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So., 06. Januar 2019, 13:35 Uhr
Frauenfrühstück der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Historischen Rathaus Bürstadt
„Dialog mit und zwischen den Bürgern zu fördern und Begegnungsmöglichkeiten schaffen”
SPD-Bürgermeisterkadidat Steffen Lüderwald stellte sich am Samstag beim Frauenfrühstück der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen zahlreichen Fragen – moderiert wurde die Veranstaltung durch Stefanie Indefrey (v.l.). Foto: oh
BÜRSTADT – Ein gut gefüllter Saal erwartete Bürgermeisterkadidat Steffen Lüderwald am Samstag im Historischen Rathaus. Stefanie Indefrey begrüßte als Gastgeberin in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen gut gelaunt Gäste und den Kandidaten. Nach dem titelgebenden Frühstück ging es unter Moderation von Stefanie Indefrey gleich zur Sache. Schließlich wollten die Bürstädterinnen wissen, wie der Kandidat aus der Nachbarstadt so tickt.
Was er denn als Kind so habe werden wollen, war die erste Frage. Nein, weder Astronaut noch Lokomotivführer wollte er werden, sondern irgendwas beim Roten Kreuz, denn er habe schon als Kind helfen wollen. Und er wurde tatsächlich Rettungssanitäter, eine Zeit, die ihn sehr geprägt habe. Überraschend auch die Antwort auf die Frage nach den schönsten Kindheitserinnerungen. Das waren für Lüderwald die Besuche bei den Großeltern im Osten Deutschlands, damals noch DDR. Die endlos scheinenden Zugfahrten, der allgegenwärtige Braunkohlegeruch nach dem Grenzübergang und die Freude der Großeltern. Weniger überraschend war die Antwort auf die Frage, wie er denn seine Frau Silke kennengelernt habe. „Bei der Arbeit!“, wo er immer neue Ideen gehabt habe, warum er gerade in ihr Büro gehen musste. Doch ihr Herz gewann er endgültig in einer Karaokebar.
Nach diesen sehr persönlichen Aufwärmfragen ging es dann ins Politische. Was er denn mit fünf Millionen Euro machen würde, wenn die ihm für Bürstadt zur freien Verfügung gestellt würden? Gespannte Erwartung im Saal, welche Bauwerke da wohl kommen würden, aber es kam anders. Dieses Geld würde er einsetzen wollen, um den Dialog mit und zwischen den Bürgern zu fördern und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Der Prozess des miteinander Redens sei ihm ganz besonders wichtig, gab er an. Genau das zog sich wie ein roter Faden durch seine Antworten. Auf die Frage, was er denn unternehmen wolle, um Lohngleichheit für Mann und Frau zu erreichen griff er zurück auf seine Tätigkeit in Unternehmen und legte dar, dass ihn nie interessiert habe, obeine Frau oder ein Mann den Job macht, sondern nur ob. Sein Grundsatz sei schon immer gewesen: Gleiches Geld für gleiche Arbeit. Daran werde er immer festhalten. Dazu passte dann auch seine Einstellung zur Frage, welche Positionen er denn gerne mit Frauen besetzt sähe: Alle für die sie qualifiziert sind! Die Begründung lieferte er gleich mit: Frauen seien meistens offener und auch mutiger, Probleme klar anzusprechen.
Was habe er für Erfahrungen mit Bürstadt und den Bürstädtern als Hofheimer denn so gemacht, war die nächste Fragestellung. Hier holte er weiter aus. Er habe seit Kindertagen enge Kontakte mit Bürstädtern. Die tägliche Zugfahrt nach Bensheim zur Schule habe ihm noch immer andauernde Freundschaften gebracht. Sogar seine erste Liebe hatte ihren Ursprung im Schienenbus nach Bensheim und es war ausgerechnet ein „Bäschdädder Mädche“. In den letzten Wochen habe er mit sehr vielen Bürstädtern jeglicher politischer Couleur gesprochen und habe überraschender Weise ganz viel Übereinstimmung bei Ansichten und Wünschen festgestellt. Umso mehr bedauere er es, dass sich diese großen Gemeinsamkeiten in der parlamentarischen Arbeit nicht wiederfinden. Er nutzte die Gelegenheit, um auf seine Sympathie für Bürgerentscheide hinzuweisen: „Große Veränderungenbrauchen eine größere Basis als die des Parlaments oder gar einer Fraktion.“ Und er wies darauf hin, dass die Stadtverordnetenversammlung jederzeit den Bürgern das Mandat für bestimmte Entscheidungen übertragen könne. Er sehe das auch als probates Mittel gegen die Politikverdrossenheit.
