
BÜRSTADT – Der Bürstädter Künstlerverein (KVB) hat sich im Jahr seines 30-jährigen Jubiläums für die 25. Kunstausstellung eine Neuerung einfallen lassen, die sofort ins Auge sprang: Im großen Saal des Bürgerhauses waren es die geräumigen Blickachsen und weiten Gänge mit viel Platz zwischen den Stellwänden mit den Kunstwerken und Sitzgruppen unterschiedlicher Stilrichtungen, die zum beschaulichen Kunstgenuss einluden. Vor allem Bilder und Gemälde waren zu entdecken, weniger Skulpturen als in den vergangenen Jahren. Konnte der KVB noch im letzten Jahr mit Rekordzahlen bei Besuchern und mit über 70 Ausstellern aufwarten, an deren Ständen sich die Schaulustigen drängten, war der Plan mit nur 53 Ausstellern aufgegangen – der weite Raum für Gespräche und Entdeckungen entlang der Blickachsen wurde von Besuchern und Künstlern als wohltuend empfunden, soweit dies in Gesprächen in Erfahrung gebracht werden konnte. „Wir springen aus dem Gleis der festgefahrenen Gewohnheiten“ hatte der Kunstverein als neues Motto vorgestellt und mit der räumlichen Gestaltung viel Lob eingeheimst. Auch Barbara Berger, Künstlerin aus Oberhausen-Rheinhausen, war positiv gestimmt. Das Ambiente findet sie für ihre kleinformatigen Acrylbilder wunderbar. Auf das Bild mit dem Titel „Weinender Jude“ wies sie besonders hin, das sei einfach aus dem Herzen entstanden. Wohl nicht zufällig in diesen Zeiten. Im Vergleich zum letzten Jahr, sei die Ausstellung zwar ungewöhnlich, aber für die Kommunikation gut, kein Künstler werde übersehen. So sieht es auch Jo Wilhelm, der mit seinen Bildern das Bauhaus-Thema „reloaded“ mit viel Farbe und neuen Perspektiven aufnimmt. Schön bunt blicke er in die Zukunft. Die längeren Gespräche mit Besuchern und Künstlerkollegen schätzt er vor allem.
Kunst mit Kommunikation
Martina Rausch, die 1. Vorsitzende des Künstlervereins, und Pressesprecher Michael Müller freuten sich, dass die neue Konzeption gute Resonanz fand. Mehr Ruhe nannte Rausch als Vorteil und dass sich viel mehr Gespräche entwickelten. Ob die Verleihung der Kunstpreise im nächsten Jahr wieder aufgenommen wird bleibe noch offen. Mit den Besucherzahlen zeigten sich beide sehr zufrieden. Zur Vernissage am Freitagabend sei viel los gewesen und der Samstag sei sogar stärker gewesen als in den Vorjahren. Bei schönstem Herbstwetter sei der Sonntag etwas ruhiger, doch zur Bilder-Aktion mit Festrede von Apotheker und Förderer Hermann Müller und musikalischem Beitrag von Swen Poth (Gitarre und Gesang) eine Stunde vor Ausstellungsende erwartete er noch einmal starken Zulauf. Zur Präsentation der 53 gespendeten Bilder stellten sie auf der Bühne frühzeitig die Staffeleien auf. Angeschriebene Vereinsmitglieder haben die Bilder aus ihrem Bestand gespendet, aus der kunsthandwerklichen Sparte des Vereins hatte Katja Meier ein Ruhekissen mit der Aufschrift „Liebe ist die Antwort“ genäht. Nach feierlicher Übergabe werden die Kunstwerke im neuen Gebäude des Alten- und Pflegeheims St. Elisabeth die Wände zieren.
Foto: Hannelore Nowacki
Ausstellung mit Effekten
Beim Erlebnisrundgang durch die Ausstellung machte das schwarze Zelt von Sandra Fürth neugierig. Im Innern erstrahlten unter Schwarzlicht ihre Gemälde mit eindrucksvollen Effekten. LED-Lämpchen produzieren das Licht, die in Rahmen verbaut sind oder als Strahler die Acryl-Bilder von Tiger, Wolf, Chamäleon und Teufelsfisch magisch in Szene setzen. Bis zum Abitur hatte sie Kunst als Leistungskurs, dann hatten Familie und Beruf Vorrang, doch vor fünf Jahren hat Sandra Fürth die Malerei wieder für sich entdeckt. Die jüngste Künstlerin in der Ausstellung war die 16-jährige Lenya Herzig aus Bensheim. Fotorealismus nennt sie ihre Stilrichtung, mit Ölfarben und Kohlestift gibt sie ihren Bildern den besonderen emotionalen Ausdruck. Augen blicken eindringlich. Beim Schwarz-Weiß-Bild der Geschwister Scholl hat sie die Acrylfarbe gesprüht. Nach dem Abitur hofft sie auf ein Kunststudium in Schottland. Vorstandsmitglied Sigrid Stadtmüller hatte das Gemeinschaftswerk zum Thema „Sommer im Central Park“ im Blick, das bei der Jubiläumsfeier im Sommer unter Beteiligung mehrerer malender Gäste bereits Fortschritte gemacht hatte.
Hannelore Nowacki

















Beitrag aus der Rubrik