
HÜTTENFELD – Von Neuschloß kommend beherrscht bis zum Abzweig in die Lorscher Straße das Schloss Rennhof mit seinem Turm den Horizont, dann geht es hinein in den weitläufigen Innenhof, unter den Füßen ist das historische Pflaster zu spüren. Weil gerade Sommerferien sind, ist es still, keine Schüler da, aber Schulleiterin Rasa Weiß hat sich für die Besucher Zeit genommen für eine Führung durch alle Gebäude, am Schluss beeindruckte der Park mit seinen alten Bäumen, dem Märchenweg, Teich und Multifunktionssportplatz. Alexander Scholl, CDU-Fraktionsvorsitzender, Hofheimer Ortsvorsteher und ab Dezember Bürgermeister, begrüßte zur letzten Etappe der CDU-Sommertour zwölf Mitglieder und Mandatsträger verschiedener Gremien – Magistratsmitglieder, Ortsbeiräte, Stadtverordnete und den Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (CDU), der hier einst Lehrer war. Ganz bewusst gehe es bei diesen Sommertouren um andere Themen als sonst im politischen Alltag mit seinen Beschlussvorlagen. Eine Firma habe man in den Wochen zuvor besucht, das neue im Bau befindliche Ärztehaus und den zukünftigen Pflegebauernhof. Das Litauische Gymnasium sei ein hoch interessantes Ziel, meinte Scholl, das in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen gefeiert hat. Schulleiterin Weiß kündigte an, bei der Führung auch über die Geschichte der Schule zu informieren. Die vielstufige Treppe zum Schulgebäude, über dem Haupteingang eine deutsche und eine litauische Inschrift mit dem Namen der Schule, sei für Gruppenfotos ein beliebtes Motiv, meinte Weiß. Weltweit sei die Schule unter dem litauischen Namen „Gymnasium des 16. Februar“ bekannt, das Datum des litauischen Unabhängigkeitstages. Eingebürgert habe sich „Litauisches Gymnasium“. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Flüchtlinge aus Litauen den Wunsch nach Bildung in Eigenregie, erklärte Weiß. Sie dachten damals bald in die Heimat zurückkehren zu können, die von der Sowjetunion besetzt war. Doch erst 1990 wurde Litauen unabhängig.
Foto: Hannelore Nowacki
Unterricht in kleinen Klassen – Internat für Auswärtige
Die 180 Schüler werden bis zum Abitur in 9 Jahrgangsklassen unterrichtet, es gebe eine Warteliste. Allerdings seien Bewerbungen nach dem Realschulabschluss für die Oberstufe ab Klasse 11 willkommen, auch um das umfangreiche Angebot an Arbeitsgruppen sinnvoll auszulasten. Die 28 Lehrkräfte seien in Voll- und Teilzeit beschäftigt. Kleine Klassen, kleine Unterrichtsräume, erklärt Weiß, aber ausgestattet mit digitalen „White Boards“ – ausgedient haben die Tafeln samt Tafelkreide. Armin Süß ist ehrenamtlicher Stadtverordneter und am Litauischen Gymnasium angestellter Fachlehrer für Informatik in Teilzeit, der von der Möglichkeiten der digitalen Welt in der Schule begeistert ist, besonders auch mit Blick auf die KI. Es komme darauf an, den Schülern den richtigen Umgang mit der KI zu vermitteln. Beim Programmieren setze er auf Scratch, eine objektorientierte Sprache, die das Programm mit einigen Klicks zusammenbaue. „Intuitiv, flexibel, zuverlässig“, nennt Süß die smarte Tafel. Aber mit der Anschaffung allein ist es nicht getan. Schulleiterin Weiß weist auf beträchtliche Folgekosten für die nötigen Software-Lizenzen hin. Allerlei lässt sich mit den 3-D-Druckern und dem 3-D-Scanner anfangen. Die interessierten Besucher lernten den Computerraum mit 24 Plätzen und den naturwissenschaftlichen Raum kennen, der für Experimente in Biologie, Physik und Chemie ausgestattet ist. Mit Sprache und Kultur Litauens werden alle Schüler vertraut gemacht. Die deutschen Kinder haben einmal wöchentlich Litauenkunde, um die Mentalität, Sprache, Geschichte, die litauische Küche und vieles mehr kennenzulernen. Wer sich für Litauisch als Fremdsprache entscheidet, bekomme für das Studium dort Punkte gutgeschrieben. Begabtenförderung werde seit über 10 Jahren mit einer Fachkraft betreut und als „Schule mit Courage“ seien die Lehrer sensibilisiert für Themen wie Mobbing.
Foto: Hannelore Nowacki
Auswärtige Schüler aus Deutschland und der ganzen Welt haben ihre Zimmer im Internatsgebäude, das auch die Aula beherbergt. Ein gemütliches Zimmer zum Chillen und ein Fitnessraum mit modernen Geräten, die durch Spenden finanziert wurden, stehen ihnen zur Verfügung. Für den Neubau habe es Zuschüsse vom Kreis Bergstraße und der Stadt Lampertheim gegeben. Im Schloss Rennhof, das im Besitz der Litauischen Gemeinde in Deutschland ist, hat die Schule ihre Bibliothek und den Musikraum, die Kapelle stehe allen offen. Für den Besuch des privaten Gymnasiums fallen monatlich rund 200 Euro an, bei drei Geschwistern mit Rabatt sind es 400 Euro, das Internat mit Kost und Logis kommt zusätzlich auf 520 Euro. Beeindruckt fasste Scholl das Erlebte zusammen: Hochinteressant und informativ. Zum nächsten Johannisfest im Juni nächsten Jahres hat Schulleiterin Weiß alle eingeladen.
Hannelore Nowacki
Beitrag aus der Rubrik