Erste Prunksitzung des Heimat- und Carneval-Vereins raketenstark
Ein brillantes Feuerwerk der Unterhaltung
Die Juniorengarde „Charisma“ beim Showtanz „The Greatest Showman“ im Kostümrausch. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Den Stimmungstest des Bürstädter PrinzenpaarsSabine III. und Michael II. zu Beginn der ersten Prunksitzung des Heimat- und Carneval-Vereins (HCV) am Samstagabend hatte das bunte Narrenvolk im großen Saal des Bürgerhauses bestens bestanden. Und der Prinz führte sogar einen Freudensprung vor. Das mag auch an der Gewissheit gelegen haben, dass ein unterhaltsamer Abend mit einem Feuerwerk der Unterhaltungskunst bevorstehen werde, mit Musik, Gesang, verbalen Krachern und Knallerbsen in den Vorträgen und hinreißend gelungenen Tanzvorführungen. Präsident Patrick Brenner war um keinen Kommentar verlegen, leitete das Publikum witzig und in schönster Bärrschdädder Mundart durch das Programm. So eilte der Abend von Höhepunkt zu Höhepunkt, sechs Stunden bis zum Finale. Das Publikum hatte Gelegenheit, sich beim Mitklatschen, Applaudieren, Schunkeln und Lachen auszutoben. Für jubelnden Applaus und begeisterte Zugaberufe legte sich das Publikum hier und da besonders kräftig ins Zeug. Faszinierend waren die Kostüme der Mitwirkenden, sehenswert auch die bunte Vielfalt der Ideen für Kostümierungen und Verkleidung der vierhundertköpfigen Narrenschar im Bürgerhaussaal, die der Fastnachtshochburg Bürstadt zur Ehre gereichte. HCV-Hausmusiker Heinz Kilian gab den Schunkelrunden den närrischen Schwung. Für den unterhaltsamen Abend hatten etwa 150 Aktive auf der Bühne und hinter den Kulissen gesorgt. Sie haben auch weiterhin viel zu tun, denn drei Prunksitzungen folgen noch – und alle vier Sitzungen waren schon lange ausverkauft. Das schafft kein Fernsehabend – wenn beim HCV die Bühne bebt und es warm wird bei so viel Vergnügen, dann ist man mittendrin im Geschehen. Selina und Paloma Reichmann begeisterten das Publikum mit ihrem tänzerischen Können - nach 11 Jahren werden sie in dieser Kampagne zum letzten Mal als Funkenmariechen zu sehen sein, ein Abschied mit viel Applaus und Rührung. Augenblicke der Rührung auch bei Rainer Kohl.
Die HCV-Rasselbande ließ die Ameisen tanzen. Foto: Hannelore Nowacki
Überrascht wurde der stellvertretende Vorsitzende Rainer Kohl mit der Ehrung durch Ehrenpräsident Roger Wulff, der ihm wegen seiner langjährigen aktiven Verdienste mit der Verleihung der Goldenen Ehrenspange die höchste Auszeichnung des HCV zuteilwerden ließ. Er selbst hatte diese Auszeichnung vor Jahren von Peter Wattendorf erhalten und gab sie nun im Einvernehmen mit ihm weiter.Hannelore Nowacki
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Was noch alles passierte
Stimmungsmusik war angesagt – mit Sängerin Tatjana Di Lella zum Schunkeln und Mitklatschen. Später und im Finale kam der Saal mit Sänger Paul Fuchs ins Stimmungshoch. Immer wieder gerne gehört – die „HCV-Leersingers“, die das Publikum gehaltvoll im Bäschdädder Dialektgesang singend unterhielten. Klar, der alte Holzmichel lebt noch. Beim fetzigen Gardetanz der HCV-Mini-Rasselbande zur Musik aus Tabaluga flogen Dreispitze von den Köpfen und Schuhe folgten den Fliehkräften, was die Kleinen aber nicht aus dem Konzept brachte. „Ihr hab alles gegeben bis die Fetzen fliegen“, lobte Präsident Brenner die jüngste Tanzgruppe. Vom Publikum gab es Applaus und Raketen. Was die „Baschdädder Sainawwlskett“ alias Thomas Haberer im Laufe des Jahres aufgespießt hat, wurde mit Spannung erwartet, schließlich ist hier der Schweinenabel der Welt. Zu beklagen hatte sie einiges, die schlechten Straßen in Bürstadt zum Beispiel und den Verbrauch von Ackerflächen, auch wenn wir uns in „Bärrschdad vermehre“. Alles nach dem Motto: „Manchmal geht’s driwwer, manchmal geht’s drunner, aber deswegen geht die Welt net unner“. Dann noch eine gute Nachricht: „Unser HCV wird greeßer“. Andererseits hat der Fußball abgebaut, auch die Tribüne ist weg. Das kam an, das Publikum stand auf und steigerte sich in andauerndes rhythmisches Klatschen hinein.
Selina und Paloma Reichmann sind als Funkenmariechen nur noch in dieser Fastnachtskampagne zu sehen. Foto: Hannelore Nowacki
Vizepräsident Damiano Brucato hielt sich in seinem Vortrag als kleiner Italiener Luigi lieber an das Thema Frauen. Als „Apollonia“ kam Petra Klemmer vom zwischengeschlechtlichen Geschehen über die Servicequalität im Restaurant auf allerlei Themen, die dem Publikum Spaß machten. Reiner Menzel berichtete in seinem musikalisch angereicherten Vortrag umwerfend witzig von der Partnersuche, röhrtewie Grönemeyer und flötete Liebespoesie auf Französisch. Jubelnden Applaus im Stehen und die vierstufige erntete er dafür und kam ohne Zugabe nicht von der Bühne. Zwischen dem sensationell aufgeführtenShowtanz „The Greatest Showman“ der Juniorengarde „Charisma“ und dem ausdrucksstarkenPower-Showtanz der „HCV-Garde“ zur Fantasy-Geschichte „Jumanji – Willkommen im Dschungel“, die vom Publikum mit Riesenapplaus gefeiert wurden, ließ „Der Franke“ in Lederhosen, alias Ehrensenator Horst Kunkel, das Publikum teilhaben an witzigen Einfällen, bis hin zur skurril-lustvollen Navigation durch Bürstadt. Bei den Showtänzen tauchten die Zuschauer ein in zauberhafte Welten, wie beim Ameisentanz der „HCV-Rasselbande“. Hochleistungssport präsentierten die Juniorgarde „Charisma“ und die „HCV-Garde“ im klassischen Gardetanz in den weiß-blauen Prachtuniformen. Mit der Tanzformation „Kontrast“ machte das Publikum einen unterhaltsamen, musikalischen Ausflug in die Zauberwelt der Vogelscheuchen, die auf wunderbare Art lebendig wurden. Nach der Pause ein witziger Sketch - „Aschenbrödel voll verföhnt“ in Bäschdädder Mundart mit neun Akteuren. Am Ende war Cinderella die Glückliche, deren Füße den richtigen Duft verströmten. Vor dem Schlusswort hatten die Zuschauer das Vergnügen mit dem HCV-Männerballett und den glücklichen „Trolls“ aus der amerikanischen Filmanimation.Hannelore Nowacki