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So., 02. Oktober 2016, 22:51 Uhr
Kerwe besinnlich im Gottesdienst und ausgelassen auf dem Marktplatz eröffnet
„En scheene Dag ihr Bäschdedder Leit“ – heiter, trocken und nass
Kerwevadder Damiano Brucato hat den Kerwekranz traditionsgemäß mit einer ganzen Flasche Wein geweiht und beim mundartlichen Reimen auch bedacht, dass zur Kerwe nicht immer die Sonne scheint. „Ob Regen und Wind dich auch umrunden, bringt die Kerwe uns frohe Stunden“. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Drei Tage Kerwe sind an diesem Wochenende und am Tag der Deutschen Einheit in der Sonnenstadt zu feiern. Gemischt zeigte sich das Wetter bislang. Nicht unter freiem Himmel fand am Samstagnachmittag der ökumenische Gottesdienst statt, da der graue Himmel Regen versprach. Auf dem neu gestalteten Rathausvorplatz im Bürgerhauspark hätte die Kirchweih ihren Segen erhalten, aber auch die alla hopp!-Anlage sollte gesegnet werden. Gut vor den Widrigkeiten der Witterung geschützt, fanden sich die evangelischen und katholischen Christen in der St.-Michael-Kirche zusammen. Gemeinsam gestalteten der katholische Pfarrer Peter Kern und sein evangelischer Amtsbruder Rainer Heymach den Gottesdienst als besinnlichen Kerweauftakt mit ausgeprägtem Sinn für dezenten Humor. „Heute feiern wir nicht unter freiem Himmel, der liebe Gott hatte einen anderen Plan – wir wollen die alla hopp!-Anlage in unser Gebet einschließen“, tröstete Pfarrer Kern alle diejenigen, die sich auf den Gottesdienst im milden Licht einer freundlichen Herbstsonne gefreut hatten. Pfarrer Heymach stellte in seiner Lesung den Oberzöllner Zachäus aus dem Lukasevangelium vor, der nach dem Treffen mit Jesus die Hälfte seines Vermögens den Armen geben wollte. Vielleicht ein wenig verrückt? Schnell war der Bogen zur „Kerb“ gespannt, die nicht weniger verrückt erscheine, wenn junge Männer den Kerwekranz zur Ortsmitte tragen. Auch der Bau eines so großen Gotteshauses vor über dreihundert Jahren könne als verrückt gelten. Aber „wir sollten den Menschen dankbar sein, diese Gotteshäuser gebaut haben“, fand Pfarrer Heymach, auch wenn die Kirche nicht einmal zur „Kerb“ voll werde. In Bürstadt mit Bobstadt und Riedrode gebe es sogar fünf Kirchen. Pfarrer Kern legte den Gottesdienstbesuchern die Kollekte dieses Tages an Herz, die zu gleichen Teilen der Hospiz-Initiative Ried und der Bürstädter Tafel zugutekommen soll. Der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde und der katholische Kirchenchor begleiteten den Gottesdienst musikalisch. Annerose Bechtloff, katholisch, und Beate Fritz, evangelisch, sprachen die Fürbitten. „Eine frohe, gesegnete Kerb“ wünschte Pfarrer Kern den Gottesdienstbesuchern, denen die beiden Pfarrer zuvor den Segen gespendet hatten.
Beim Kerweumzug von der Pfarrkirche St. Michael bis zum Marktplatz kündigte der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt/Hofheim das Ereignis an der Spitze gehend schwungvoll an. Foto: Hannelore Nowacki
Umzug mit Musikzug und gehaltvolle Kerwerede
Auf dem Kirchenvorplatz hatte sich zwischenzeitlich der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt/Hofheim positioniert, ein größer werdendes Publikum erfreute sich an der fröhlichen musikalischen Einstimmung auf die Kerwe, bis sich der Kerwe-Umzug in Bewegung setzte. Der Musikzug mit Stabführer Erik Minnder an der Spitze führte den Umzug schwungvoll-heiter spielend über die Wilhelminenstraße zum Markplatz an, die Ordnungspolizei voranfahrend, schön tuckernd im Gefolge zwei dekorative Oldtimertraktoren des Bulldog-Clubs Bürstadt mit geschmückten Anhängern. Auf dem einen die Prominenz fahrend, der andere hatte den Kerwekranz geladen. Die Freiwillige Feuerwehr Bürstadt hatte die Wegsicherung übernommen. Am Umzug nahmen mehrere Vereine teil: Die Sachsdoahogger, der Frauenfastnachtsverein Guud druff und der HCV Bürstadt mit seiner Juniorengarde Charisma, der Garde und das Männerballett, aus dem der Kerwevadder und die Kerweborsch kommen. Auf dem Marktplatz, der zur Kerwe als Rummelplatz mit Fahrgeschäften und Buden ein herrlich buntes Kerwetreiben bietet, war schon einiges los. Ein kurzes Platzkonzert des Musikzuges setzte hier das musikalische Ausrufezeichen. HCV-Präsident Roger Wulff und Vizepräsident Patrick Brenner begrüßten die Wartenden, die in großer Runde sitzend und stehend die Kerwerede hörten, die Kerwevadder Damiano Brucato vom HCV wie im letzten Jahr mit mundartlicher Treffsicherheit vortrug. Das Duo Winkler & Winkler unterstrich die Pointen musikalisch. In Sachen „Bäschdadd“ wusste er die Zuhörer auf seiner Seite, die mit Lachen und Applaus zustimmten. Der Bobstädter Ortsvorsteher bekam sein Fett weg, ebenso die Planer des Straßenbaus. Dagegen bekam Herr Hopp ein Lob, dank dessen Geldflut der Kerwevadder sagen konnte: „Mer henn weit und breit de schennschde Park – doch des allerschenschde, iss ihr Leit, die Lombada sinn gelb vor Neid“. Darauf musste „noch mol getrunke soi“. Nachrichten aus deutschen Landen mit nassem „Summer“ und „Miggeplage“ brachten das Publikum Lachen ebenso wie die Meldungen aus aller Welt. Auf die Frage: „Wem iss die Kerwe?“ gab es die kraftvolle Antwort aus der Runde: „Unser“. Zuversichtlich reimte Kerwevadder Brucato: „Sou long de Rhoi noch Wasser bringt, sou long die Sunn de Tag beginnt, sou long de Michelskersch noch steht, die Bäschdädder Kerb net unner geiht“. Bürgermeisterin Barbara Schader dankte allen, die sich beim Kulturgut Kerwe engagieren, besonders auch beim HCV. Nachdem der bunt bebänderte Kerwekranz getauft und unter das Markthallendach gezogen war, brachte HCV-Vize Brenner die frohe Botschaft unters Volk: Jetzt gibt’s Freibier und Freifahrten. Zeitgleich kam Wind auf, ein Regenguss prasselte auf die Kerwe, die munter weiterging. Denn ein fast trockenes Plätzchen fand sich überall auf dem Kerweplatz. Hannelore Nowacki