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Fr., 27. Februar 2015, 20:41 Uhr
Im Gespräch mit dem TIP: Monika Bär aus Biblis, die einen außergewöhnlichen Beruf an der Internationalen Butler Akademie in Holland erlernt
Ein Butler kann alles, was gefordert wird - oder er/sie lernt es
Außergewöhnlicher Berufswunsch: Monika Bär aus Biblis absolviert derzeit eine Ausbildung zum Butler. Foto: oh
NIBELUNGENLAND - Außergewöhnliche und exotische Berufe im Ried - so heißt die neue Serie, in der im TIP Menschen aus der Region vorgestellt werden, die ihren Unterhalt in nicht alltäglichen Berufsfeldern verdienen. So wie Monika Bär: Die 33-jährige aus Biblis absolviert derzeit eine Ausbildung zum Butler an der Internationalen Butler Akademie in Valkenburg aan de Geul.
Wenn man an einen Butler denkt, hat man das klassische Bild von einem Mann im Frack vor Augen, mit weißen Handschuhen, der unauffällig seinen Dienst ausübt, zurückhaltend und dennoch gleichzeitig vornehm. Wie kamen Sie - gerade als Frau in diesem aus Filmen als klassischen Männerberuf dargestellten Beruf - auf die Idee, eine Ausbildung zum Butler zu machen?
Vor einigen Jahren habe ich einen Bericht über die Internationale Butler Akademie in Valkenburg aan de Geul, Niederlande, gesehen und war davon sehr fasziniert. Beruflich komme ich aus dem Marketingbereich, der dem Beruf des Butlers in gewissen Zügen durchaus ähnelt - aber der Beruf des Butlers versprüht etwas mehr Eleganz, das Vollkommene ist bei diesem Beruf dabei. Denn man muss an jede Kleinigkeit denken, alles im Griff haben und auf alles vorbereitet sein. Dabei ist das Berufsfeld sehr umfangreich, Butler sind in erster Linie Manager, die aber neben der Etikette wie zum Beispiel den richtigen Umgangsformen auch wissen müssen, wie man eine Toilette richtig reinigt - ohne dies unbedingt selbst tun zu müssen, denn häufig gibt es entsprechendes Personal, welches jedoch angelernt und beaufsichtigt werden muss.
Wann kamen Sie auf die Idee, diesen außergewöhnlichen Berufszweig zu erlernen?
Nachdem ich von dem Bericht über die Schule sehr fasziniert war, kam mir einige Zeit später der Gedanke, diesen Schritt zu gehen, diese eine Stufe nach oben zu klettern. Es macht mir immer viel Spaß, etwas Neues zu lernen - dies kommt mir bei der Ausbildung zum Butler und der späteren Tätigkeit sehr entgegen, denn gerade hier lernt man nie aus und muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen. Und ich kann sagen: Es macht mir riesig Spaß, ich genieße jeden Schritt der Ausbildung!
Wann wird Ihre Ausbildung abgeschlossen sein?
Die Ausbildung an der Schule dauert insgesamt acht Wochen, wobei man häufig 12 bis 14, manchmal sogar 16 Stunden am Tag lernt - selbst während des Essens gibt es ein umfangreiches Training in Etikette und Tischmanieren. Der ganze Tag ist durchgetaktet, wir sind vielmehr Studenten statt Auszubildende, die bei laufendem Betrieb intensiv Management studieren und lernen. An unserer Schule ist man ab dem ersten Tag an Butler im Haushalt der Familie, die dort im Schloss lebt, wir sind von der ersten Minute an gefordert und immer in das Geschehen rund um das Schloss mit eingebunden, von Tag zu Tag wird dies mehr. Wir erlernen so schnell die Praxis und nicht nur die Theorie, auch wenn wir nach den acht Wochen natürlich nicht ausgelernt sind - aber wir besitzen das entsprechende Rüst- und Handwerkszeug. Dafür lohnt es sich auch, morgens um 8 Uhr zu beginnen und erst um 1 oder 2 Uhr in der Nacht fertig zu sein und ins Bett zu kommen.
