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  • Fr., 07. Juni 2019, 10:41 Uhr
    „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ – Bürger für Trassenverlauf weg von Wohngebieten

    Die Zeit läuft

    Die IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ stützt sich aktuell auf ein 15-köpfiges Team von Aktiven (nicht alle im Bild). Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – „Die Zeit läuft“. So steht es alarmierend in Rot auf dem Flyer der Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ (IG), den die engagierten Bürger in den Wohngebieten verteilt haben, in denen sie selbst wohnen. Von der geplanten  sogenannten Ultranet-Trasse sind die Wohngebiete Rosenstock 3, Planckstraße und Guldenweg betroffen. „Nein“ sagen diese Bürger zur  geplanten neuen Hochspannungstrasse, der Ultranet-Trasse von Amprion mit der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) im Verbund mit der Wechselstromübertragung in ihrer Nähe, lehnen jedoch eine Stromtrasse in größtmöglicher Entfernung zu den Wohngebieten oder eine Erdverkabelung nicht ab. Dies machte die IG auch bei ihrer ersten Pressekonferenz am Donnerstagabend im voll besetzten  kleinen Saal des Gasthauses „Zur Krone“ deutlich – im Auftreten der Sprecher und teilnehmenden Bürger entschlossen, dynamisch und betont sachlich. Die drei Sprecher der IG, Heike Bosch-Hallinger, ein Kind und seit 2012 in Rosenstock 3 wohnend, Diana Taggeselle, zwei Kinder und im gleichen Jahr in ihr Haus eingezogen, sowie Artur Mähne, zwei Kinder, seit 2014 dort wohnend, stellten sich als besorgte Bürger und Eltern vor, die für viele betroffene Familien sprechen. Auf das Thema Hybridtrasse seien sie durch die Informationsveranstaltung der Firma Amprion im April im Rosengarten aufmerksam geworden. Schnell habe sich in der Nachbarschaft ein Kreis besorgter Bürger zusammengefunden, die IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ wurde gegründet und bereits einiges unternommen. So sei der Kontakt zur Politik und Presse und zur Stadtverwaltung  aufgenommen worden, in den betroffenen Gebieten wurden rund tausend Flyer verteilt. Zudem wurde eine Kommunikationsstruktur über elektronische Medien wie Facebook, WhatsApp und Mailverteiler aufgebaut. Unter den rund dreißig Teilnehmern der Pressekonferenz waren Aktive der IG, weitere betroffene Bürger und die eingeladenen Fraktionsvertreter der Parteien im Stadtparlament, die bereits einen gemeinsamen Antrag an die Stadtverwaltung eingebracht hatten mit der Aufforderung, bei der Bundesnetzagentur fristgerecht zum 22. Juni die Forderung nach einer Alternativtrasse einzureichen. So wie es sich auch die IG vorstellt. Die IG wolle einen sachlichen Dialog führen, wenngleich das Thema auch eine emotionale Seite habe, betonte das Sprecherteam. 

    Tragfähige Alternativtrasse gefordert

    Von Bürgermeister Gottfried Störmer und der Stadtverwaltung erwarte die IG einen tragfähigen Vorschlag zur Alternativtrasse. Wegen der Kürze der Zeit bis zur gesetzten Frist am 22. Juni soll die Stadt Lampertheim eine Fristverlängerung zur Einreichung bei der Bundesnetzagentur erreichen. Auch wird die Stadtverwaltung aufgefordert, sich rechtliche Unterstützung durch Mandat an eine spezialisierte Kanzlei zu sichern, die bereits sechs weitere betroffene Kommunen vertrete. Mit diesen Kommunen soll die Stadtverwaltung sich austauschen und Synergien ausloten. Außerdem solle die Möglichkeit der Bündelung von ICE- und Stromtrasse entlang der Autobahn geprüft werden. Die IG fordert Stadtverwaltung und den Bürgermeister auf, „ihre Fürsorge- und Vorsorgepflicht wahrzunehmen“, da sie die Verantwortung für potenzielle Gesundheitsrisiken trügen. „Aus unserer Sicht sind wir in einer prekären Situation“. Von der Politik erhielt die IG an diesem Abend positive Rückmeldung und Rückendeckung. SPD-Fraktionsvorsitzender Marius Schmidt sprach zunächst im Namen der Stadtverordneten Franz Korb (CDU) und Helmut Hummel (FDP) sowie Stadtrat Jürgen Meyer (Grüne), dankte der IG für das Engagement und stellte das gemeinsame Ziel heraus: „Sie helfen uns enorm damit, eine Verschwenkung der Trasse zu fordern – das Engagement der Bürger erhöht die Chancen“. Ebenso bei der Fristsetzung. „Wir als Gebietskörperschaft sind in der Pflicht“, stellte Schmidt fest.  Helmut Hummel erläuterte sachverständig zahlreiche technische Details der Hochspannung mit Gleichstromübertragung sowie die gesetzlichen Vorgaben mit Hintertüren wie beim Landesentwicklungsplan. Bei der Alternativtrasse seien verschiedene Interessen zu berücksichtigen, zum Beispiel die der Aussiedlerhöfe im 400-Meter-Bereich und der betroffenen Grundstückseigentümer.

    Die Sprecher der IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“, Heike Bosch-Hallinger, Diana Taggeselle und Artur Mähne, stellten die Bürgerinitiative und die Forderungen erstmals in einer Pressekonferenz vor. Foto: Hannelore Nowacki


    Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der E-Mobilität sieht er einen stetig steigenden Strombedarf, der zu einer Aufrüstung der Gleichstromleitungen mit stärkerer Belastung durch Magnetfelder führen werde. Nach aktueller Gesetzeslage wäre hierfür kein erneutes Planfeststellungsverfahren mehr nötig. Angesichts dieses Netzausbaubeschleunigungsgesetzes sprach Korb vom „Vorsichtsprinzip“. Auch das von der Stadt Lampertheim geplante Neubaugebiet Gleisdreieck wäre betroffen. In den Wortmeldungen kam zum Ausdruck, dass die Bürger nicht als Versuchskaninchen herhalten wollen. Stefanie Brand aus Rosenstock 3 findet es fahrlässig, ohne wissenschaftliche Erkenntnisse weltweit diese Stromtrasse so nahe an Wohngebieten bauen zu wollen. Diana Taggeselle fasste die Dringlichkeit zusammen: „Wir stehen unter Strom – in jedweder Betrachtung“. Die IG trifft am 11. Juni den Bürgermeister, um sich über den Alternativplan zu informieren, der am 13. Juni um 19 Uhr im Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses (SEBA) vorgelegt wird. Hannelore Nowacki

    Information

    Kontaktadresse für den direkten Dialog mit der IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ ig.unterstrom@rosenstock3.de. 

    Weitere Kommunikationskanäle:

    Facebook          https://www.facebook.com/groups/431869930939495/?ref=share

    WhatsApp         https://chat.whatsapp.com/L0viV8hVQ5K8aMA2WMgOQNv

    Mailverteiler     join.unterstrom@rosenstock3.de (eine Mail mit Angabe des Namens und der Adresse senden, dann werden die Interessenten aufgenommen).

     

     

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