RIED – Am 2. März lud die katholische Erwachsenenbildung der Pfarrei Alfred Delp zu einem Vortrag von Dr. Frank Meessen in das Gemeindezentrum St. Michael in Bürstadt ein. Das Thema lautete: „Die Frage nach Gott“. Dr. Meessen machte gleich zu Beginn deutlich, dass sein Vortrag kein Monolog sein sollte, sondern eine Einladung zum Nachdenken und zum Austausch – unabhängig von persönlichem Glauben oder Weltanschauung.
Über Gott zu sprechen, so betonte er, könne man nicht mit dem Anspruch tun, endgültige Antworten zu geben. Gerade die Frage nach Gott bleibe für viele Menschen offen. Statt eindeutiger Antworten gehe es vielmehr darum, Fragen zu stellen und einen Raum für das gemeinsame Suchen zu öffnen. Eine echte Frage ist wie eine offene Einladung und verträgt sogar Gegenfragen. So wurde der Vortrag selbst zu einer Einladung, sich mit den eigenen Fragen, Zweifeln und Sehnsüchten auseinanderzusetzen.
Im weiteren Verlauf griff Dr. Meessen den berühmten Text über die Liebe aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus auf (1 Kor 13,1–7). Er stellte die Frage, warum es uns Menschen oft so schwerfällt zu lieben. Häufig liege dies daran, dass wir Angst haben – etwa die Angst, uns zu verlieren, zu kurz zu kommen oder verletzt zu werden. Die Angst habe viele Gesichter.
Als Gegenbild dazu beschrieb Dr. Meessen die „entwaffnende Logik der Liebe“, ein Gedanke, der auch bei dem Philosophen Erich Fromm zu finden ist. Liebe bedeute, die eigenen Schutzmechanismen ein Stück weit loszulassen: Angst, Vorsicht und Stolz zurückzustellen und so neue Freiheit zu gewinnen. Wo Menschen einander wirklich begegnen, verlieren trennende Grenzen an Bedeutung. In solchen Momenten berühren sich Himmel und Erde, weil Gott den Menschen nahe ist. Vertrauen und Hingabe können dort wachsen – ohne Leistung, einfach nur da zu sein und danken.
Im dritten Teil des Vortrags ging Dr. Meessen auf die Begegnung des Propheten Elija mit Gott am Berg Horeb ein (1 Könige 19,8–13). Die Bibelstelle erinnert daran, dass Gott nicht immer in Macht und Gewalt erscheint, sondern oft in der Stille – im leisen Wort.
Die rund 15 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, eigene Erfahrungen aus ihrem Glaubensalltag einzubringen. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich Menschen Gott begegnen – und wie bereichernd es sein kann, diese Erfahrungen miteinander zu teilen.
Allerdings wurde von dem Personenkreis auch klar darauf hingewiesen, dass den meisten Anwesenden ein entscheidender Punkt bei dem Vortrag fehlte, nämlich Gottes Sohn (Jesus), zu dem viele eine noch engere Bindung haben.
Diesen Sachverhalt griff Dr. Meessen auf und wird demnächst zu einem weiteren Diskussionsabend in Bürstadt einladen. zg
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