Welche Voraussetzungen benötigt man, um Butler zu werden?
Ganz wichtig sind gutes Englisch sowie ein Mindestalter von 18 Jahren. Und: Es muss eine Servicementalität vorhanden sein, es darf einem nichts ausmachen, andere Menschen zu bedienen. Natürlich gibt es auch junge Butler, hier an unserer Schule gab es kürzlich einen sehr guten 18-jährigen Absolventen, aber eine gewisse Lebens- und Berufserfahrung schadet sicher nicht.
Wie läuft eine Ausbildung zum Butler ab?
Die Internationale Butler Akademie in Valkenburg aan de Geul, bietet dreimal im Jahr einen Kurs an, der jeweils acht Wochen dauert. Als Abschluss erhält man das Butlerdiplom oder ein Zertifikat, je nach Leistung des Studenten und der Einschätzung der Akademie, ob der Graduierte erfolgreich in diesen Beruf vermittelt werden kann. Das macht das Diplom auch so wertvoll. Nicht jeder Teilnehmer bekommt es und Personen die einen Butler einstellen möchten, vertrauen auf die hohe Qualität der Diplomanten. Daher sind Teilnehmer mit Diplom auch auf dem Arbeitsmarkt gesucht und besser vermittelbar als Abgänger anderer Butlerschulen.
Sie haben Marketing Ostasien, Schwerpunkt China, an der Fachhochschule Ludwigshafen studiert und im Bereich Marketing/Eventmanagement für einen großen deutschen Automobilzulieferer gearbeitet. Weshalb der Umschwung in diese komplett andere Berufsrichtung?
Die Ausbildung zum Butler ist für mich ein weiterer Schritt im gleichen Bereich, der Organisation und dem Management. Wichtig ist mir persönlich der direkte Kontakt zu Menschen, den ich als Butler ebenso habe, wie bei meiner bisherigen Tätigkeit.
Butler - ein Traumberuf?
Es kommt grundsätzlich darauf an, was einem Freude macht. Ich steige hier richtig ein, bei mir passt es einfach. Wichtig ist, dass man später in einem Haushalt arbeitet, wo die Werte mit den eigenen Werten übereinstimmen. Wenn die Arbeitssituation stimmt, dann kann es wunderbar sein! Natürlich ist es mit einer Familie im Haus auch mal anstrengend, aber wenn man sich wohlfühlt, arbeitet man gerne und kann viel leisten.
Während der Ausbildung an der Internationalen Butler Akademie in Valkenburg aan de Geul, Niederlande, erlernt Monika Bär die Grundzüge des Butler-Berufs. Foto: oh
Wie muss man sich den Tätigkeitsbereich eines Butlers vorstellen?
Ein Butler ist heute ein großer Allrounder, je nach Position kann man in vielen Bereichen tätig sein: Angefangen vom Chauffeur über den Gärtner, das Kindermädchen und den Krankenpfleger bis hin zum persönlichen Assistent oder dem „traveling butler“.Ein Butler kann alles, was gefordert wird - oder er/sie lernt es. So ist es wichtig, sich bei einem neuem Hobby des Hausherrn ebenfalls dafür zu interessieren. Es geht um die vielen kleine Details. Dann kann man auch den sogenannten Silent Service bieten. Ein Butler muss immer einen Schritt voraus sein, immer wissen, was der Hausherr möchte, noch bevor er es sagt - selbst wenn es so kleine Dinge sind wie das Feuerzeug schon in der Hand zu halten, wenn der Hausherr nach dem Essen seine übliche Zigarette rauchen möchte.
Als Butler ist man Dienstleister und findet sich stets in einer untergeordneten Rolle wieder. Fällt Ihnen diese Rolle schwer?
