Verein für Heimatgeschichte: Rote Klinker in Nordheim ans Licht gebracht
Die „Rote Treppe“ zum Rhein hat eine Geschichte
Über die Rote Treppe kommt man dem Rhein ganz nahe. Landrat Christian Engelhardt (links), Ulrich von Heyl und der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim Günter Mössinger waren die frisch geputzten Klingerstufen hinabgestiegen. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – In Rom ist die Spanische Treppe ein Anziehungspunkt und in Stuttgart schafft es die große Treppe am Kleinen Schlossplatz immer wieder in die Medien. Nun hat auch Nordheim eine ganz besondere Treppe: Die Rote Treppe am Ufer des Rheins. Auf dem Weg vom Fährturm zu den Resten der Burg Stein wirkt sie so natürlich mit der Umgebung verbunden, dass man sie im Vorübergehen übersehen könnte. Doch an dieser Stelle kann der Blick weit über den Strom schweifen, reger Schiffsverkehr ist zu beobachten. Und auf dem kleinen Sandstrand haben sich Muschelschalen angesammelt.
Denkmal mit interessanter Geschichte
Dass diese Rote Treppe ein Denkmal mit einer interessanten Geschichte ist, erfuhren die Teilnehmer des Pressetermins am Montagvormittag vom Vorsitzenden des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim Günter Mössinger und von Ulrich von Heyl, dessen Vorfahr Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim diese Treppe um das Jahr 1900 erbauen ließ. Vom Schiff kommend, wollte der Geheime Kommerzienrat und Reichstagsabgeordneter und auch Wormser Ehrenbürger gefahrlos an Land gehen können. Seine Jagdleidenschaft führte ihn in den nahen Steiner Wald, ein Vergnügen, das sich auch Nordheimer Jägern gönnten.
Mitglieder des Vereins für Heimatgeschichte haben die Treppe im letzten Jahr freigelegt. Auf sauber geputzten Stufen kann man zum Rhein hinuntersteigen. Zur Präsentation hatte der Verein zahlreiche Vertreter aus der Politik, aus dem Kreis der Heimatforscher und der Bürgerstiftung Biblis und Vertreter der Forstbehörde eingeladen. Marius Schmidt von der SPD Lampertheim zeigte sich als Fan der Nordheimer Geschichte, der auch wiederholt das Museum besucht hat. Ulrich von Heyl, in Worms geboren, in Lampertheim lebend, erfreute Heimatforscher Mössinger zudem mit einem historischen Bild von der Burg Stein, das eine handschriftliche Widmung trägt. Einst war das Bild ein nobles Geschenk für ein Mitglied der adligen Familie Heyl. Im Burg-Stein-Museum im Nordheimer Alten Rathaus wird es ausgestellt.
Verborgene Zeugnisse
Landrat Christian Engelhardt hatte sich die Zeit für einen Besuch genommen, stiegt mit Günter Mössinger und Ulrich von Heyl die Klinkersteintreppe hinab und sprach ein begeistertes Grußwort mit viel Anerkennung für den engagierten Verein. „Man kann erkennen, mit welcher Leidenschaft die bereichernde Geschichtsarbeit hier stattfindet, die gleichwohl Arbeit ist“. Wobei der Verein schon mehrfach in der Erde verborgene Zeugnisse vergangener Zeiten gefunden und geborgen habe, in einer Region, die mit Geschichte seit der Römerzeit reichlich beschenkt sei.
Ein historisches Bild von der Burg Stein mit Umgebung hatte Ulrich von Heyl (rechts) für das Burg-Stein-Museum mitgebracht. Aus seiner Familiengeschichte wusste er einiges zu erzählen. Günter Mössinger dankte ihm, dabei den Abstand nach Coronaregeln einhaltend. Foto: Hannelore Nowacki
Ortsvorsteherin Renate Weissbrodtsieht die Parteien in der Verantwortung für Denkmäler und Rita Schramm, Vorsitzende der Gemeindevertretung Biblis meinte, dass hier noch ein Hinweisschild für Spaziergänger und Radfahrer fehle. Da die Rote Treppe aus dunkel rötlichen Tonklinkersteinen gar nicht feuerrot sei, wie man denken könnte, wäre ein Hinweis sinnvoll. Wie Mössinger anmerkte, gebe noch eine gelbe Treppe. Bürgermeister Volker Scheib würde hier gerne eine Bank sehen – die Bürgerstiftung wird diesen Wink aufnehmen. Einen erlebbaren Weg stellt sich Scheib hier am Rhein vor, ein Vorhaben für einen Runden Tisch, um die Interessen abzustimmen. Scheibs Wunsch, weiter eifrig zu bleiben, wird der Verein für Heimatgeschichte gerne nachkommen, wie die weiteren Ausführungen des Vorsitzenden deutlich machten.Hannelore Nowacki