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  • Mo., 01. Oktober 2018, 15:21 Uhr
    FDP-Bahnexperte Dr. Christian Jung machte sich vor Ort Bild über Forderungen der BILA

    „Eine ICE-Trassenführung entlang der Autobahn wäre sinnvoll”

    Die beiden FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mannsmann (r.) und Dr. Christian Jung, gleichzeitig Bahnexperte seiner Partei (2.v.r.) sprachen der BILA um deren Sprecher Ulrich Guldner (2.v.l.) Unterstützung zu. Foto: Benjamin Kloos


    NEUSCHLOSS – Die Zerschneidungsvariante zu verhindern ist das wichtigste Ziel der Bürgerinitiative BILA. Sie will verhindern, dass der Lampertheimer Wald, das Bruch und wertvolle landwirtschaftliche Flächen zerschnitten werden. Sollte die sogenannte C-Trasse kommen, würde eine Schneise von mindestens 80 Metern durch den Wald geschlagen – durch Naturschutzgebiete und in Höhe von Neuschloß nur 100 Meter von der Wohnbebauung entfernt.

    Bei seinem Antrittsbesuch bei der BILA hatte der FDP-Bundestagsabgeordnete Till Mansmann zugesagt, deren Anliegen und die der Lampertheimer Bevölkerung zu unterstützen und entsprechende Bahn-Experten in Berlin anzusprechen. In diesem Zusammenhang besuchte Till Mansmann am Montag gemeinsam mit seinem Bundestagskollegen Dr. Christian Jung die BILA vor Ort. Dr. Jung, Mitglied des Bundesverkehrsausschusses und Bahnexperte der FDP, wollte sich bei diesem Besuch über die von der Bahn geplante hiesige Problematik der ICE-Trassenführung durch den Lampertheimer Wald und über bestes Ackerland, als auch den geplanten zusätzlichen Lärmbelastungen auf der Bestandsstrecke durch erheblich mehr Güterverkehr, informieren. Vertreter der Kommunalpolitik, unter ihnen Carola Biehal, Vorsitzende der Bürgerkammer Neuschloß, waren ebenso vertreten wie die Landwirte in Person von Marita Billau.

    „Die geplante Trasse verläuft nicht so, wie die Bürger es sich wünschen”, stellte Helmut Hummel zu Beginn des Besuchs klar. „Wir wünschen uns einen Projektbeirat, der in Augenhöhe mit der Bahn diskutieren kann. Wir wollen heute demonstrieren, wie die Dimension der Waldzerstörung und der Schneise durch Naturschutzgebiete führen würde.”

    Ulrich Guldner, Sprecher der BILA, freute sich, dass mit Dr. Jung jemand vor Ort gekommen sei, der direkt im Bundestagsausschuss mitentscheide, wie es weitergeht. „Wir wollen die ICE-Trasse mit der Autobahn bündeln, auch wenn dies die teuere und längere Streckenführung ist – aber sie ist besser für die Menschen und für die Natur.”

    Dr. Christian Jung zeigte sich von der Vorstellung der BILA beeindruckt und äußerst interessiert – und gab dieser Rückendeckung. „Wir haben die Besonderheit, dass wir aktuell gar nicht wissen, wie es im Vorstand der Bahn weitergeht. Ich gehe davon aus, dass es mittelfristig zu einer Veränderung kommen wird. Wir sind alle nicht gegen die Bahn, in Gegenteil", stellte er zu Beginn klar. „Aber es ist wichtig, dass bei allen Entscheidungen ein Ausgleich zwischen  Ökonomie und Ökologie geschaffen wird – auch hier. Im Bundesverkehrswegeplan steht ausreichend Geld zur Verfügung, um alle alternativen Trassen zu analysieren.” Generell biete sich seiner Meinung nach eine Trassenführung entlang der Autobahn an, wie sie bereits an verschiedenen anderen Standorten umgesetzt wurde und aktuelle auch wird. „Durch eine solche Bündelung wird die Maßnahme auf den ersten Blick teuerer, zeitgleich ist jedoch eine viel schnellere Planung möglich”, so Dr. Jung. „Grundsätzlich muss man zudem bei allen Planungen der Bahn bei den Kosten den Faktor mal 2,5 nehmen, da beispielsweise immer wieder die Bevölkerung nicht richtig eingebunden wurde und es so zu Klagen kommt, die das Projekt in die Länge ziehen und so wesentlich teuerer machen.” Dies wäre nicht der Fall, wenn man eine Planung der Trasse entlang der Autobahn umsetzen würde. „Hier gibt es wesentlich weniger Klagen und damit eine wesentlich niedrigere Kostensteigerung gegenüber der Schätzung, was am Ende eine solche Lösung meist sogar günstiger macht.”

    Künftig müsse bei allen Planungen eine maximale Bürgerbeteiligung von Anfang an, verbunden mit dem entsprechenden Lärmschutz, das Ziel sein. „Dadurch erreichen wir mehr Transparenz und gleichzeitig mehr Planbarkeit – auch bei den Kosten”, so Dr. Jung weiter.

    Wichtig sei zudem, dass es bisher keine endgültige Planung gäbe: „Es sind sehr weit fortgeschrittene Varianten, aber man kann immer noch über diese reden. Ich plädiere dafür, grundsätzlich entlang der bestehenden Autobahnlinie zu bauen. Die Variante, die Sie vorschlagen, kann schnell in Betrieb gehen und dies sollte angesichts der aktuellen Verkehrssituation das höchste Ziel sein. Durch das jetzige Klagerecht hätten Sie die Möglichkeit, die Maßnahme um mindestens zehn Jahre zu verschieben. Und dies kann nicht im Sinn der Bahn und der Politik sein”, machte Dr. Jung der BILA Mut.

    Eine Trassenführung entlang der Autobahn würde die Bahn vier bis fünf Minuten Zeit kosten – aber dies sei nicht relevant. „Es ist wichtig, dass die Bahn pünktlich ist und nicht ob der ICE auf der einen Strecke vier Minuten schneller ist. Zumal die Züge Richtung Mannheim an dieser Stelle ohnehin keine Höchstgeschwindigkeit fahren können, sondern bereits aufgrund des nahen Ziels die Geschwindigkeit reduzieren”, so Dr. Jung, der zusammenfasste: „Wir wollen alle, dass die neue Strecke möglichst rasch in Betrieb gehen kann. Durch die Variante des Trassenverlaufs entlang der Autobahn ist dies am schnellsten realisierbar. Auch wenn die Fahrt minimal länger dauert ist es immer noch besser, als wenn sich die Maßnahme auf lange Zeit hin verzögert.”

    Gleichzeitig gab er den BILA-Vertretern einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg: „Es ist jedoch wichtig, dass Sie in Lampertheim parallel zu den Bestrebungen, die ICE-Trasse entlang der Autobahn zu realisieren, den Lärmschutz an der Bestandstrecke in den Griff bekommen.”

    „Wir werden bei diesem wichtigen Thema am Ball bleiben, auch außerhalb der Wahlkampfzeiten”, versprach FDP-Bundestagsabgeordneter Till Mannesmann abschließend, bevor die BILA im Gemeindesaal in Neuschloß ihre bisherigen Aktivitäten und die Auswirkungen der einzelnen möglichen Trassen nochmals im Detail vertiefte. Benjamin Kloos

     
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