Generell gilt: Die Wünsche des Arbeitgebers sind am wichtigsten. Aber: Butler sind keine niedrigen Diener, sondern müssen vielmehr Persönlichkeit und einen starken Charakter besitzen. Ein Butler muss Management- und Leadershipqualitäten haben. So gibt es Tätigkeiten, bei denen er 1.000 Angestellten vorsteht und diese zu führen hat. Man muss von den gängigen und durch Filme betonten Klischees abrücken. Ein Butler ist mehr ein Schlossmanager als ein Dienstbote. Und wenn der Arbeitgeber seinem Butler vertraut, so kann es sein, dass er/sie auch mit weiteren Verantwortlichkeiten wie zum Beispiel Aufgaben im Rahmen der Firma des Arbeitgebers, wie Korrespondenz und Projektleitung wichtiger Themenbereiche, übertragen bekommt. Die Entwicklungschancen für Butler sind gut und vielfältig.
Was sind Tabus für einen Butler?
Beim Beruf des Butlers geht es immer um Privatsphäre. Gerade dadurch, dass der Butler ganz nah an den jeweiligen Dienstherren dran ist, muss unter allen Umständen die Diskretion gewahrt werden. Dies gilt in besonderem Maße für die Tätigkeit bei Prominenten - oftmals verbringen die Butler mehr Zeit mit den jeweiligen Arbeitgebern als deren eigene Familie und kennen diese daher häufig auch besser. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Sicherheit. Der Butler muss darauf achten, dass im Haushalt alles rund läuft und bleibt dabei immer freundlich, selbst wenn es hektisch wird.
Welche Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben sich nach Abschluss der Ausbildung? Ist es schwer, eine Anstellung als Butler zu bekommen?
Als Butler kann man in einem Haushalt mit einer Familie arbeiten, auf einer Yacht, in einem Schloss mit unzähligen Angestellten, beispielsweise auch bei Queen Elisabeth II. im Buckingham Palast, in einem Penthouse als alleiniger Angestellter oder auch in einer Botschaft. An unsere Schule ist eine private Vermittlungsagentur angeschlossen - dies hilft sehr, auch wenn es natürlich keine Garantie ist, nach der Ausbildung direkt eine Stelle zu finden. Aber wir werden hier gut unterstützt und haben dank des äußerst positiven Rufs unserer Schule gute Chancen. Positiv und schön ist, dass man bei der Stellensuche nicht regional gebunden ist.
Und wo möchten Sie gerne arbeiten? Gerade in China werden derzeit vor allem europäische Butler gesucht. Wäre eine Tätigkeit - auch in Bezug auf ihr Studium an der FH Ludwigshafen - in diesem Bereich für Sie denkbar?
Am liebsten in einem privaten Haushalt, beispielsweise einer Familie mit zwei Kindern. Es wäre mein Traum, in eine Familie einzusteigen, zumal ich es übersichtlich mag. Was den Ort und das Land angeht, bin ich prinzipiell sehr offen - schön wäre allerdings Europa, allein wegen meiner Familie und dem Kontakt zu meiner kleinen Nichte, allerdings ist dies kein Muss.
China ist als Land sehr interessant, es stimmt, dort werden viele Butler gesucht. Vorstellen kann ich es mir, ich lasse mich überraschen, wo ich am Ende eine Stelle finde!
Wie sieht das Privatleben eines Butlers aus? Gibt es feste Arbeitszeiten oder steht der Butler - wie in manchen Filmen überzogen dargestellt - jederzeit zur Verfügung?
Ja, es gibt üblicherweise feste Arbeitszeiten, wobei es immer auch den Vertrag ankommt. Wie in jedem anderen Beruf auch gibt es klare Regeln und Pflichten - aber je nach Situation auch einen Bonus wie ein Auto oder eine Wohnung und natürlich gibt es auch geregelten Urlaub.
Vielen Dank für das interessante Gespräch! Ausführliche Informationen rund um die Butler Akademie in Valkenburg aan de Geul finden sie unter www.butlerschool.com.
Das Interview führte Benjamin Kloos.
Info:
Sie haben auch einen seltenen und vielen unbekannten Beruf erlernt oder sind in der Ausbildung dazu? Dann bewerben Sie sich beim TIP per E-Mail unter redaktion@tip-verlag.de - und vielleicht dürfen wir ja schon bald Sie und Ihre Tätigkeit präsentieren!