Thema Sportpark. Er sehe das durchaus positiv, aber ihn beschäftige das Thema Folgekosten und der Auswirkungen auf die Vereine. Beides sei nach seiner Auffassung nicht ausreichend geprüft worden. Als Betriebswirt sei er gewohnt, Entscheidungen erst dann zu treffen, wenn er sicher sein könne, auch mit den späteren Kosten und anderen Folgen klarzukommen. „Wer heute ein großes Auto kauft und dann Steuer, Versicherung und Sprit nicht bezahlen kann, hat was falsch gemacht.“ Als konkrete Beispiele für fehlende Nachhaltigkeit nannte er die verwahrloste Glücksbaumallee und den erbärmlichen Zustand des Friedhofs. Als weiteres Beispiel nannte er die einst hochgelobte Positionierung Bürstadts als Solarmetropole. Statt dieses Potenzial zu nutzen, sei es einfach fallen gelassen worden.
So kam man zum Thema Wirtschaft. Er habe gesagt, dass er Mittelständler ansiedeln wolle. Warum? Der Mittelstand prüfe sehr genau, wo er hingeht, denn er wolle bleiben und die Betriebe an die nachfolgenden Generationen übergeben. Der Mittelstand bilde aus und der große Vorteil sei, dass er nicht irgendwelchen Konzernentscheidungen unterworfen sei. Ein Punkt war Lüderwald besonders wichtig: „Fahren Sie mal die B44 entlang und sehen sich die Leerstände von großen Hallen an. Die sind für eine neue Nutzung kaum zu gebrauchen!“ Der Mittelstand baue kleiner und diese Bauwerke seien meistens auch für andere Zwecke zu nutzen. Es folgte ein kurzer Seitenhieb zu dem neuen Logistikzentrum eines Drogeriekonzerns. „Vorwiegend Niedriglohnjobs sind da entstanden. Und ich bin mal gespannt, wann sich dieses Unternehmen mal an den Kosten für das Stadtfest beteiligen wird oder einen Verein unterstützt.“ Die Antwort gab er gleich selbst: „Da können Sie lange drauf warten. Und der Flächenverbrauch für diese Riesenhalle und die Zuwegung ist enorm.“
Es folgte noch ein Ausflug zur Jugendarbeit. Lüderwald sieht eine gewisse Angebotslücke für die 14-22-jährigen und lobt zugleich die enorme Bedeutung der Vereinsarbeit: „Das ICH lernen wir in der Schule, das WIR im Verein! Und das WIR bringt uns allen den langfristigen Erfolg.“ Deshalb werde er den intensiven Dialog mit den Vereinen pflegen. Dann spannte er noch den Bogen zum Ried. Hier vermisse er das Wir-Gefühl. Als Bürgermeister werde er sich um mehr Gemeinsamkeit und identitätsstiftende Initiativen bemühen.
Der demografische Wandel und insbesondere das Zusammenleben der Generationen beschäftigte natürlich auch hier das Auditorium. Lüderwald bezog auch hier ganz im Sinne seiner Haltung der dialogorientierten Vorgehensweise Stellung. „Nein es gibt keine Musterlösung. Man mussLösungen im Gespräch mit den Menschen entwickeln. Ausprobieren, optimieren und immer wieder überdenken.“ Das gelte auch und gerade für das Wohnen.
Nach einem rundum positiven Fazit und der offiziellen Beendigung der Veranstaltung durch Stefanie Indefrey fanden noch viele Gespräche im kleinen Kreis statt. zg