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  • Di., 02. September 2025, 11:56 Uhr
    MUNDART: Augusttreffen der Lômbadda Babbler mit über 130 Gästen im Luthersaal

    Ein Abend voller Erinnerungen und Humor

    Kalle Horstfeld und Hans Kling.
    Foto: oh

    LAMPERTHEIM – Unter dem Motto „Zwischen Sommerträumen und Ernteglück“ luden die Lômbadda Babbler zu ihrem Augusttreffen in den Luthersaal der Martin-Luther-Kirche ein. Über 130 Gäste folgten der Einladung und erlebten einen Abend voller Geschichten, Gedichte, Erinnerungen und Mundart, bei dem Humor, Nachdenklichkeit und Heimatverbundenheit harmonisch miteinander verbunden wurden. Die musikalische Einstimmung übernahm Matthias Karb, bevor „Owwerbabbler“ Kalle Horstfeld die Besucher begrüßte und durch das Programm führte.

    Den Auftakt machte Franz Korb, der mit seinem Gedicht „De Quälgaischd“ den Lampertheimer Schnaken ein Denkmal setzte und betonte, dass man eben mit ihnen leben müsse. Mit einem kleinen Vokabeltest im Dialekt und humorvollen „Bäschdädder Witzen“ sorgte er für erste Lacher im Luthersaal.

    Erika Krämer-Tomczak widmete sich in ihrem Beitrag dem Monat August, den sie als Hochsommer, Zeit der Feste im Freien und Erntemonat beschrieb. Sie erinnerte an Einschulung, Einkochen und Backen und schilderte eindrucksvoll, wie arbeitsreich diese Wochen vor allem für die Hausfrauen waren und bis heute sind.

    Mit gesellschaftskritischen Tönen setzte sich Armin Herweck auseinander. In seinem Gedicht „Der moderne pflegeleischde Gaade“ kritisierte er die in Mode gekommenen Schottergärten, die weder Kindern noch Insekten Platz bieten. Zugleich verband er den Monat August mit persönlichen Erinnerungen an frisch gebackenen Zwetschgenkuchen, der vielen Zuhörern das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ.

    Einen humorvollen Blick auf Genuss und Bräuche warf Margit Kühn. Unter dem Titel „Orrer, wie die Jabaner unser Lewe beeinflusse“ berichtete sie über Sushi, Feng Shui und esoterische Nachbarn. Ihre spitzfindigen Vergleiche zwischen japanischen und Lampertheimer Essgewohnheiten führten zu anhaltendem Gelächter. „Lômbadda haben ihr Lachsbrot – mit gekochten Eiern, Zwiebeln und guter Butter – und brauchen kein Sushi“, stellte sie augenzwinkernd klar.

    Auch Peter Schneider griff das Thema Urlaub auf und schilderte unterhaltsam das Kofferpacken mit seiner Frau. Zwischen praktischen Überlegungen und der Frage „Was nemm isch mit?“ offenbarte er, dass er sich am Ende doch auf einen schönen Urlaub mit seiner Frau freut. Ein großer Glücksmoment ist für ihn ein Eis beim Owwerfeld.

    Besonders eindrucksvoll erinnerte Helmut Hummel in seinem Beitrag „Die Stobbler“ an die 1940er- und 1950er-Jahre. Er berichtete, wie Familien nach der Ernte die Felder nach übrig gebliebenen Kartoffeln absuchten, um über die Runden zu kommen. Auch das Stehlen von Äpfeln beim Nachbarn, der Reiz des „Mundraubs“ und die stillschweigende Duldung der Bauern fanden ihren Platz. Mit dem Spruch „Er saet nicht, pflügt nicht, erntet aber doch“ zeichnete Hummel ein lebendiges Bild vergangener Zeiten.

    Für Staunen und Magie sorgte Sven Köcher, der mit seinen Zaubertricks das Publikum in den Bann zog. Ob Kartenspielereien oder das Zaubern von Hamburger und Pommes aus einer Speisekarte – sein Auftritt verband Humor und Illusion auf „lômbaddarisch“ und wurde mit großem Applaus bedacht.

    Mit einem jahreszeitlich passenden Beitrag meldete sich Käthe Lahr-Bachert zu Wort. Unter dem Titel „Ebbes iwwa die Hunds-Dääg“ sprach sie über die heißesten Tage des Jahres zwischen Juli und August und betonte, wie wichtig es sei, jede sonnendurchflutete Stunde zu genießen.
    Einen ganz anderen Akzent setzte Heinz „Clever“ Eichenauer, der in seinem Gedicht die Digitalisierung und die Flut an Apps aufs Korn nahm. Mit viel Wortwitz beschrieb er den Alltag voller PINs, TANs und Downloads und stellte am Ende klar, dass ihm „drei, vier Bierchen und Schnäps lieber sind als hunderttausend Apps“.

    Käthe Lahr-Bachert
    Foto: oh

    Hans Kling ließ sich von der Zauberei inspirieren und überraschte das Publikum mit spontanen Programmänderungen. Gemeinsam mit Karlotta, der Tochter von Sven Köcher, zeigte er einen Zaubertrick. Außerdem sprach er darüber, wie sehr es auf die Art der Aussprache eines Wortes ankommt und erzählte Anekdoten – etwa von einem Klobesuch bei Freunden oder vom „Dschungelcamp in Bäschdadd“. Die Mischung aus Humor und Spontaneität brachte ihm stürmischen Beifall.

    Zum Abschluss gehörte die Bühne Fritz Medert, dem „Gedächtnis Lampertheims“. Er erinnerte an die Roggenernte früherer Zeiten, an die harte Arbeit auf den Feldern, an Garben und Erntewagen und an die Erntefeiern, die in der Gemeinschaft gefeiert wurden. Besonders eindrucksvoll war seine Schilderung der Feier im Hofgut Kirschgartshausen im Jahr 1948. Mit dem Lied „Heimat, ewig liebe Heimat“ beendete er den Abend auf feierliche Weise und erntete Standing Ovations.

    Kalle Horstfeld und Fritz Medert
    Foto: oh

     

    Das Augusttreffen der Lômbadda Babbler zeigte einmal mehr, wie lebendig die Mundart in Lampertheim gepflegt wird. Zwischen sommerlicher Leichtigkeit, Erinnerungen an harte Zeiten und humorvollen Betrachtungen boten die Beiträge einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Einblick in die Vielfalt der regionalen Kultur. zg

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