Der Dekan des Dekanates Bergstraße Arno Kreh informiert die Gemeinde über Änderungen in der Zukunft. Foto: Ehret
HÜTTENFELD - Seit Wochen herrscht Unruhe bei der evangelischen Kirchengemeinde Hüttenfeld. Gerüchte machten die Runde und lediglich durch Meldungen aus der Tagespresse konnten die Gemeindeglieder erahnen, dass gewaltige Umbrüche und Einschränkungen auf die Gemeinde zukommen. Bekannt ist, dass die Lampertheimer Gemeinden seit diesem Jahr nicht mehr dem Dekanat Ried angehören und dem Dekanat Bergstraße zugeführt wurden. Der nun zustündige Dekan Arno Kreh war eigens zu der Gemeindeversammlung in die Gustav-Adolf-Kirche nach Hüttenfeld gekommen, um sich zunächst selbst über die Aktivitäten und Sorgen der Gemeinde zu informieren, und zum Anderen die Gemeindeglieder aufzuklären, was in den nächsten Jahren von Seiten der Kichenverwaltung auf die Hüttenfelder zukommt. Pfarrer Reinald Fuhr wird Ende nächsten Jahres in den Ruhestand gehen und bis 2024 soll die vakante Stelle neu besetzt werden. Dann allerdings wird aufgrund des Rückgangs der Kirchenmitglieder die Stelle auf eine halbe Stelle gekürzt. So kann es sein, dass die Hüttenfelder Gemeinde entweder den Gemeinden in Viernheim oder Lampertheim zugeteilt wird. Vor seinen Ausführungen allerdings wurde Dekan Kreh Zeuge einer heftigen und teilweise sehr emotionalen Debatte über die Pläne und Entwicklungen innerhalb der Gemeinde, die die Menschen sehr bewegen. Zunächst informierte Kirchenvorsteher Ulrich Thomas über die Akivitäten und Zahlen des letzten Jahres. Die Zahl der Gemeindemitlgieder ist mit 689 im Verhältns zu 2017 stabil geblieben, der Trend zeigt aber dennoch nach unten. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde äußerst aktiv und verfügt über viele Gruppen wie die Frauenhilfe, den Kirchenchor, den Seniorenkreis, der Gemeindbriefredaktion, der Theatergruppe „ZwiBuR“, der Jugend- und Konfirmandengruppe sowie der Kindertagesstätte. Und Letztere eben braucht nun zusätzliche Räume, da die Kinderzahl in Hüttenfeld erfreulicherweise ansteigt. Doch wohin expandieren? Intern hat man zusammen mit der Stadt Lampertheim Lösungsmöglichkeiten gesucht und ist zunächst darauf gekommen, die unter dem Kindergarten liegenden Gemeinderäume dafür teilweise herzugeben. Das betrifft den Jugendraum und den großen Gemeindesaal mit weitreichenden Konsequenzen für die Gemeindegruppen. Bei der Aufstellung der Aktivitäten der letzten Jahre stand als Veranstaltungsort zu zwei Dritteln das Gemeindezentrum auf dem Plan. Und ein Großteil der Veranstaltungen sind in den Räumlichkeiten, die der Gemeinde blieben – das ist der kleine Gemeindraum sowie die Nebenräume der Kirche (alter Kindergarten und Pfarrbüro) nur schwer durchzuführen. Gerade von Seiten der unter Gemeindepädagogin Astrid Münk-Trindade aufblühenden Jugendarbeit machte sich große Sorge breit und die Jugendlichen gaben mit Tränen in den Augen ihrer Sorge Ausdruck, in der Gemeinde keinen Platz mehr zu finden. Doch auch die anderen Gruppen fürchten sich vor den damit verbundenen Einschränkungen. Zentrale Veranstaltungen wie die Osternacht, Kabarett- und Theatervorführungen der Minizwibs, Gemeinde- und KiTa-Feste stünden auf der Kippe. Die Frauenhilfe hat ihren Bücherflohmarkt dahingehend schon ganz aus dem Programm gestrichen. Nicht zu unterschätzen auch der Wegfall von Mieteinnahmen des Gemeindraumes, die im letzten Jahr immerhin fast 3.000 Euro in die Kollektenkasse spülten. Dem gegenüber stehen natürlich die betriebswissenschaftlichen Zahlen der Kichenverwaltung, die einer Gemeinde mit knapp 700 Mitgliedern nur noch einen Gemeinderaum von 60 Quadratmetern finanziert. Von Seiten der Gemeinde wurden in der Versammlung andere Möglichkeiten der baulichen Erweiterung der KiTa ins Auge gefasst, wie beispielsweise der Ausbau des Dachgeschosses oder der Bau eines Pavillions auf dem größzügigen Außengelände. Auch die Auslagerung einer KiTa-Gruppe in den Wald als Waldkindergarten wurde vorgeschlagen. Kurzum, es schmerzt die Gemeinde sehr, den einst geschaffenen Gemeinderaum wieder herzugeben, der bei den geplanten Baumaßnahmen für immer verloren wäre. Wohl stünde dieser, nach Aussage von Pfarrer Fuhr, tagsüber eh meistens leer. Doch dem ist entgegenzuhalten, dass die Räume, würden sie von der KiTa genutzt, abends und an den Wochenenden ebenso verwaist blieben. Und eine angedachte Doppelnutzung des Raumes durch Gemeinde und KiTa darf durch die strengen Richtlinien von Jugendamt und KiTaverordnungen angezweifelt werden. Der Appell von Pfarrer Fuhr und der KiTa-Leiterin Christine Greiner, sich vor Neuem nicht zu verschließen und in den Veränderung eine Chance zu sehen, klang gut in den Ohren der Gemeindeglieder. Dennoch blieben die Meisten skeptisch.
Es besteht jedenfalls noch viel Redebedarf in der Hüttenfelder Gemeinde. Der Kirchenvorstand sagte vorerst zu, andere Variationen der Bauausführungen ins Auge zu fassen und auszuschreiben. Man darf gespannt sein. ehr