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Mo., 10. Oktober 2022, 13:47 Uhr
23. KUNSTAUSSTELLUNG: Künstlerverein hatte 51 Aussteller im Bürgerhaus zu Gast
Eintauchen in Weltsichten mit Fantasie, Formen und Farben
Stimmungsvolle Ausstellungseröffnung mit Musik. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Die Welt der Kunst war am Wochenende ins Bürgerhaus eingekehrt. Nach zwei Jahren Coronapause hatte der Künstlerverein Bürstadt (KVB) bei freiem Eintritt Kunstfreunde und alle interessierten Menschen zur 23. Kunstausstellung eingeladen. Ein Ereignis, das den zahlreichen Besuchern an drei Tagen einen vielseitigen Erlebnisparcours durch die breit angelegten Wandelgänge bot, gesäumt von mehr als 360 Werken der 51 teilnehmenden regionalen und überregionalen Künstler, von denen 15 KVB-Mitglied sind.Erste Gelegenheit sich mit den Exponaten zu befassen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen bot sich am Freitagabend zur Vernissage mit Musik, Sekt und Saft bei der offiziellen Eröffnung durch den Ersten KVB-Vorsitzenden Markus Pröckl und Bürgermeisterin Barbara Schader. Kunst in so unterschiedlichen Kategorien wie Malerei, Skulptur und Fotografie nach der schweren zurückliegenden Zeit wieder gemeinsam genießen zu können, an dieser Freude ließ Pröckl die Zuhörer teilhaben. Bürgermeisterin Schader beschrieb mit dem Zitat von Pablo Picasso den Kern der ausgestellten Kunst: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“. Dem Künstlerverein dankte sie, dass diese Ausstellungstradition weitergepflegt wird. Die Jazz-Combo Miles & More mit Sängerin Elly Gröhl begleitete die Vernissage stimmungsvoll. Als vielseitige Künstlerin stellte Elly Gröhl auch aus. Lustige Kunstwerke wie die beiden fülligen Figuren von Irmgard Klamp in Eingangsnähe machten durch ihre besondere Ausstrahlung auf sich aufmerksam. Ein paar Schritte weiter öffnete sich der Gang zum großformatigen Bild mit dem Titel „Abendmahl 2.0“ von Christoph Heiser, der auf Leinwand mit Acryl und Sprühlack das berühmte Bild von Leonardo Da Vinci neu interpretiert hat – Jesus in der Mitte als Astronaut mit Monderfahrung, zu seiner linken und rechten Seite aus verschiedenen Kulturen und Epochen Künstler, Tänzerinnen, Musiker und ein Stierkämpfer, der sein rotes Tuch weit auswirft. Dafür erhielt Heiser den ersten Preis in der Kategorie Malerei, den er krankheitsbedingt nicht persönlich entgegennehmen konnte, aber durch Anruf des Vorsitzenden sogleich informiert wurde. In der Szene ist er kein Neuling, vor zwei Jahren kam er auf Platz 2. Die fünfköpfige Jury mit Uschi Freymeyer vom Künstlerverein Frankenthal, René Früh aus Frankfurt, Hermann Müller und Dr. Gerhard Weitz aus Bürstadt sowie Lokalpolitikerin Susanne Benyr aus dem Odenwaldkreis hatte am Samstagmorgen insgesamt 51 Exponate zu bewerten.
Schauen, genießen und in Gesprächen mit den Künstlern mehr erfahren – das bot die 23. Kunstausstellung des Künstlervereins Bürstadt an drei Tagen. Foto: Hannelore Nowacki
Beim Rundgang fielen eindrucksvolle fotografische und in verschiedenen Maltechniken geschaffene Porträts auf, die zur eingehenden Betrachtung einluden. Abstrakte Formen mit kunstvoll aufgebrachten Strukturen auf den Bildern von Jürgen Glasstetter ließen der Fantasie viel Freiraum. Sonja Denzer findet ihre Motive in der Natur wie die Eule in der Mondnacht, die erwartungsvoll in den Saal schaute. Fast möchte man ihr eine gute Nacht wünschen. Abenteuerliche Metall- und Holzkonstruktionen und aufragende Rebstockwurzeln waren in der Kategorie Skulptur zu bewundern. Ist das Malerei oder Fotografie? Diese Frage ließ sich nicht immer auf den erstenBlick beantworten. Durch digitale Bildbearbeitung und andere künstlerische Mittel verwandeln die Künstler ihre Fotomotive auf verblüffende Weise. Einen anderen Weg geht Roland Falkenhagen, der Bilder von seinen Reisen nach Marokko und Frankreich in Öl, Pastell und Aquarell malt, aber die Motive als Notiz fotografiert hat. Auf der Leinwand entstehe dann die Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, wie er im Gespräch erklärte. Der Bretagne widmet er viele Bilder, die ihm andere Fans dieser französischen Landschaft gerne abkaufen. Karin Maurer setzt ihre Eindrücke von ihren Aufenthalten auf dem afrikanischen Kontinent in Szene. Viel Resonanz erhielt Jo Wilhelm Arts für seine Fotos von Verschickungskindern mit ihren Geschichten – eine Anregung für Pröckl, im „Kunst-Schaufenster“ sozialkritische Bilder zu zeigen. Blüten hat Helmut Deckenbach fotografiert, die durch sanfte Unschärfe des Hintergrunds ihre natürlichen Konturen betonen. Unschärfe ist auch ein Stilmittel bei seinem Radfahrermotiv aus Bürstadt, das dadurch zeitlos wirkt. Schülerinnen und Schüler der Schillerschule und Erich-Kästner-Schule (EKS) hatten eigene Stellwände für ihre Bilder bekommen. Den Jugendpreis erhielt Noel Sänger von der EKS, mit Urkunde, USB-Stick und einen 50-Euro-Gutschein für Künstlerbedarf. Die weiteren jungen Preisträger erhielten Urkunde und Schlüsselanhänger. Der Hauptpreis in der Kategorie Malerei war zusätzlich zur Urkunde mit 300 Euro dotiert. Den Rückgang an Ausstellern nach der Corona-Zwangspause führt der KVB-Vorsitzende Pröckl auf die schwierige Lage von Künstlern in der Pandemiezeit zurück. Zur Ausstellung vor zwei Jahren waren 93 Künstler mit etwa 375 Werken gekommen. Seit einiger Zeit kann man Werke aus den Reihen des Künstlervereins auch beim Flanieren auf sich wirken lassen - in der Nibelungenstraße 71 im „Kunst-Schaufenster“ (ehemalige Parfümerie Offeringa) sind die Bilder zu alle zwei Monate wechselnden Themen zu sehen. Darauf wies der KVB-Vorsitzende Pröckl das Publikum am Wochenende hin.Hannelore Nowacki
Kunstpreise 2022
Malerei: 1. Preis an Christoph Heiser für Abendmahl 2.0“. 2. Preis an Martin Bähring (2019 erhielt er den 1. Preis).
Fotografie: 1. Preis an Bernhardt Schroth, 2. Preis an Sarah Fehlinger, 3. Preis an Stefan Steinbach.