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  • Do., 16. Oktober 2025, 16:35 Uhr
    OKTOBER-TREFFEN: „Lômbadda Babbler“ zogen mit Geschichten, Gedichte und Erinnerungen alle Register

    Ein Abend voller Wärme, Humor und Erinnerungen

    Die Zuschauer im Saal amüsierten sich wieder köstlich. Das Oktober-Treffen strapaziert wieder die Lachmuskeln.
    Foto: oh

    LAMPERTHEIM – Ein frühherbstlicher Abend, sanfte Musik und vertraute Stimmen – das Oktobertreffen der Lômbadda Babbler in der Martin-Luther-Kirche stand in diesem Jahr unter dem poetischen Motto „Blätter fallen – Wörter bleiben“. Ein Treffen voller Gefühl, Witz und Erinnerungen, an dem die Lampertheimer Mundart einmal mehr ihre ganze Lebendigkeit zeigte. Mit einer nachdenklichen Begrüßung eröffnete „Owwerbabbler“ Kalle Horstfeld den Abend. „Blätter sind Teil der Natur, Wörter Teil der Kultur“, erklärte er und brachte damit das Motto auf den Punkt. Während die Blätter im Herbst fallen, können Worte das festhalten, was vergeht – Erinnerungen, Gedanken, Gefühle.

    „Blätter fallen – leise, wie Gedanken, die der Wind des Jahres mit sich trägt. Wörter bleiben – still, doch stark genug, um den Herbst im Herzen zu bewahren“, zitierte Horstfeld zum Auftakt. Er erinnerte daran, dass die Lômbadda Babbler mehr als nur eine „Arbeitsgemeinschaft“ sind – sie sind Hüter einer eigenen Sprache, einer Lebensart, eines unverwechselbaren Humors. „Unsere Mundartabende sind kleine Inseln der Entschleunigung – Momente der Nähe, des Lächelns und der Nachdenklichkeit“, so Horstfeld.
    Franz Korb eröffnete die Reihe der Beiträge mit erfreulichen Neuigkeiten: Für das geplante Lômbadda Wôddabuch seien mittlerweile über 2.000 Wörter gesammelt worden – ein lebendiger Beweis dafür, dass Dialekt lebt und wächst. Anschließend trug er das Gedicht von Heinrich Karb, „S’ sweerd Herbschd“, vor – eine melancholisch-schöne Ode an den Herbst, die den Ton des Abends setzte.

    Besonders berührend wurde es, als Helga Brune das Gedicht „Beim Duaknehe!“ ihrer verstorbenen Mutter Else Hanf vorlas. Mit den Worten „Ich waaß es a net, blouß daß ich ebbes drum geeb … ich heet gern – wie früher – mol wia Duak geneht!“ ließ sie die Erinnerungen an vergangene Zeiten lebendig werden – eine zärtliche Hommage an Nähe, Geborgenheit und familiäre Wärme.

    Mitglieder der AWO Lampertheim und AWO Hamm wohnten dem Abend ebenfalls bei.
    Foto: oh


    Für fröhliche Gesichter sorgte Lothar Lausecker mit gleich drei Geschichten: „De Ohba machst“, „Der Kuss“ und „Drei Geistliche philosophieren“. Mit Witz und Sprachgefühl brachte er den Saal zum Lachen – seine Pointen saßen, sein Dialekt war Musik in den Ohren der Gäste.

    Herta Kleinert, vielen bekannt als „Herta vun de Hütt – die Fraa mid de Woinflasch“, widmete ihren Beitrag der Natur im Wandel. In ihrer charmant-humorvollen Art berichtete sie über ihren blühenden Garten: „Dow braucht ma gar ned meh in Urlaub fahre!“ Mit einem kleinen Rätsel stellte sie das Publikum auf die Probe: „Was is’n der Goethebaum?“ – die richtige Antwort, der Gingko, bescherte Armin Herweck eine Flasche köstliche Rotwein.

    Mit einfühlsamer Stimme und anschaulichen Bildern nahm Armin Herweck die Zuhörer mit auf den elterlichen Hof: „Gadoffelherbscht in de siebzischer Joahr!“ Er erzählte von harter Arbeit und Gemeinschaft – vom Sortieren der Kartoffeln, vom Hausmacher Wurst auf dem Acker in der Mittagspause und vom abendlichen Viehfüttern. 300 Hühner, 30 Schweine, 20 Bullen, Kälbchen, Jungvieh und zwölf Kühe gehörten zum Hof. „Die schönen Kartoffeln warn für die Kundschaft – die krumme für die Sau!“ – echte Mundart und gelebte Geschichte, die viele Erinnerungen wachrief.

