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Fr., 03. Juli 2020, 13:19 Uhr
ORGELSOMMER: 16. Auflage an fünf Sonntagen im August in der Domkirche / Komponistinnen stehen im Mittelpunkt
Ein Genuss für die Seele und Zeichen der Freude am Leben
Der Lampertheimer Orgelsommer feiert in diesem Jahr seine 16. Auflage. Heike Ittmann freut sich auf fünf außergewöhnliche Konzerte in der Domkirche. Archivfoto: TIP-Verlag
LAMPERTHEIM – Es ist eine gute Nachricht für alle Kulturliebhaber: Auch in diesem Jahr findet der Lampertheimer Orgelsommer in der Domkirche statt, mittlerweile zum 16. Mal. Die Freude darüber war Organisatorin Heike Ittmann am Freitag deutlich anzusehen, auch wenn aufgrund der aktuellen Situation selbstverständlich entsprechende Maßnahmen getroffen werden müssen.
„Eigentlich steht das gesamte Veranstaltungsjahr im Zeichen der Frauen und auch Komponistinnen, aber eine Woche nach der Eröffnung der dazugehörigen Ausstellung kam der Lockdown. Der Orgelsommer widmet sich dennoch den Komponistinnen – einfach, weil es sich lohnt. Es gibt unheimlich viele komponierende Frauen, die aber oft aufhören mussten wenn sie heirateten oder die unter einem falschen Namen veröffentlicht haben, so dass die Werke nicht genau zuzuordnen sind. Im Barock gab es beispielsweise mit Maria Anna Martinez eine spannende Komponistin, der immer wieder einzelne folgten”, betonte Heike Ittmann bei der Vorstellung des diesjährigen Programmes. An allen fünf Sonntagen im August wird jeweils um 20 Uhr in der Domkirche ein besonderes Orgelkonzert erklingen, zu dem sich wieder bekannte Organisten aus der gesamten Republik angekündigt haben.
Musikalischer Genuss für das Ohr und das Herz
Den Auftakt zum diesjährigen Orgelsommer gestaltet am 2. August passend zum Thema Prof. Christiane Michel-Ostertun. Die Professorin für Orgel-Improvisation an den Hochschulen für Kirchenmusik in Herford und Heidelberg komponiert eigene Stücke, die Lust zum Zuhören machen und das Herz erfreuen. Ihre Orgelkonzerte für Kinder werden zudem nicht nur in Deutschland regelmäßig aufgeführt. In der Domkirche spielt sie neben eigenen Stücken auch Werke von Dietrich Buxtehude, Elfriad Andrée und Cécile Chaminade, aber auch wie wie einige der weiteren Organisten auch Stücke von Louis Vierne, da 2020 auch das Vierne-Jahr ist.
Wird zum Auftakt des diesjährigen Orgelsommer am 2. August in der Domkirche gastieren: Prof. Christiane Michel-Ostertun. Foto: oh
Das zweite Konzert am 9. August spielt Jochen Steuerwald aus Speyer. Der Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche der Pfalz ist „ein unglaublicher Musiker, vor dem ich den Hut ziehe”, zeigt sich Heike Ittmann von dessen Gastspiel begeistert. „Ich freue mich, dass er dieses Jahr bei uns ist.” Jochen Steuerwald spielt Stücke von Maria Anna Martinez, Nadia Boulanger, Christian Heinrich Rinck und Louis Vierne.
Auch das dritte Orgelkonzert am 16. August verspricht ein abwechslungsreiches und überaus hörenswertes Programm: Mit Johannes Trümpler kommt der Domorganist der Kathedrale des Bistums Dresden-Meißen in die Domkirche. Zu hören sind unter anderem Stücke von Vierne, Johann Sebastian Bach aber auch von Jeanne Demessieux. „Diese Stücke haben es in sich, denn sie sind sehr schwer zu spielen, aber unglaublich toll anhören”, erläutert Heike Ittmann.
Neues Register wird eingeweiht
Mit Carmenio Ferrulli wird am 23. August ein weiterer hochklassiger Organist gastieren. Seit 2017 wirkt er in Mannheim an der Christuskirche als Kantor und Assistent des Landeskantors von Nordbaden. Auf der „großen Blauen” werden an diesem Abend unter anderem Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, Marianne Auenbrugger und Arno Landmann erklingen, der ebenfalls als Kantor an der Christuskirche in Mannheim tätig war. Von Johanna Senfter, die wenige, aber dafür große Stücke geschrieben hat, erklingen das Choralvorspiel über „Wer nur den liebe Gott lässt walten” und die Fantasie und Fuge über „Wie schön leuchtet der Morgenstern”.
Abgerundet wird der diesjährige Orgelsommer durch das Konzert von Heike Ittmann am 30. August, das im Zeichen des Wechsels von Frau zu Mann und von Deutschland zu Frankreich steht. Bei zwei der Stücke – „Pièce pour Trompette” von Jean Langlais und der Semaine Sainte A Cuzco für Trompete und Orgel von Henri Tomasi wird sie von Rüdiger Kurz als Solist an der Trompete begleitet. Dieser ist seit 2003 als Trompeter am Nationaltheater Mannheim engagiert. Zudem ist ein fetziges Stück von Jeanne Demessieux zu hören, bei dem man alle Register der Orgel hört, ebenso wie ein leises Werk von Elsa Barraine, das ans Herz geht und das unglaublich schön ist, so Heike Ittmann, die dieses Stück mit Doppelpedal spielen wird. Besonders freut sie sich auf das Stück „An Wasserflüssen Babylon” von Johann Sebastian Bach, „dies ist mein absolutes Lieblingsstücke von Bach”, so Heike Ittmann. Ein weiterer Höhepunkt wird für die Domkantorin das Organum von Andrea Csollány sein, welches von dieser extra für Heike Ittmann geschrieben wurde. Im Rahmen dieses Konzertes wird zudem das neue Register der Orgel eingeweiht, welches maßgeblich durch den Förderverein Domkirche finanziert wurde.
Spielt am 16. August unter anderem Werke von Jeanne Demessieux und Louis Vierne: Johannes Trümpler. Foto: oh
Eintritt frei, Anmeldung erforderlich
Der Eintritt ist frei, aber es wird um Spenden für die Musiker, die derzeit sonst keine Auftritte haben können, gebeten. Eine Anmeldung für die einzelnen Konzerte ist unter Angabe von Name, Adresse, Telefonnummer und Personenzahl unbedingt notwendig, am Besten per E-Mail unter heikeittmann@gmail.com oder aber telefonisch unter 06206/157301. Falls Sie kurzfristig doch nicht am Konzert teilnehmen können, wird eine Abmeldung erbeten, um den Platz neu vergeben zu können. Denn pro Konzert können 80 Zuhörer teilnehmen, die den Klängen der „großen Blauen” lauschen dürfen. In diesem Jahr wird es leider aus gegebenen Anlass keinen Weinausschank im Anschluss an die Konzerte geben, eine Einführung ist aber wie gewohnt vor jedem Konzert vorgesehen. Beim Betreten der Kirche muss zudem ein Mundschutz getragen werden, der aber am Platz abgelegt werden kann. Die Empore kann nach der derzeitigen Regelung nicht besucht werden. Benjamin Kloos