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  • Di., 04. Oktober 2022, 08:55 Uhr
    BÜRSTÄDTER KERWE: Ausgelassene Stimmung nach zwei Jahren Pause 

    Die Bäschdädder Kerb war do – aber mit Regen und Sonnenschein

    Weinselig tropfend fährt der Kerwekranz unter das Dach der Markthalle. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Auf dem Marktplatz mit dem Kerwedorf standen und saßen die feierlustigen Kerwebesucher am Samstagnachmittag um und unter dem Dach der Markthalle voller Erwartung in großer Runde auf den Umzug, der sich nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael über die Wilhelminenstraße mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt und Hofheim an der Spitze, gefolgt vom Tross der Oldtimertraktoren des Bürstädter Bulldog-Clubs mit der Promi-Rolle und dem von Sonnenblumen umarmten Kerwekranz mit Tamm-Tamm und Tuckern von weitem ankündigte. Der Heimat- und Carnevalverein Bürstadt (HCV) marschierte zu Fuß und winkend, gemeinsam mit Abordnungen weiterer Karnevalvereine und den fröhlichen Männern des Bollerwagenclubs. Trommeln und Flöten des Feuerwehr-Musikzugs mit Stabführer Erik Minnder gaben den fröhlichen Schwung. Die Sonne hatte sich schon während des Gottesdienstes gegen die Wolken durchgesetzt und sandte ihre Strahlen wie ein Wunder durch die hohen Kirchenfenster direkt vor den Altar. Nun zeigte sich auch während der Zeremonie mit Kerwerede, Ansprachen und Kranzaufhängen, dass man in der Sonnenstadt mit Herz die Feste zu feiern weiß wie sie fallen, auch wenn die Sonne sich rarmacht. Dass sich zeitweise ergiebiger Landregen über Stadt und Land ergoss und den Stadtlauf samt verkaufsoffenem Sonntag mit reichlich Wasser überversorgte, war nicht zu ändern, dafür entschädigte wiederum der sonnenreiche Kerwemontag die Kerwebesucher. War also „alles wie sellemols“? Stimmung gut, tolles Kerwedorf und eine Kerweredd, die mit humorgeladenen Pointen am laufenden Band das Zwerchfell kitzelte und sich das Lachen und den Applaus redlich verdient hatte. Mundartlich auf den Punkt gebracht hatte diesmal Jonas von Dungen das örtliche Geschehen und was es sonst „vunn Bäschdadd“ zu berichten gab. Nach zwei Jahren Kerwepause wegen Corona gab es eine Menge Neuigkeiten, die auf die humoristische Schippe kamen. Als 22-jähriger „Kerwevadder-Lähbuu“ machte er zum Vergnügen des Publikums eine gute Figur. Damiano Brucato, altgedienter HCV-Kerwevadder, hatte sich eine Auszeit genommen, doch richtete der „Lähbuu“ von ihm „liewe Grieße“ aus. Natürlich musste der Kerwevadder-Nachwuchs zwischendurch einen Schluck aus dem Riesenweinkelch nehmen, aber „des Feiern geht ach ohne en dicke Kopp, so en dolle, drum trink ich heit erschd mol en Abbelsaft-Scholle“, verriet Jonas von Dungen. „Die Kärsch, de Umzug und die Vereine“ fand er „werklisch schee“, auch auf HCV-Hausmusiker Heinz Kilian und „die Trommler der Feierwehr“ musste „mol wieder oaner getrunke soi“. Könnte der Bildungs- und Sportcampus „am End wärd so deier wie de Flughafen vun Berlin?“ Das „wär nix Außergewöhnliches – fast wie schunscht iwweral“, ließ Jonas von Dungen wissen. Da musste die Bürgermeisterin wie alle anderen lachen. Auch der Umbau der Nibelungenstraße war treffllich in Reime gegossen, die sichtlich fröhlicher stimmten als der Umbau selbst. Was dem Schwimmbad im Sommer mit dem Leerlauf passierte, kam gereimt ebenso gut an wie die Überlegungen zum Abriss des Raiffeisensilos. „Was do wohl gebaut wird? Was kimmt do hin? Ei, hot des üwwerhaupt en Sinn?“ Ein paar Sätze später war klar: „Un drum sag ich: Kamerad schenk oi, uff die gonze Verännerunge in Bäschdadd muss oaner getrunke soi“. Klar auch die Antwort der Zuhörer auf die Frage des jungen Kerwevadder-Nachwuchstalents und der Bürgermeisterin: „Wem iss die Kerb?“ Natürlich „unser“. Bürgermeisterin Barbara Schader meinte in ihrer Ansprache: „Wir dürfen uns unsere Freude, unseren Optimismus nicht vermiesen lassen“. Für Sonnenbotschafterin Luisa-Marie I. war es die erste richtige Kerwe in ihrer langen Amtszeit, ein Grund zur Freude für sie auch die Teilnahme im Team am Stadtlauf. Nach dem Kranzaufhängen hatte HCV-Präsident Patrick Brenner weitere gute Nachrichten – es gab Freibier und die Gardemädel des HCV verteilten Chips für die „Reitschul“ und 500 Freikarten.  

