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Di., 20. November 2018, 07:56 Uhr
Volkstrauertag in Biblis mit Kranzniederlegung an der Gedenkstätte
„Dulden wir nicht Menschen verachtendes Verhalten“
Für ein friedvolles und von Respekt getragenes Zusammenleben sprach sich Bürgermeister Felix Kusicka bei der Feierstunde zum Volkstrauertag aus. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Zum Schweigemarsch hatten sich vor allem ältere Bürger am Alten Rathaus eingefunden. Fahnenträger der Vereine führten den Marsch zum alten Friedhof an, gefolgt von Bürgermeister Felix Kusicka und den Geistlichen beider Konfessionen, Pfarrer Ludger Maria Reichert und Pfarrer Sven Behnke. Zu Beginn der Feierstunde an der Gedenkstätte spielte Pierre-Olivier Denise einen Choral auf seiner Trompete. Vor und nach der Ansprache des Bürgermeisters sah das Programm Liedbeiträge des MGV Frohsinn unter der Leitung von Herbert Ritzert vor: „Dona pacem domine“ („Herr, gib Frieden“) und „Meine Hoffnung, meine Freude“ sowie einen irischen Segenswunsch. „Wir gedenken heute der Opfer von Krieg und Gewalt“, sagte Bürgermeister Kusicka mit Blick auf das Ende des 1. Weltkrieges a 11. November vor hundert Jahren und auf das Grauen zweier Weltkriege sowie die Grausamkeiten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, aber auch auf die Ereignisse in vielen Teilen der Welt. Der Tod von Soldaten und Zivilbevölkerung werde in Kauf genommen, Krieg werde zur Durchsetzung von Interessen als zulässig erachtet. „Kriegerische Auseinandersetzungen gehören nicht der Vergangenheit an, es scheint, als ob die Mahnung ‚Aus der Vergangenheit lernen‘ im Nichts verhallen würde“, stellte Kusicka fest. Doch wer sich das Vergangene nicht bewusst mache, laufe Gefahr, die Schrecken zu wiederholen“, gab Kusicka zu bedenken. Aktuelle Anknüpfungspunkte für eine brandgefährliche Logik machte Kusicka bei der Forderung „America first“ aus, die zur Ausgrenzung führe. „Wir denken an die unzähligen Opfer unter der Zivilbevölkerung, die ihr Leben verloren haben oder in der Folge des Kriegsgeschehens ihre Heimat verlassen mussten“. Auch an die Demütigung und Ermordung von Millionen jüdischer Mitbürger und anderer gesellschaftlicher Gruppen werde gedacht, betonte Kusicka. Zivilcourage sei heute besonders gefordert: „Dulden wir nicht Menschen verachtendes Verhalten gegenüber Andersartigen oder anders Denkenden“. Kusicka wies auf die Gefahr hin, dass „auch aus kleinsten Anfängen eine Lawine entstehen kann, die durch die Dynamik nur schwer beeinflussbar sein wird oder sich aufhalten lässt“. Auch der evangelische Pfarrer Behnke erinnerte an die Opfer und Schrecken des 1. Weltkrieges und an die über 70 Jahre Frieden in Teilen Europas. „Nie wieder Krieg“ sei nach dem 2. Weltkrieg das Lebensmotto vieler Menschen geworden. Pfarrer Reichert rief die Anwesenden zu Fürbitten auf, mit der Bitte, dass die Welt friedlicher werde, die Solidarität der Völker sich festige und dass sie ein Herz und eine Seele werden. Während Bürgermeister Kusicka und die Vorsitzende der Gemeindevertretung Rita Schramm den Kranz am Ehrenmal niederlegten spielte der junge Trompeter Pierre-Olivier Denise das berührende Stück „Ich hatte einen Kameraden“. Zum Abschluss der Feierstunde begleitete er das Singen der Nationalhymne wie im Programm vorgegeben.Hannelore Nowacki