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  • Do., 26. August 2021, 12:02 Uhr
    Geo-Naturpark-Tafel erzählt die Geschichte der schweren Glocke aus schwerer Zeit 

    Drei Tonnen schwere Bartholomäusglocke gesegnet 

    Die Bartholomäusglocke weckte bei einigen Biblisern Erinnerungen aus ihrer Kindheit. Im Bild (von links): Manfred Gölz, Erster Beigeordneter Herbert Ritzert, Bürgermeister Volker Scheib, Geo-Naturpark-Geschäftsführerin Dr.  Jutta Weber und Günter Mössinger, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Vierzig Jahre hat die Bartholomäusglocke im Freien auf dem Gelände des Bauhofs überstanden und grüne Patina angesetzt. Jetzt hat sie mit neuem, schützendem Anstrich ihren dauerhaften Platz im Grünen zwischen St. Bartholomäuskirche und Bürgerzentrum bekommen. Am Dienstagabend nach dem Gottesdienst erhielt sie von Pfarrer Ludger Maria Reichert den Segen mit Weihwasser und Weihrauch. Als Denkmal könne er die Bartholomäusglocke segnen, erklärte Pfarrer Reichert, eine Glocken weihen könne nur ein Bischof so wie es 1949 geschehen war. Die Gottesdienstbesucher und weitere Zuschauer bildeten einen großen Halbkreis, im Blick die Glocke und die neue Geo-Naturparktafel, die zum Lesen in deutscher und englischer Sprache einlädt und die historischen Begebenheiten erzählt. Ein Ministrant enthüllte die Informationstafel, dann sprachen Bürgermeister Volker Scheib, die Geschäftsführerin des Geo-Naturparks und der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim Günter Mössinger. „Die Glocke hat eine Sozialgeschichte, die es wert ist zu zeigen“, sagte Bürgermeister Volker Scheib in seinem Grußwort. Ein Stück Kultur sei sichtbar gemacht, eine Erdung fühlbar. Scheib dankte allen, die dieses besondere Denkmal ermöglicht haben: Die Bürgerstiftung und zwei Firmen als Sponsoren, Oberamtsrat a. D. Manfred Gölz, der die Idee hatte, die Glocke aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen, den Bauhofmitarbeitern und Günter Mössinger, der in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark den Text für die Informationstafel geschrieben hat. Auch Geo-Naturpark-Geschäftsführerin Dr. Jutta Weber gab ihrer Freude Ausdruck, diesen Anlass feiern zu können. Den Gottesdienst habe sie als bereichernd empfunden und sich mit dem Himmel verbunden gefühlt. Die Glocke symbolisiere Hoffnung, Zusammenhalt und Gemeinsinn, dass wir zusammen stärker sind als jeder allein. Einmalig unter den über 500 Geo-Naturpark-Tafeln in den 102 Mitgliedsgemeinden sei dieser Geopunkt mit einer Glocke. Günter Mössinger nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit, die mit dem Bau der Kirche 1876 im neugotischen Stil und ihren Bronzeglocken begann. Nachdem 1942 die drei größten Bronzeglocken der Kirche für Kriegszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen wurden, läutete nur noch die kleinste Bronzeglocke im Ostturm. Erst 1949 war wieder weithin das volle Geläut zu hören, zu verdanken war dies den spendenwilligen Bibliser Bürgern. Schwere Zeiten als Folge des Zweiten Weltkriegs verlangten den Menschen damals viel ab, ein paar Monate zuvor hatte die Währungsreform den Bürgern nur vierzig Deutsche Mark pro Kopf überlassen. Und dennoch war erstaunliches geschehen – die vier neuen eisernen Glocken für die St. Bartholomäuskirche  konnten aus Spendenmitteln finanziert werden. „Die Bibliser haben es geschafft!“, brachte Mössinger diese Leistung auf den Punkt. Bronze konnte man sich damals nicht leisten, die neue Glocke im Westturm mit einem Gewicht von 2,950 Kilogramm wie auch die drei kleineren drei Glocken wurden aus einer kostengünstigeren Eisenlegierung in der Glockengießerei in Bockenem im Harz gegossen. Als die neue Bartholomäusglocke am 30. März vom damaligen Bischof Dr. Albert Stohr feierlich geweiht wurde, sprach er von der Vertiefung des Glaubens und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft, zu der die Glocke durch ihr weithin hörbares Läuten beitragen sollte. Doch die fast drei Tonnen Gewicht hatten über die Jahre Risse im Mauerwerk verursacht, wie bei der Kirchenrenovierung 1982 festgestellt wurde. Fünf neue Bronzeglocken ersetzten die Eisenglocken. „Kinder sollen die Glocke berühren dürfen“ – der Aufforderung Mössingers kamen nicht nur die Kinder nach, auch die Erwachsenen strichen über die Glocke, die sogar klingt, wenn man sie oben mit dem Ringfinger anschlägt. Gisela Gibtner, Vorsitzende der Bürgerstiftung, machte es vor. Auf großes Interesse stieß sogleich auch die Informationstafel.  

    Eine ganz besondere Erinnerung an die Bartholomäusglocke hat Helena Häuser, die ihr ein Strahlen ins Gesicht zaubert. Als Kommunionkind war sie bei der Glockenweihe 1949 dabei. Ein Foto von damals in Schwarzweiß hatte sie mitgebracht, das zeigte sie mit anderen festlich gekleideten Kindern an der Glocke stehend. In der Gruppe um sie herum bestimmte mittlerweile heitere Feierstimmung die Lage. Geo-Naturpark-Geschäftsführerin und andere wurden mit einem Fläschchen Sekt bedacht. Hannelore Nowacki  

     

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