwei hoch frequentierte Bahntrassen und Autobahnen verlaufen, gilt jedoch: Schutz der Menschen und der Natur in unserer Region! Dazu sollten unsere Anregungen tatsächlich auch umgesetzt werden,“ erklärte Christian Engelhardt..
Weitere Informationen zum Projekt Rhein/Main-Rhein/Neckar, zur Variante II.b sowie zum Beteiligungsforum gibt es hier:
www.rhein-main-rhein-neckar.de zg
INFO: Einen ausgearbeiteten Bericht mit verschiedenen Stellungnahmen finden Sie in der kommenden Mittwochsausgabe des TIP.