So., 16.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Fr., 22. September 2023, 08:37 Uhr
    PROTEST: Anwohner wehren sich gegen Containerdorf für Flüchtlinge auf dem Goetheplatz

    Ein Biotop wäre vielen lieber

    Ein Treffen voller Emotionen und lauter Verärgerung über die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem früheren Friedhofserweiterungsgebiet, das jetzt als Goetheplatz im Brennpunkt steht. Bürgerinitiative und weitere Anwohner wollen die Planungen rückgängig machen. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Am Goetheplatz schwelt ein Konflikt seit die Gemeinde Biblis dort eine Flüchtlingsunterkunft mit Containern für bis zu 180 Personen plant. Die vom Kreis Bergstraße zugewiesenen Flüchtlinge, Asylbewerber mit und ohne Bleiberecht müssen untergebracht werden, das wird auch von den Anwohnern nicht angezweifelt. Aber wo in Biblis? Dazu haben die Anwohner sich einige Alternativen überlegt, die Hans Dieter Barth als Sprecher der kleinen Bürgerinitiative aufgeschrieben hat und beim Anwohnertreffen vor Ort in der letzten Woche der eingeladenen Presse übergab. In der milden Abendsonne machte diese Ecke um den Goetheplatz mit seiner weitläufigen saftig grünen Wiese zwischen Bahngleisen, Industriegebiet und Wohnstraße einen beschaulichen Eindruck. Ab und zu machte sich ein Güterzug in der Vorbeifahrt bemerkbar, auch Regional- und Fernverkehr kommt vorbei. Eine weiße Plastikplane umrahmt einen Teil der Wiese, jemand hat mit großer roter Schrift das Wort Biotop darauf geschrieben. Genau diesen Zustand wollen die siebzehn Anwohner offenbar erreichen, die zu dem Treffen gekommen waren. Sollten hier Flüchtlinge untergebracht werden, fürchten Anwohner um die Sicherheit, auch für ihre Kinder, deren Schulweg hier vorbeiführe.

    Vor vollendete Tatsachen gestellt

    Eingeladen hatte Sprecher Barth auch Lokalpolitiker, gekommen war Ewald Gleich (SPD), der im Gemeindevorstand ist, jedoch ausdrücklich betonte als Privatmann gekommen zu sein. Die Sorgen und Ängste nehme er ernst, ihre Anliegen wolle er bei der nächsten Gemeindevorstandssitzung ansprechen, versprach er den aufgebrachten Anwohnern und stellte fest: „Hier ist unbedingt noch Handlungs- und Gesprächsbedarf“. Zeitweise kochten die Gemüter über, es wurde laut und ein Teilnehmer outete sich mit rechtsextremen Ansichten, die er lauthals vorbrachte und sich Ewald Gleich körperlich bedenklich näherte, aber von anderen Teilnehmern zurückgehalten wurde. Er gehöre nicht zu ihnen, war von Anwohnern entschuldigend zu hören. Nachdem Gleich angekündigt hatte sofort zu gehen, beruhigte sich die Lage. Über ihren Kopf hinweg werde entschieden, sie werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Im Grunde werde hinter den Kulissen gemauschelt, um das Containerprojekt auf dem Goetheplatz durchziehen zu können, lauten einige Vorwürfe. Die Gemeindevertretung habe zwar im März mehrheitlich für diesen Standort gestimmt, doch wie diese Mehrheit zustande gekommen ist, weckt bei einigen Anwohnern Zweifel. Barth erklärte: „Das muss rückgängig gemacht werden, wir müssen uns wehren“. Auch bei der Anwohnerversammlung sahen sie sich von der Politik nicht ernst genommen. Gleich wies darauf hin, dass die Verwaltung alle Vorschriften hervorragend umgesetzt habe, der Arten- und Umweltschutz sei gesichert, es gebe Gutachten, die Orchideen und Eidechsen seien umgesiedelt.

    Unterbringung für zwei Jahre plus Option

    Zur Anwohnerfrage, warum man die Flüchtlinge zur besseren Integration nicht in kleineren Wohneinheiten dezentral unterbringe, erklärte Gleich, dass dies aus wirtschaftlichen Gründen nicht gehe, wirtschaftlich sei jedoch das Grundstück jetzt zu erschließen und später zu bebauen. Zu laut durch den Bahnverkehr, um auf dem Goetheplatz wohnen zu können, war ein weiteres Argument, das Gleich mit dem Hinweis auf den vorgesehenen Bau von Lärmschutzwänden zu entkräften suchte. Wie geht es nun weiter? Bürgermeister Volker Scheib (parteilos) teilte auf telefonische Nachfrage des TiP mit, dass die Bürgerinitiative einen Anwalt zur Vertretung ihrer Interessen vor Gericht beauftragt habe, dem alle Gutachten zur Verfügung gestellt worden seien. Die Zaun- und Mauereidechsen hätten ihr neues Habitat bereits bezogen, die Orchidee, eine Ragwurz, sei in fachlicher Obhut und werde zum geeigneten Zeitpunkt an neuer Stelle eingepflanzt. In diesen Tagen erwarte er die Tiefbaugenehmigung, die Hochbaugenehmigung eine Woche später. Die Liste der Bürgerinitiative zu Alternativstandorten habe er erhalten, jedoch seien diese nicht geeignet. Auf dem Goetheplatz können die Flüchtlinge nach Vorgabe des Bauamts in Heppenheim zwei Jahre untergebracht werden, möglich sei eine Verlängerung um ein Jahr. Bis Anfang 2024 sollen 90 Flüchtlinge zugewiesen werden, ab Mai nächsten Jahres sei mit insgesamt 180 Personen zu rechnen, das sei die maximale Belegungszahl. Scheib sieht bei einer zu bebauenden Fläche von etwa 4.500 Quadratmetern von insgesamt 8.000 Quadratmetern genügend Platz für Einrichtungen zur Aufenthaltsqualität.

    Hannelore Nowacki

    Das eingezäunte Wiesengelände ist 8.000 Quadratmeter groß. Foto: Hannelore Nowacki

    Beitrag aus der Rubrik

    » Biblis und Ortsteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1