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  • So., 03. Mai 2020, 10:23 Uhr
    NABU Lampertheim e.V.: Amphibien und Reptilien in der Grube Feuerstein in Lampertheim

    Die heimische Natur Erwachsenen und Kindern näher bringen

    LAMPERTHEIM – „Was sind denn Tiere mit Doppelleben?“,  „Sind Erdkröten giftig?“, „Warum wollen manche Bergmolche nie erwachsen werden?“, „Können Eidechsen ihren Schwanz abwerfen?“ – In einer Reihe von 4 Beiträge möchte der NABU Lampertheim e.V.  diese und andere Fragen über Amphibien und Reptilien klären, um die Tiere der heimischen Natur Erwachsenen und Kindern näher zu bringen. Im ersten Teil berichten wir über Amphibien, ihre Lebensgrundlage und was die Lampertheimer Grube Feuerstein damit zu tun hat. In den darauffolgenden Beiträgen geht es um die Erdkröte, den Bergmolch und die Zauneidechse.

    Die Natur der Grube Feuerstein ist durch trockene, sandige Böschungen, Wasserflächen, Röhricht, Silberweiden, Hecken und Sandmagerrasen-Flächen geprägt. Die Vielfalt der Lebensräume des Geländes ist die Grundlage einer hohen Anzahl an seltenen Pflanzen und Tierarten. Neben vielen Vogelarten ist die Grube Feuerstein auch für Amphibien und Reptilien von Bedeutung: Zauneidechse, Erdkröte, Bergmolch, Teich- und Gras- und Springfrosch sowie Kreuz- und Knoblauchkröte wurden dort gesichtet bzw. laichen dort.

    Würmer, Schnecken und Insekten als Hauptnahrung
    Insgesamt leben in Deutschland 21 Amphibienarten. Seit 1980 stehen alle Amphibienarten gemäß Bundesartenschutzverordnung unter besonderem Schutz. Ihr Leben ist eng an das Wasser gebunden. Zum Ablegen ihrer Eier (Laich) müssen sie in jedem Frühjahr Laichgewässer aufsuchen. Aus den Eiern schlüpfen über Kiemen atmende Larven, die ihre erste Lebenszeit im Wasser verbringen. Nach einer Umgestaltung des Körpers (Metamorphose), in der sie Lungen- und Hautatmung ausbilden, beginnen sie ihr Landleben und kehren meist nur zur Fortpflanzungszeit ins Wasser zurück. Der Begriff Amphiba (aus dem Griechischen) bedeutet „Doppellebende“, was das anfängliche Leben als Larve im Wasser und als erwachsenes Tier an Land beschreibt. Ihre wasserdurchlässige, kaum verhornte Haut bindet sie zeitlebens an Feuchtbiotope. Würmer, Schnecken und Insekten sind ihre Hauptnahrung, was sie zu biologischen Schädlingsbekämpfern in Gärten macht.

     Ursächlich für den Artenrückgang der Amphibien von 41 Prozent ist der Verlust ihres Lebensraums durch den Menschen: Durch die Verschmutzung von Gewässern sind Laich und Larven stark bedroht. Fressen sie Insekten, die mit Insektiziden belastet sind, werden sie selbst vergiftet. Die Tendenz zur großflächigen landwirtschaftlichen Bebauung führt zur Zerstörung von Lebensräumen wie Hecken, Gräben, Sumpflöchern und Tümpeln, wovon die gesamten einheimischen Tierarten betroffen sind. In den letzten 50 Jahren ist ein Rückgang von 80 Prozent der Kleingewässern zu verzeichnen, was auch durch einen sinkenden Grundwasserspiegel bedingt wird. Die Kanalisierung der Flüsse führt zur Zerstörung natürlicher Lebensräume. Immer mehr Straßen kreuzen die Amphibien-Wanderwege und werden zu tödlichen Fallen.

     Das Schaffen, Erhalten und Optimieren von Feuchtbiotopen erhält ihre Lebensgrundlage. Die Extensivierung der Ackernutzung und die Anlage von Ackerbrachen in den Landlebensräumen von besonders schützenswerten Arten wäre wichtig.

    Zum Teil streng geschützte Amphibienarten stark rückläufig
    Auch in der Grube Feuerstein ist die Zahl der zum Teil streng geschützten Amphibienarten stark rückläufig. Eine ungestörte Reproduktion der Amphibien wird durch Fische, die vermutlich in den See ausgesetzt wurden, behindert. Diese fressen den Laich. Als erste Gegenmaßnahmen wurden durch den NABU abgetrennte reine Amphibientümpel angelegt. In diesen Tümpeln ist der Laich vor Fischen geschützt und die Jungtiere können sich ungestört entwickeln.

    Wer ein Grundstück oder Garten besitzt oder nutzt, kann Lebensräume und Laichgewässer für Amphibien schaffen. Das Einsetzen von Tieren ist nicht notwendig, da Kleingewässer in der Regel innerhalb kurzer Zeit besiedelt werden. Maßnahme, die den Lurchen helfen: Anlage naturnaher Gartenteiche ohne Fischbesatz, ungenutzte Teile des Gartens gezielt verwildern lassen und im Garten auf die Anwendung von Kunstdüngern und Giften (Pflanzenschutz) verzichten.

    Im Kreis Bergstraße werden in Bereichen mit intensiver Amphibienwanderung entlang der Straße niedrige Zäune aufgestellt und Fangeimer eingegraben. Die wandernden Amphibien versuchen, die Krötenzäune zu umwandern, und fallen in die Fangeimer. Aus diesen werden sie durch ehrenamtliche Helfer entnommen und sicher über die Straße getragen. Noch effektiver sind Straßensperrungen und stationäre Anlagen mit Amphibientunneln. zg

    Teile der Grube Feuerstein: Foto: W. Deck


     

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