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  • Mo., 24. April 2017, 09:55 Uhr
    Premiere des Lustspiels „Hodel ginsdisch häzugewwe“ - Hotelverkauf mit Witz

    „Die Sainäwwel“ begeistern mit sprachlicher Vielfalt



    Einfallsreich geht es zur Sache, um das Hotel günstig loszuwerden. Foto: Hannelore NowackiRIEDRODE – Die Bürstädter Theatergruppe „Die Sainäwwel“ machte es dem Premierenpublikum im Bürgerhaus leicht, das abendfüllende Lustspiel „Hodel ginsdisch häzugewwe“ in drei Akten zu genießen. Obwohl das „Hotel zur Bruchweide“ ein Problemfall und daher günstig abzugeben ist, ging es auf der Bühne munter zur Sache, ja sogar nackte Tatsachen waren zu ahnen. Hotelier Klaus Massoth (Norbert Gebhardt) und seine resolute Gattin Susanne (Gabi Schäfer-Bauer) denken an ein hübsches Sümmchen für ihr Zwölfzimmer-Etablissement, dem es schon länger an Gästen mangelt. Als verkaufswillige Hotelbesitzerin inszeniert Susanne Massoth eine tolle Show, auf die der potente Kaufinteressent Gerd Hartmann in Begleitung seiner Frau prompt hereinfällt. Die beiden neuen Gäste haben jedenfalls ihren Spaß, finden das Zimmer und die Gartenterrasse an der Bühne unten rechts großartig. Ein paar Merkwürdigkeiten machen der attraktiven und unternehmungslustigen Gattin (Simone Kipfstuhl) jedoch zu schaffen. Vor allem Hartmanns verfrühte Anreise hatte die Massoths aus dem Konzept gebracht, allerdings zum Vergnügen des Publikums, das im langen ersten Akt Zeuge einer sich allmählich zuspitzenden Lage wurde. Zum Glück hatte der Wodkaliebhaber und Haustechniker Adam Mallig (Karl-Hans Reischert) beim Reparieren der WC-Spülung ein gutes Händchen gehabt und auch den Türgriff zum fraglichen Zimmer 7 konnte er später gut montieren. Als neuer „Gast“ und seriöser „Pfarrer“  machte er solange eine gute Figur, bis er alle Wodkaverstecke geleert hatte – aber das Publikum hat wieder Anlass zur Heiterkeit. Der schrullige Major Erich Seidlitz (Markus Winkler) mit dem sächsischen Migrationshintergrund und entsprechendem Sprachklang ist bislang der einzige Gast im Hotel gewesen, doch schnell wimmelt es von Gästen, wie es scheint. Plötzlich taucht Abdul, der Araber mit orientalischem Akzent auf, auch er will das Hotel kaufen. Der arme Carsten Ohl (Thomas Hayer) muss sich in zwei Rollen einfinden, die Chefin erwartet von ihm wechselweise Perfektion an der Rezeption mit gediegenem Hochdeutsch und im häufig gefragten Zimmerservice, eine schwierige Aufgabenstellung, die er hoch motiviert meistert – mit vielen Gelegenheiten zum Lachen. Seine Chefin ist beim Einkaufen heißt es, das Publikum weiß es besser: Sie hat sich zur Gästevermehrung entschlossen und mimt den anderen Gästen gegenüber die Frau Mooshammer-Schnarrenberger. Und noch ein Ankömmling bekundet Kaufinteresse, Manfred Müller, der König vom Jungbusch (Mario Schwedes). Mit Goldketten auf der Brust und eine rote Laterne hochhaltend macht er großspurig deutlich, warum er hier investieren will: Er will aus dem Hotel machen, „was in Bäschdad gut läuft“. Wie man in Bäschdad gerne spricht, war beim neuen Stück nicht so oft zu hören. Nachdem die Turbulenzen im zweiten Akt rasant zugenommen hatten, reicherte sich das heitere Turbo-Chaos im dritten Akt mit Wortwitz und Pointen weiter an. Nun betrat auch die tatsächliche, gar nicht gut gestimmte Frau Hanne Hartmann (Doris Tannenberger) die Bühne, ein Umstand, der ihrem umtriebigen Gatten nicht gefallen konnte. Immer gut drauf zeigte sich die männerfressende Renate Griesheimer (Anita Reischert), die sich an ihrer wechselnden Beute erfreute. Am Ende, nach gehaltvollen drei Stunden, klatschten die Zuschauer begeistert Beifall, unter ihnen die Ehrengäste Landrat Christian Engelhardt, Landrat a. D. Matthias Wilkes, Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz, Bürgermeisterin Barbara Schader und Bürgermeister a. D. Horst Strecker sowie Pfarrer Peter Kern. Für die weiteren Vorstellungen sind nur noch vereinzelt Restkarten zu haben. Hannelore Nowacki

    Nicht nur in Zimmer 7 geht es rund. Foto: Hannelore Nowacki


     

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