GEMEINSAM FEIERN: Kerbevadder Alexander Scholl glossierte gekonnt Geschehnisse im Ort und in der Welt
„Die Howwemer Kerb ist etwas Besonderes“
Der Hofheimer Carneval Verein führt derzeit den Vorsitz im Arbeitskreis Hofheimer Vereine und stellt somit auch den Kerbevadder. Die Kerberedd von Ortsvorsteher und HCV-Sitzungspräsident Alexander Scholl am Alten Rathaus brachte die Geschehnisse in der Welt und im Ort auf den Punkt. Grußworte gab es vom Ersten Stadtrat Marius Schmidt und dem stellvertretenden Ortsvorsteher Marco Knecht, die Moderation bei der Eröffnung übernahm HCV-Chef Volker Hildebrand. Foto: Petra Gahabka
HOFHEIM – Die Kerb, sie hat gefehlt. Nach zwei Jahren Coronapause wurde in Hofheim endlich wieder Kirchweih gefeiert. Die Stimmung war dieses Mal besonders ausgelassen, schließlich galt es einiges nachzuholen. Auch die Regenschauer am Freitag- und Samstagabend taten der guten Laune keinen Abbruch, in den Zelten rückte man einfach enger zusammen.
Aus allen Richtungen strömten Jung und Alt am Samstagnachmittag zur Kerbe-Eröffnung am Alten Rathaus, wo der Evangelische Posaunenchor unter der Leitung von Dirk Hindel zunächst mit einem Platzkonzert unterhielt. Ein besonderer Hingucker war dieses Mal der Einmarsch des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehren Hofheim/Bürstadt, der Kerbeborsch und -mädels sowie der Garde des Hofheimer Carneval Vereins (HCV) mit ihrem Sitzungspräsidenten Alexander Scholl. „Seid Ihr bereit?“ wollte HCV-Chef Volker Hildebrand, der aktuell den Vorsitz im Arbeitskreis Hofheimer Vereine führt, bei der Begrüßung wissen. Das laute Ja der Gäste ließ keinen Zweifel, die Party konnte starten.
Für den Ersten Stadtrat Marius Schmidt, der betonte „Howwe im Herz“ zu tragen, war es die erste Kerbe-Eröffnung in Lampertheims größtem Stadtteil. Seine Grußworte überbrachte er standesgemäß in Reimform und Mundart. Für seine Aussage „Die Howwemer Kerb, des wisse ma all, is die schenscht weit und breit“, erntete er reichlich Beifall, ebenso für die Extrastunde, die am Samstag das Feiern bis zwei Uhr erlaubte. Marco Knecht überbrachte in Vertretung des Ortsvorstehers, der als Kerbevadder ein anderes wichtiges Amt bekleidete, die Grüße des Ortsbeirates. Sein Dank galt der Stadtverwaltung und den hiesigen Vereinen, „die dazu beitragen, dass dieses Fest nach zweijähriger Pause auch gelingt“. Der Einsatz der teilnehmenden Vereine sei sensationell, „wer hier feiert, braucht net fort“.
In seiner mit Spannung erwarteten Rede glossierte Alexander Scholl, Ortsvorsteher, HCV-Sitzungspräsident und Kerbevadder in Personalunion, gekonnt die Geschehnisse in der Welt und im Ort. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Posaunenchor und der Spielmannszug unter der Stabführung von Steffi Bär. „Das Schreiben einer Rede in diesem Jahr ist nicht ganz einfach, weil eigentlich die letzte zwei Jahr nix war“, stellte Scholl zu Beginn fest. Das Coronavirus habe von heute auf morgen alles auf den Kopf gestellt, das gesamte gesellschaftliche Leben lag am Boden. Feuerwehr, Turnverein, HCV und Krautstorze mussten ihre Jubiläen verschieben, die Fastnacht fiel aus, das Konzert des Posaunenchors brauchte drei Anläufe. Dazu kam noch der Ukraine-Krieg, der dafür sorgt, dass die Welt total verrücktspielt. Bemerkenswert sei die große Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement, „ohne diese Leistung bestünde in unserem Land weit und breit an vielen Stellen absolute Handlungsunfähigkeit.“ Egal, ob Umbau der Sparkasse, mobiler Garten am Historischen Rathaus, Alte Schule, die bald der Stadt gehört, Sanierung des Lampertheimer Hallenbades oder Buslinie 642, die wieder nach Worms fährt – Scholl hat in seiner Kerberedd zu einem kritischen und unterhaltsamen Rundumschlag ausgeholt und dabei stets den richtigen Ton getroffen.
Nach der Kranztaufe, drei donnernden Howwe Helau, „Wem geheert die Kerb?“ und Freibier war der offizielle Teil beendet. Die Pfarrer Holger Mett und Adam Malzcyk hatten zum ökumenischen Gottesdienst in der Balthasar-Neumann-Kirche eingeladen, und das Kerbedorf zwischen Altem Rathaus und Feuerwehrgerätehaus lockte mit Rummelplatz, Livemusik, ausdauernden DJs sowie leckeren Speisen und Getränken. Der Reitverein verwöhnte die Gäste mit Cocktails, die SPD mit Bembel und Sekt. Die Bürstädter Band Small Town Maniax, die am Samstagabend bei den Fußballern spielte, sorgte bei den Feiernden für Begeisterung. Der Kirchenchor und Gesangverein Cäcilia schenkte ausgesuchte Weine aus, die Feuerwehr verwöhnte mit Hackbraten und Bratwurst, beim HCV ließ man sich die Narrenkappe sowie leckere selbstgebackene Kuchen schmecken. Das erste Mal mit dabei war die Bürgergemeinschaft Hofheim, die auf dem Gelände des Angelsportvereins Rotfeder Pfälzer und Odenwälder Spezialitäten servierte. Die Speisekarte des Turnvereins reichte von Kartoffelsupp und Quetschekuche bis zu Kartoffelpuffer mit Lachs, zum Frühschoppen am Montag gab es Weißwurst und Brezel.
Das Charity-Konzert der Howwe-Allstars am Stand der Carpe Noctem Corporation, bei dem auch der 16-jährige Jan Aaron Snaschel nicht fehlen durfte, hat Tradition. 380 Euro kamen dieses Mal zusammen, der CNC rundete für die Hilfsaktion rund um Tatjana Rieger auf 500 Euro auf. Kerbezeitung, Kerbeausgrabung mit Straßenfest, Kerberedd und Livemusik an der „Vorstadt“, Getränkestand und Party im Kerbedorf und schließlich noch das Schubkarrenrennen am Montag, an dem vier Kinder- und 14 Erwachsenenteams teilnahmen. Das alles haben die Howwemer Kerbeborsch und -mädels organisiert und gestemmt. Das Engagement, das in Hofheim gezeigt wird, ist groß und Volker Hildebrands Fazit zur Kerb durchweg positiv: „Die Vereine haben ein vielfältiges Programm zusammengestellt, für Jung und Alt war etwas dabei, das Miteinander hat funktioniert. Die Howwemer Kerb ist eine besondere Kerb.“ Petra Gahabka