    HCV-Kerwevadder-Lähbuu Jonas von Dungen hatte mit seiner Kerwerede mitten in die Bürstädter Herzen getroffen. Foto: Hannelore Nowacki


    Ökumenischer Gottesdienst zur Kirchweih 

    Wenn Kerwe oder Kirchweih gefeiert wird, gehört in Bürstadt der ökumenische Gottesdienst dazu. Pfarrer Peter Kern und Pfarrerin Johanna Gotzmann hatten den Gottesdienst unter das Motto „Brot zum Leben“ gestellt, ein Thema, das in diesen Zeiten für viele Menschen in Deutschland hochaktuell ist, wie der Zulauf bei den Tafeln zeigt. Die Kollekte, in Körben vom HCV-Präsidenten Patrick Brenner und weiteren Mitgliedern des Karnevalvereins am Ende eingesammelt, kommt der Bürstädter Tafel als Spende zugute. Tafel-Helferin Beate Horlé berichtete den Gottesdienstbesuchern, dass die Bürstädter Tafel über 30 Prozent mehr Personen mit Lebensmitteln zu versorgen habe: 175 Familien mit über 500 Personen, davon 200 Kinder, darunter 46 Familien mit 50 Kindern aus der Ukraine. Das tägliche Brot, das Dach über dem Kopf, ist für die Menschen wichtig, betonte Pfarrer Kern zu Beginn des Gottesdienstes, was auch in der Schriftlesung aus dem Johannesevangelium 6, Verse 1-5 deutlich wurde, das vom Brotwunder Jesu mit der Verwandlung von fünf in fünftausend Brote berichtet. In der Dialogpredigt meinte Pfarrerin Gotzmann mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und dessen Folgen auch für uns sowie auf die Dürre könnten wir ein Wunder gut gebrauchen. Doch der Mensch lebt nicht von Brot allein, waren sich die beiden Geistlichen einig, es gehe auch um das geistige Brot, den Glauben an Jesus Christus, den Hunger der Seele. „Unser tägliches Brot gib uns heute“ heißt es im Vaterunser, dem bekanntesten Gebet der Christen, das gemeinsam gebetet wurde. Der Ökumenische Projektchor unter Leitung von Andrea Zeilfelder auf der Empore und die Katholische Kirchenmusik mit Dirigent Wolfgang Rothenheber begleiteten den Gottesdienst musikalisch, wobei das KKM-Orchester mit seiner schwungvollen Klangfülle für emotionale Momente sorgte, zum Einzug und besonders beim Lied in der Kerweversion „Danke für diese schöne Stunde“ und beim fröhlichen Nachspiel. Hinaus ging es in die Sonne, nachdem wegen Wind und Wolken in St. Michael Gottesdienst gefeiert wurde und nicht unter freiem Himmel in der alla!-hopp-Anlage.

    Ernste und heitere Momente prägten den ökumenischen Kerwegottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael mit Pfarrerin Johanna Gotzmann und Pfarrer Peter Kern. Foto: Hannelore Nowacki


    Wochenende mit tollen Angeboten zur Kerwe

    Immer zur Kerwe haben Bürstädter Fachgeschäfte wie Vetter Moden, KIDS & Casuals und die Brillenschlange, das bekannte Augenoptikfachgeschäft, besondere Angebote für ihre Kunden. Eine Tradition, die bei den Kunden auch diesmal gut ankam. Bei Vetter Moden waren 20 Prozent Rabatt für die Taifun Damenkollektion und 25 Prozent Rabatt bei den Herrenhemden von Olymp geboten. Was die Eltern besonders freute, bei KIDS & Casuals gab es auf die Garcia Kollektion für Mädchen und Jungen 30 Prozent Rabatt, das Damenlabel Vero Moda punktete mit 20 Prozent Rabatt. Aus einer großen Auswahl war bei der Brillenschlange jede Sonnenbrille für 20 Euro zu haben - wenn die Kunden eine Lebensmittelspende für die Bürstädter Tafel mitbrachten. Natürlich musste diese Spende allen rechtlichen Anforderungen entsprechen, ungeöffnet und einwandfrei sein sowie mit gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Ganze 50 Kilogramm waren zusammengekommen, querbeet vom Nudelpaket bis zur Schokoladentafel. Hannelore Nowacki

     

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