6. Armuts- und Sozialkonferenz auf dem Weg zum kommunalen Aktionsplan Inklusion
„Eine Stadt ist für alle da“
Bei der 6. Armuts- und Sozialkonferenz stand der kommunale Aktionsplan Inklusion im Fokus – denn „eine Stadt ist für alle da”. Foto: www.pixabay.com
LAMPERTHEIM – Was genau meint Inklusion? Gleich zu Beginn der 6. Armuts- und Sozialkonferenz am Donnerstagabend machte Petra Brandt, Vorsitzende des Behindertenbeirats deutlich, dass fast alle Lebensbereiche betroffen seien, Inklusion habe nicht nur mit Kindern zu tun. Aus ihrer Erfahrung berichtete sie, dass bei diesem Thema häufig Emotionen eine Rolle spielten, es gehe nicht immer sachlich zu. Mit aufwallenden Emotionen hatte diese Armuts- und Sozialkonferenz nicht zu kämpfen, denn unter den 27 Teilnehmern der Videokonferenz waren sachkundige und erfahrene Menschen, die sich hauptberuflich und ehrenamtlich mit diesem komplexen Anliegen befassen. Vertreten waren der Magistrat, Stadtverordnete, der Sozialausschuss, Träger von Behinderteneinrichtungen und Beratungsstellen, der Seniorenbeirat, die AWO Bergstraße und weitere fachkundige Interessierte. Ein gemeinsames Ziel hat sie zusammengeführt: Ein kommunaler Aktionsplan Inklusion soll erarbeitet werden, um in überschaubarer Zeit in der Stadt Lampertheim in definierten Bereichen wie Arbeit und Beschäftigung, beim lebenslangen Lernen und Wohnen für alle, bei Mobilität und Barrierefreiheit eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Von den Teilnehmern ebenfalls favorisiert waren die Bereiche Sport, Kultur und Freizeit, in denen der Erste Stadtrat Marius und Sozialdezernent Marius Schmidt die ersten Erfolge und einen Motivationsschub für die vielen weiteren Schritte erwartet. Eine wichtige Funktion wird in der Kommunikation nach „innen und außen“ gesehen, um die Zielgruppen und alle anderen Menschen zu erreichen, um das Ziel in die Öffentlichkeit zu tragen. Schmidt denkt dabei praktischerweise an die Stadtverwaltung mit ihrem Pressesprecher. Diese Konferenz war zugleich als Auftaktveranstaltung für den Aktionsplan Inklusion geplant, eingeladen hatten der Sozialausschussvorsitzende Robert Lenhardt, Erster Stadtrat Marius Schmidt und Andreas Dexler von der Stabsstelle Soziales bei der Stadtverwaltung. Der Plan geht jedoch nur mit Unterstützung der Politik auf, in der Stadtverordnetenversammlung und im Sozialausschuss werden die Beschlüsse gefasst, darin war man sich einig. Bereits die Einrichtung der Armuts- und Sozialkonferenz geht auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung 2016 zurück, daran erinnerte Schmidt. Mindestens einmal im Jahr sollte sie tagen, was wegen Corona 2020 jedoch nicht möglich gewesen sei. Einiges sei zwar in Lampertheim erreicht, aber dies seien „Versatzstücke“. Schmidt nannte unter anderem die inklusive Kita, die Frühförderstelle, den Behindertenbeirat und das inklusive Wohnen im Falterweg. Mit dem Aktionsplan solle ein Querschnitt durch alle Bereiche geschaffen werden. Angestoßen wurde das Thema Aktionsplan vom Behindertenbeirat und der Stadtverwaltung, dort federführend von Andreas Dexler, der in seinem Vortrag Daten, Fakten und mögliche Handlungsfelder vorstellte. Zuvor hatte Professor Albrecht Rohrmann von der Universität Siegen in seinem Impulsvortrag die Rahmenbedingungen und Schritte benannt, die einen Aktionsplan Inklusion in einem dynamischen Prozess zum Erfolg führen. Bürgermeister Gottfried Störmer freute sich über diese fachliche Expertise. Rohrmanns Forschungsschwerpunkt ist „Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderungen“. Professor Rohrmann könnte die wissenschaftliche Begleitung übernehmen, war ein Vorschlag aus dem Teilnehmerkreis. Als Leitorientierung und Programm sieht Rohrmann das „inkludierte Gemeinwesen“, eine Sichtweise wie sie auch in der Einladung zur Konferenz deutlich wurde: „Eine Stadt ist für alle da“. Inklusion will Rohrmann als Gefühl der Zugehörigkeit und Anerkennung für alle Menschen verstanden wissen, nicht nur die behinderten Menschen sollen die Möglichkeit haben ein selbständiges Leben zu führen, ihre Wohnform und sonstigen Lebensumstände wählen zu können. Als wichtige Aufgabe der Daseinsvorsorge mit Verfassungsrang sei die Inklusion bei den Kommunen gut aufgehoben, aus der Hessischen Gemeindeordnung zitierte Rohrmann den Paragrafen 1. Die UN-Behindertenrechtskonvention empfehle Aktionspläne. Zügig vorankommen, sich auf einige Handlungsfelder konzentrieren, rät Rohrmann den Lampertheimer Akteuren. Eine Steuerungsgruppe sei einzurichten. Die vielen Schritte zum Erfolg erforderten Geduld, motivierte Rohrmann die Teilnehmer. Eigentlich hätten bei dieser Auftaktveranstaltung die Handlungsfelder festgelegt und bereits Arbeitsgruppen gebildet werden sollen. Die umfangreichen Informationen und vielseitigen Themenbereiche ließen das nicht zu. Nach Erhalt des Sitzungsprotokolls sind die Teilnehmer aufgerufen, sich bei der Stabsstelle mit ihrer Meinung und Entscheidung zur Mitarbeit zu melden. Für die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen wünscht sich Schmidt nach dem Motto „Je diverser umso besser“ eine produktive Vielfalt der Standpunkte. Hannelore Nowacki