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  • Fr., 01. März 2019, 23:22 Uhr
    Lichterzug gegen die ICE-Trasse durch den Wald mit etwa 2.000 Teilnehmern

    „Ein Riesenerfolg“ - weitere Aktionen in diesem Jahr

    Foto: Hannelore Nowacki


    NEUSCHLOSS –

    Sie wanderten sogar zu Fuß Richtung Neuschloß, fuhren mit dem Fahrrad und entstiegen dem Bus, andere kamen mit dem Auto - alle Altersgruppen waren beim Lichterzug vertreten und auffallend viele Familien mit Kindern. Treffpunkt für alle Teilnehmer war am Spielplatz am Ende des Alten des Alten Lorscher Weges, wo die Organisatoren ihr Zelt aufgeschlagen hatten und die Drohne in der beginnenden Abenddämmerung ihre ersten Runden drehte. Ein paar Meter weiter nahmen Ordner die Teilnehmer in Empfang und führten sie auf die Strecke im Wald, die es so nicht mehr geben würde, wenn die ICE-Trasse hier gebaut würde. Familie Justen aus Lampertheim wartete in der Nähe der Schranke auf die restliche Gruppe, mit der sie sich verabredet hatte. Tochter Sarah, zehn Jahre alt und mit dem Thema bestens vertraut, freute sich, dass auch einige ihrer Freundinnen mit Eltern zum Lichterzug gekommen waren. Drei Familien aus Neuschloß und Lampertheim hatten sich zusammengetan, die Kinder ebenso überzeugt wie die Eltern. Nadine Köhler findet: „Der ICE direkt hinter dem Haus, das geht gar nicht“. Auch Erster Stadtrat Jens Klingler war mit Frau und Kindern gekommen. Zweieinhalb Kilometer in den Wald hinein zog die lange Schlange der Teilnehmer am Lichterzug. Ausgerüstet mit Leuchtwesten, Taschenlampen und anderen Leuchten, gaben sie der Bahn das Signal, dass sie die Zerschneidung dieses Waldes für eine neue ICE-Trasse nicht wollen. Doch nicht nur der Wald würde zerschnitten und Wohngebiete in nächster Nähe berührt, auch Felder würden den Landwirten verloren gehen, eine Bedrohung ihrer Existenz. Daher bezogen die Landwirte auf dem Feldweg mit ihren beleuchteten Traktoren Position und gaben bekannt, dass sie gegen eine solche Trasse klagen werden. BILA-Sprecher Ulrich Guldner sagte am Ende der Veranstaltung, als der Hubschrauber, aus dem der Lichterzug aus der Luft dokumentierte wurde, nach Mannheim zurückgeflogen war und eine nicht enden wollende Menschenmenge aus dem Wald in die Straßen von Neuschloß zurückströmte, im Gespräch mit dem TIP: „Es ist ein Riesenerfolg, damit haben wir erheblich Kraft gewonnen für weitere Aktionen in diesem Jahr“. Überwältigt vom Erfolg dieser Aktion, meinte Guldner, gefühlt seien sogar viel mehr Menschen dabei gewesen als die geschätzten 2.000 Teilnehmer. „Viele Menschen haben sich bewegt, denn wenn man sich nicht rührt, passiert auch nichts“. Guldner sagte, was offensichtlich viele Menschen denken: „Die Bahn soll sehen, dass sie nicht über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden kann“. Bis Ende des Jahres wolle die Bahn ihre Entscheidung treffen, da müssen wir die Zerschneidungstrasse im Gespräch halten“. Carola Biehal, Vorsitzende der Bürgerkammer Neuschloß und Mitorganisatorin des Lichterzuges, sagte dem TIP zum Abschluss: „Wir sind sehr zufrieden, die Menschen sind sensibilisiert und haben ein Zeichen gesetzt“. Bestätigt sieht sie auch die Arbeit von Bürgerinitiative und Bürgerkammer: „Wir sehen, dass wir die Leute vertreten“. Auch Teilnehmer von Bürgerinitiativen aus Lorsch und Mannheim habe sie angetroffen. Bürgermeister Gottfried Störmer stellte angesichts der vielen Menschen aus Lampertheim und der ganzen Region am Ende fest: „Für mich ist es ein Zeichen, dass die Bevölkerung bereit ist, sich gegen die ICE-Trasse einzubringen“. Helmut Hummel, BILA-Mitglied und Stadtverordneter, der die Teilnehmer mit seinen Ansagen durch das Megafon informierte und einwies, zeigte sich entschlossen, nun auch in der Stadtverordnetenversammlung einen Beschluss für den gerichtlichen Klageweg herbeizuführen. Kreisbeigeordneter Karsten Krug, nach eigenem Bekunden in Groß-Rohrheim selbst vom Verkehr auf der Bestandsstrecke der Riedbahn betroffen,  hatte sich mit Lampertheimer SPD-Stadtverordneten und Mitgliedern zum Lichterzug getroffen. Als Umweltdezernent für den Kreis Bergstraße trete er für eine „möglichst umweltverträgliche Trasse ein“, sagte er im Gespräch mit dem TIP. Über diese „Konsens-Trasse“ seien sich im Kreis alle politischen Kräfte einig. „Je länger diese Trasse an der Autobahn entlang führen wird - desto besser“. Dass vom Bundesverkehrsministerium gerade grünes Licht für einen Projektbeirat gegeben wurde, den die Bürgerinitiativen der ganzen Region seit vielen Monaten fordern, stimmt BILA-Sprecher Ulrich Guldner positiv, jedoch fehle es noch an konkreten Angaben und vor allem der Start stehe noch nicht fest. Hannelore Nowacki
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