    Erika Krämer-Tomczak zeigte den Herbst von seiner sinnlichen Seite. Sie sprach von bunten Blumen, Kastanien, Kürbissen, Weinlese, Zwiebelkuchen und Federweißer – und spannte den Bogen von der Natur bis zu den traditionellen Herbstfesten: Erntedank, Erntekrone, Winzerfeste. Ihr Beitrag war eine kleine Hymne auf die Jahreszeit, die alle Sinne anspricht.

    Mit Witz und Poesie entführte Peter Schneider als „Der Mann mit dem Hut“ das Publikum in die farbenfrohe Welt des Herbstes. Sein Beitrag „Herbscht“ war ein liebevolles Sammelsurium von Eindrücken: Kastanien sammeln mit den Enkeln, Kürbissuppe, neuer Wein, Halloween, Martinsumzug, Glühwein, leuchtende Blätter und die Ahnung, dass Weihnachten nicht mehr weit ist. „Romantik pur“, fasste er selbst augenzwinkernd zusammen.

    Karin Kraus ließ den „Herbst auf meinem Teller“ lebendig werden: Kürbissuppe, Zwiebelkuchen, Maronen, Dampfnudeln – Gerüche und Geschmäcker, die Wärme ins Herz bringen. In humorvollen Versen berichtete sie aus dem Leben einer frischgebackenen Rentnerin, deren Alltag alles andere als ruhig ist: Die Tochter ruft wegen des Autos an, Fritz aus dem Krankenhaus und Verwandte kündigen sich aus Hamburg an. „Du hast ja jetzt Zeit und bist zu allem bereit“ – der wohl meistgesagte Satz in ihrem Ruhestand, meinte sie lachend.

    Mit ihrer Geschichte „Goldena Oggdowa“ malte Käthe Lahr-Bachert ein goldenes Herbstbild: Bäume, die ihre Blätter verlieren, als stünde man im Goldregen. „Im Herbschd derf ma a emol uff de Couch laije, Fernseh gugge un Schokoladekuche esse – der nächste Sommer kummd bestimmt!“ Ein Beitrag voller Gelassenheit und Lebensfreude.

    Heinz „Clever“ Eichenauer bewies erneut sein Gespür für Humor und Heimat. In seinem Beitrag zählte er mit einem Augenzwinkern die zahlreichen Lampertheimer Feste auf – vom Weißwurst-Frühstück des Katholischen Musikervereins über das Oktoberfest in der Siedlerhalle bis zum Park- und Lichterfestival. „Wer sagt, in Lampertheim wär nix los, der schläft abends vorm Fernseher ein!“ – ein Satz, der für tosenden Applaus sorgte.

    Margit Kühn widmete sich humorvoll dem Thema Älterwerden. In ihrem Beitrag „Das goldene Herbstzeitalter“ meinte sie augenzwinkernd: „Ich bin auf jeden Sonnenstrahl erpischt, aber der Herbst gehört net zu meine Lieblingszeiten – es knackt im Knie un annerschwo.“ Ihr Vergleich zwischen Jahreszeiten und Lebensphasen traf genau ins Herz – und auf die Lachmuskeln. Mit Hans Kling wurde es turbulent. In seiner Geschichte über einen Ausflug zu acht Mann auf das Oktoberfest in Lorsch schilderte er, wie sein Freund Ernne in der Geisterbahn mit einem Stuhlbein den Geist „in die Flucht“ schlug. Die Pointe: „In der Zeitung stand: Attacke auf Geistesmensch!“ Auch seine Episode über den Geweddschemännel, der angeblich einen Nobelpreis gewonnen hatte, sorgte für schallendes Gelächter.

    Ein würdiger Abschluss des Abends war der Beitrag von Fritz Mederer. Das „Gedächtnis Lampertheims“ erinnerte mit dem Lied „Im Märzen der Bauer“ an alte Zeiten, in denen Lampertheim noch 135 landwirtschaftliche Betriebe hatte und viele Hausschlachtungen durchgeführt wurden. Seine Geschichten von Schweinen, die verschwanden, und Fährtenhunden, die sie suchten, brachten historische Bilder und Schmunzeln zugleich. Mit dem Lied „In der Fremde“ endete sein Vortrag – ein ruhiger, nachdenklicher Schlussakkord.

    Matthias Karb sorgte für die musikalischen Momente des Abends. Mit gefühlvollen Melodien schuf er eine stimmungsvolle Atmosphäre und sorgte für so manchen Gänsehautmoment. „Hobby-Fotograf“ Abdull hielt die schönsten Szenen des Abends fest – Momente des Schmunzelns, Nachdenkens und gemeinsamen Lachens. Das Oktobertreffen der Lômbadda Babbler war ein Abend voller Wärme, Humor und Erinnerungen. Zwischen nachdenklichen Worten, heiteren Geschichten und musikalischen Zwischentönen wurde spürbar, was das Motto meint: Blätter fallen – Wörter bleiben. Und diese Worte werden noch lange nachklingen – in den Herzen aller, die dabei waren. zg

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