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Mo., 27. Juli 2015, 13:12 Uhr
BILA machte mit dem Fahrrad mobil / Über 4.000 Interessierte beim „Aktionstag Bahntrasse“ am Lorscher Bahnhof
Die Zerschneidung droht: Mensch und Natur in Gefahr
Die BILA hatte am Sonntagmorgen zur Fahrradsternfahrt vom Bahnhof in Lampertheim nach Lorsch eingeladen. BILA-Sprecher Ulrich Guldner, Bürgermeister Gottfried Störmer und Helmut Hummel stimmten die Mitfahrer mit kurzen Stellungnahmen auf den Aktionstag Bahntrasse ein. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Was morgens aussah wie ein fröhlicher Ausflug in die Natur, wurde im Laufe des Tages zu einer beachtlichen und ebenso friedlichen Protestbewegung. Treffpunkt für die Fahrradsternfahrt am Sonntagmorgen durch den Wald zum „Aktionstag Bahntrasse“ nach Lorsch war am Lampertheimer Bahnhof – an die hundert Teilnehmer waren hier dem Aufruf der BILA gefolgt, wie sich die „Bürgerinitiative Lebensraum vor ICE-Trasse Lampertheim“ kurz und kraftvoll nennt. Viele Teilnehmer hatten sich die dunkelblauen T-Shirts mit dem BILA-Logo besorgt, tatsächlich arbeitet die rührige BILA am Thema Bahntrasse und Güterzugverkehr mit nur zwanzig Mitgliedern. Viel zu wenig, um die umfangreichen Aufgaben erfolgreich bewältigen zu können, wie zu hören war. Deshalb rief Dieter Goll beim nächsten Halt in Neuschloß die Bürger dazu auf, ein eigenes „Zeitfenster“ für die Mitarbeit aufzumachen, auch wer wenig Zeit zur Verfügung stellen könne, sei willkommen. Sollten die Pläne der Deutschen Bahn Wirklichkeit werden, hätte dies unerträgliche Folgen für Mensch und Natur. Dies machten die Redner an den Haltepunkten der Fahrradsternfahrt und auf der Lorscher Bühne deutlich. Ulrich Guldner, Sprecher der BILA, fasste vor der Abfahrt nach Neuschloß die möglichen Szenarien zusammen. Nach den Plänen der Deutschen Bahn könnten auf der 136 Jahre alten Riedbahnstrecke, wo zurzeit 90 Güterzüge am Tag durchdonnern, durch die Verlagerung von der Bergstraße nach Fertigstellung der Neubaustrecke zukünftig 200 Güterzüge verkehren, sogar 300 Güterzüge am Tag wären möglich. „Dieses Thema geht Sie an“, appelliert der BILA-Sprecher an die Bürger, „wir müssen uns dagegen positionieren“. Was heute gebaut werde, sei mindestens für die nächsten 200 Jahre in Betrieb und „muss für Mensch und Natur verträglich sein“.
Weitere Teilnehmer an der Fahrradsternfahrt nach Lorsch kamen am Treffpunkt in Neuschloß hinzu. Die Fahrt führte weiter durch den Wald, wo Cornel Moog von Hessen Forst die Auswirkung der Zerschneidungsvariante „C“ auf die Natur am Beispiel einer Schneise von 80 Metern Breite beschrieb. Foto: Hannelore Nowacki
Der Lampertheimer Bürgermeister Gottfried erinnerte daran, dass es Alternativen gebe, die auch diskutiert wurden, doch die C-Variante dürfe es definitiv nicht geben. „Wir müssen sofort reagieren, wenn sich Maßnahmen abzeichnen“, sagte Störmer, „und das ist es, was wir heute tun“. Helmut Hummel warnte, die C-Trasse sei noch nicht vom Tisch, auch wäre der Güterverkehr auf der Riedbahnstrecke „ein gravierender Einschnitt“ für Lampertheim: „Wir müssen uns anstrengen, dass wir nicht die Hauptlast tragen“. Hofheim wäre zukünftig mit 50 Güterverkehren am Tag belastet, 28 sind es aktuell. Nur in 200 Meter Entfernung zum Neuschlösser Schloß, in nächster Nähe zur Wohnbebauung, würde die C-Trasse entlangführen, ebenso am Europaring und Rosenstock. Guldner stellte vor der noch größer gewordenen Radfahrergruppe klar: Die Neubaustrecke komme auf jeden Fall, ausgehend von Frankfurt-Zeppelinheim über Lorsch bis Mannheim-Waldhof – und auf irgendeine Weise müsse die Neubaustrecke auf die Riedbahn einschwenken. Das „Wie“ beschäftigt auch die südhessischen Landwirte, für die Dr. Willi Billau vom Regionalbauernverband Starkenburg sprach. Die C-Trasse würde nicht nur das größte zusammenhängende südhessische Waldgebiet durchschneiden, mahnte Billau, es gehe auch um die wertvollen Felder für die regionale Produktion – 50 Hektar Fläche gingen verloren. BILA-Sprecher Hans Schader meinte: „Wir müssen höllisch aufpassen, aus Gesprächen mit Projektmanagern der Deutschen Bahn wissen wir, die Pläne liegen bereits in der Schublade“. Das Schreckensszenario: 950 Güterzüge werden im Mittelrheintal verkehren und durch Stadtgebiete fahren. Auf dem Weg von den Häfen in Rotterdam und Antwerpen werden die Güter bis nach Genua transportiert, bald durch den neuen Gotthard-Basistunnel. Der Lärmschutz bleibt nach geltender Rechtslage auf Bestandsstrecken auf der Strecke. Der Applaus zeigte: Die Zuhörer wissen, was auf dem Spiel steht. Hannelore Nowacki