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  • Do., 28. Juni 2018, 11:36 Uhr
    Vorbild und Beispiel - über 50 Jahre Pflege und Betreuung ihres Sohnes

    Elke Guschwa mit Verdienstmedaille des Verdienstordens ausgezeichnet

    Mit einem Strahlen nahm Elke Guschwa die hohe Auszeichnung von Thomas Metz entgegen. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Im Magistratsraum der Stadt Lampertheim fand am Dienstag eine ganz besondere Feierstunde statt. Für ihren unermüdlichen Einsatz in der Pflege und Betreuung ihres Sohnes Thomas über mehr als 50 Jahre hinweg wurde Elke Guschwa mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, die der hessische Justizstaatssekretär Thomas Metz als Vertreter des Landes Hessen ihr im Namen des Bundespräsidenten überreichte. In Vertretung des Landrats war der Kreisbeigeordnete Karsten Krug gekommen, die Stadt Lampertheim war vertreten durch Bürgermeister Gottfried Störmer, den Ersten Stadtrat Jens Klingler und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass. Elke Guschwa, deren Mann vor zwei Jahren verstorben ist, wurde von langjährigen Freunden, dem Ehepaar Klaus und Melitta Meyer begleitet. Bürgermeister Störmer würdigte dieses besondere Engagement, dessen Auszeichnung ein Beispiel für andere sein könne, die in Lampertheim ebenfalls eine solche Leistung erbringen. Justizstaatssekretär Metz erläuterte die Bedeutung dieser hohen Auszeichnung, die Bundespräsident Theodor Heuss im Jahr 1951 aus der Überlegung heraus gestiftet hatte, Menschen auszuzeichnen, die überragende Leistungen für das Gemeinwohl erbracht haben, sei es in Kultur, Sport, Politik oder im sozialen und karitativen Bereich. Es ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Metz wandte sich an Elke Guschwa in sehr persönlichen Worten, beschrieb ihren Lebenslauf, der mit der Geburt ihres Sohnes 1964, eigentlich ein sehr freudiges Ereignis, für die damals zwanzigjährige Mutter eine unerwartete Wendung nahm und für sie und ihren Mann eine Herausforderung geworden sei. Denn Thomas ist seit seiner Geburt durch Sauerstoffmangel schwer hirngeschädigt und leidet am Kanner-Syndrom, einem frühkindlichen Autismus. Geistige, sprachliche und motorische Beeinträchtigungen erforderten seit der Geburt die dauerhafte Pflege und Betreuung rund um die Uhr, eine Aufgabe, die Elke Guschwa weitgehend ohne fremde Hilfe bis heute täglich sicherstellt. Einfühlsam ging Metz auf die Frage ein, wie die junge Mutter reagierte – sie habe sich der Situation gestellt, schöpfte Kraft und Stärke aus der Familie heraus. Ihr Sohn, der stets die volle Zuwendung brauchte, sei auf ihre Nähe als Vertrauensperson und auf einen verlässlichen Tagesablauf angewiesen. Im Alter von drei Jahren besuchte der kleine Thomas einen integrativen Kindergarten und später die Seebergschule. Seit 1980 ist er tagsüber in der Tagesförderstelle der Behindertenhilfe in Bensheim und habe sich positiv entwickelt. Dass es im Kreis Bergstraße diese Einrichtungen gebe, bewertete Metz besonders positiv. In Hessen gebe es über 200.000 pflegebedürftige Menschen, von den drei Viertel zu Hause von Angehörigen gepflegt werden, merkte Metz an. „Ohne Menschen wie Frau Guschwa wäre unser Pflegesystem nicht zu organisieren“, zeigte sich Metz überzeugt und stellte die Frage nach dem Miteinander in unserer Gesellschaft: „Wie gehen wir mit Pflegebedürftigen um?“ Die Auszeichnung für Elke Guschwa verband Metz mit einem persönlichen Dank und einer Botschaft an die Bevölkerung. „Über 50 Jahre intensive Pflege ist außergewöhnlich – mit ihrer Ausdauer, Nächstenliebe, aber auch verbunden mit Lebensfreude und schönen Erlebnissen“. Im lockeren und zugleich ernsthaften Gespräch mit den offiziellen Vertretern von Land, Kreis und Stadt Lampertheim berichtete Elke Guschwa aus ihrem Leben mit Thomas, der anfänglich besonders lebhaft gewesen sei, das Wort „Katastrophe“ fiel. Man brauche viel Geduld. Niemand habe ihn haben wollen, Probleme im Kindergarten und der Schule habe es gegeben. In der Behindertenwerkstatt habe sich das gebessert. Morgens werde er geholt und wenn er nachmittags um16 Uhr nach Hause gebracht werde, wolle er in die Badewanne, zwei Stunden später werde zur Nacht gegessen. Wobei Thomas sehr gerne isst, wie Elke Guschwa betont, mit dem Gewicht müsse sie da aufpassen. Wenn sie ihm das Essen in Happen vorlege, könne er allein essen, jedoch könne er nicht allgemein verständlich sprechen. Drei Wochen im Jahr fahren sie gemeinsam in Urlaub, drei Wochen mache sie allein Urlaub. Klaus Meyer, der in seiner dreißigjährigen Tätigkeit bei der Behindertenhilfe als Gruppenleiter mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung ganze 25 Jahre mit Thomas in der Werkstatt zusammengearbeitet hat, berichtete, dass er dabei viel gelernt habe. Seine Frau Melitta erzählte von ihren ersten Treffen mit Thomas, zunächst sie sie unsicher gewesen. Mittlerweile hat sie festgestellt: „Thomas ist trotz seiner Behinderung eine starke Persönlichkeit“. Mit einem Glas Sekt wurde auf die Auszeichnung angestoßen. Vom Bürgermeister erhielt Elke Guschwa einen Blumenstrauß, der Kreisbeigeordnete überreichte ihr als Präsent eine Flasche Bergsträßer Sekt. Hannelore Nowacki

    Information

    Der Verdienstorden wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich. Eine finanzielle Zuwendung ist mit der Verleihung des Verdienstordens nicht verbunden. Mit seinen Ordensverleihungen möchte der Bundespräsident die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf hervorragende Leistungen lenken, denen er für unser Gemeinwesen besondere Bedeutung beimisst. Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an einen anderen anregen (aus den Hinweisen unter www.bundespraesident.de/DE/Amt-und-Aufgaben/Orden-und-Ehrungen/Verdienstorden/verdienstorden.html

    Zur Auszeichnung mit der Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gratulierten Elke Guschwa Bürgermeister Gottfried Störmer (von links), der Kreisbeigeordnete Karsten Krug, Erster Stadtrat Jens Klingler und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass. Der hessische Justizstaatssekretär Thomas Metz überreichte Urkunde und Medaille im Auftrag des Bundespräsidenten. Foto: Hannelore Nowacki


     

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