HOCHWASSERSCHUTZ: Herzstück des Rheinrückhaltepolder in Biblis-Wattenheim
Die „Schwarze Schließe” im Steiner Wald
Die „Schwarze Schließe” soll das möglichst schnelle Ausfließen des Quellwassers in den Polder ermöglichen. Foto: oh
WATTENHEIM – Besonders viele Fahrradtouristen kommen täglich an der Schwarzen Schließe im Steiner Wald vorbei und überfahren die Überlaufstelle im Damm, ohne deren wichtige Bedeutung zu erkennen. Von hier bis fast an den Ortseingang von Biblis-Wattenheim erstreckt sich ein ungeregelter Polder um bei extremem Hochwasser des Rheins, einen Teil seiner Fluten aufzunehmen. Damit möchte man den Anstieg des Hochwassers auf der unteren Länge etwas bremsen, um die Städte und Gemeinden unterhalb zu schützen. Südlich von Worms wurde vor einigen Jahren ein geregelter Polder, auch mit Geldern des Landes Hessen durch Deichrückverlegungen neu geschaffen. Sein Zu- und Ablauf wird mit einem aufwendigen Schleusenhaus geregelt. Dieser Polder kann schon bei mittleren Hochwasserständen nach Bedarf geflutet werden, informiert der Verein für Heimatgeschichte Nordheim e.V..
Der Polder hier ist im Lauf der Zeit entstanden. Mit dem Bau des Neudeichs ab 1780 sollte er bei Deichbrüchen des linken Weschnitzdeichs das Land vor weiträumigen, katastrophalen Wasserausdehnungen schützen. Etwa um 1850 machte sich starkes Quell- oder Druckwasser aus dem immer noch im Wald befindlichen, mittelalterlichen Weschnitzbach negativ bemerkbar. Um diesem abzuhelfen, wurde die Altbach durch einen neu angelegten Entwässerungsgraben quer durch den Wald vom Neudeich abgelenkt. Dieser neue Graben erhielt als Regulativ die „Schwarze Schließe” im bisherigen Damm. Dieses Kulturdenkmal aus technikgeschichtlichen Gründen, versieht immer noch seinen Dienst. Eine mit mächtigen Sandsteinquadern gebaute, massive Dammschleuse, mit imposanten Radabweisersteinen. Ihr mittig angebrachter großer eiserner Absperrschieber soll in der Regel geschlossen sein. Nur bei ablaufendem Hochwasser wird durch Hochziehen des Schiebers das Ausfließen des Quellwassers möglichst schnell gewährleistet. Ein natürlicher Polder war entstanden.
1955 lief der Polder durch Dammbrüche letztmals voll. Danach wurde etwas unterhalb der „Schwarzen Schließe”, Richtung Weschnitzbrücke eine künstliche Dammvertiefung angelegt, deren Oberfläche betoniert wurde, damit überlaufendes bedrohliches Hochwasser den Damm, der gleichzeitig Weg ist, nicht beschädigt. Bei der Ausgrabung der Burg Stein / Zullestein 1970 - 73 wurde mit dem Aushub vom Schlossbuckel die Überlaufstelle auf der Landseite breit verstärkt. Bisher gab es zwar schon beachtliche Hochwasserwellen, die aber immer nur bis wenige Zentimeter unter die Überlaufstelle angestiegen sind. Der Steiner Wald, die Burg Stein, wertvolle Feldfluren, das Wattenheimer Kieswerk und die Freizeithäuser am Altried blieben von metertiefem Hochwasser verschont. zg