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  • Mo., 22. Oktober 2018, 09:27 Uhr
    150 Jahre Domkirche mit 8-Stunden-Konzert gefeiert

    Emotionale Stunden der musikalischen Vielfalt

    Besucher warteten vor der vielfarbig illuminierten Domkirche auf Einlass. Für den ungestörten Musikgenuss tat sich das Tor zur Domkirche jeweils nach einem Auftritt auf. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Farbenprächtig stand der Lampertheimer Dom am Freitagabend mit Anbruch der Dämmerung im Scheinwerferlicht, die Turmspitze über der Uhr im magischen Lila illuminiert, der Farbe der evangelischen Kirche. Sonne und Mond waren schon lange untergegangen, als der letzte Ton in der Domkirche verklungen war. Zu guter Letzt gegen zwei Uhr nachts die stürmische musikalische Verabschiedung der immer noch zahlreichen, hellwachen Zuhörerschaft in den Kirchenbänken und auf der Empore durch die Cross Over Band mit Kantorin Heike Ittmann an der wilden blauen Orgel, Musikschulleiter und Gitarrist Joachim Sum, Bassist Frank Willi Schmidt und Hans-Jürgen Götz am Schlagzeug, die mit der Toccata von Widor und Bach und der Fanfare for the Common Man von Emerson, Lake and Palmer ein Hörerlebnis ungeahnten Ausmaßes boten. Eine gelöste Stimmung war auch zu nächtlicher Stunde spürbar, müde zu werden kam bei den abwechslungsreichen Darbietungen der insgesamt 550 Musiker eigentlich nicht in Betracht. In den acht Stunden Musik unter der Gesamtleitung von Heike Ittmann, die auch die Idee zu dieser Veranstaltung mit dem Titel „Open the Door – klingender Dom“ zum 150-jährigen Domjubiläum hatte, wurde deutlich, dass Lampertheim eine Hochburg des musikalischen Könnens und Engagements ist. Eine Meisterleistung der Organisation war auch die genaue zeitliche Taktung mit Auf- und Umbau für den jeweiligen Auftritt, im Wechsel auf der Empore und vor dem Altar. Ebenso gut lief das Kommen und Gehen des Publikums in diesen Umbauzeiten. Am späteren Abend waren zeitweise nur noch Stehplätze zu ergattern, nach Mitternacht wurde es leichter einen Sitzplatz nach Wahl zu finden. Das Tor der Domkirche wurde für jeden Auftritt geschlossen, nach dem Applaus wieder geöffnet. Häufig brach sich die Begeisterung und Berührung des Publikums mit spontanem Applaus Bahn, wenngleich der Beifall eigentlich bis zum Ende des jeweiligen Auftritts aufgespart werden sollte, wie es sich Heike Ittmann gewünscht zu Beginn gewünscht hatte. Zugaben hatte sie nicht eingeplant, es wäre eine sehr lange Nacht geworden, doch flammte die Begierde nach noch mehr von all dem Schönen immer wieder auf. Draußen sorgten die Mitglieder und Helfer des Fördervereins Domkirche mit feiner Kürbissuppe, gehaltvoller Gulaschsuppe, Käse-Trauben-Spießen und Brezeln, Wein und anderen Getränke für das leibliche Wohl, zu nächtlicher Stunde erst räumten sie zusammen. An den Stehtischen kam man schnell miteinander ins Gespräch. Schirmherr Bürgermeister Gottfried Störmer übernahm humorvoll heiter die Moderation, als Kantorin Heike Ittmann zum Einsingen der Dekanatskantorei ins Gemeindezentrum wechselte. Um Mitternacht nahm der Schirmherr neben der Kantorin an der Orgel Platz und beeindruckte das Publikum beim vierhändigen Orgelspiel. In der Programmbroschüre fanden die Besucher dieses außergewöhnlichen Ereignisses die mehr als 30 teilnehmenden Chöre, Orchester, Ensembles, Bands und Gruppen ausführlich beschrieben, einschließlich der Konzertankündigungen und Probezeiten sowie die Stücke die sie bei ihrem Auftritt vortrugen. Auftritte wie die der vier Chöre des MGV 1840 und Bands wie LA-Seven von der Musikschule und Second Chance, der Rockband mit dem packenden Groove, die auf der Empore stattfanden, konnte das Publikum unten durch Leinwandübertragung sehen. Stimmgewaltig mitreißend präsentierte sich „von oben“ der Katholische Kirchenchor und Gesangverein Cäcilia aus Hofheim. „Ganz klasse, was wir heute aus den Stadtteilen erleben“, kommentierte Heike Ittmann dieses Klangerlebnis.

    Der Gesang des Katholischen Kirchenchors und Gesangvereins Cäcilia aus Hofheim erfüllte von der Empore aus den Raum. Foto: Hannelore Nowacki


    Einen Riesenapplaus bekam auch der Evangelische Posaunenchor Hofheim, der das Publikum beim Gospelsong zum Mitklatschen anregte. Die Katholische Kirchenmusik hatte am nächsten Abend ein eigenes Konzert. Während der Schlagerchor mit Band schwungvolle Oldies aus den 1960er Jahren spielte, begeisterte die junge Band Roads to Rome mit Nico Braun (Drums), Benjamin Ihrig (Gitarre) und Adrian Störmer (Gesang und Gitarre) mit eigenen Kompositionen im ganz eigenen Stil. Die Irish-Folk-Gruppe mit Leiter und Geiger Daniel Salecich erzielte eine hinreißende Wirkung beim Publikum. „Der kann es mindestens genauso gut wie der Rieu“, meinte ein Zuschauer. Zu vorgerückter Stunde war die Empfehlung von Alakus sich bei den drei „rein instrumentalen Liedern“ die Augen zu schließen und in die Unterwasserwelt einzutauchen. Die Gefahr einzuschlafen war dennoch gering, zu spannend war es, den beiden Klangtherapeuten zuzusehen. Beglücktes Strahlen war bei den Zuschauern und Akteuren zu sehen, immer wieder war zu hören „ein traumhafter Abend“ oder der Ausruf „fantastisch“.   Hannelore Nowacki

     

     

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