ABENDGOTTESDIENST: Rockmusik mit Kirchenorgel – Crossover-Musikgottesdienst öffnet Horizonte
Endlichkeit, Sterben, Himmel und Ewigkeit
Die Musik und das geistliche Wort verbanden sich beim Abendgottesdienst am Sonntag zum ebenso besinnlichen wie mitreißenden Erlebnis. Im Bild (von links vorne): Barbara Boll und Melanie Haag (Gesang), Matthias Karb (Keyboard und Gesang), Thomas Braun (Kirchenorgel) und Matthias Klöpsch (Gitarre und Gesang). Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Klänge wie aus einer anderen Welt füllten die Martin-Luther-Kirche, schwangen sich in himmlische Sphären hinauf. Die Kirchenorgel, gespielt von Thomas Braun, verband sich beim instrumentalen Vorspiel mit den Instrumentenund dem Gesang von Barbara Boll und Melanie Haag, mit dem Keyboard von Matthias Karb und den schwirrenden Klängen, die Matthias Klöpsch seiner E-Gitarre abverlangte. Ein musikalischer Einstieg wie ein Weckruf in diesem ganz besonderen Abendgottesdienst, den Pfarrer Ralf Kröger am Sonntag gemeinsam mit der Musikgruppe gestaltete – das erste Crossover-Konzert mit Rockmusik und Kirchenorgel seitdem es die Musikgottesdienste in der Martin-Luther-Gemeinde gibt war ein erfrischendes und besinnliches Erlebnis zugleich. Ja, auch der Adrenalinspiegel durfte einen Sprung nach oben machen, so wie es Pfarrer Kröger verspürt hatte. Wie ein Gewittersturm toste die Musik, ein Schreien aus tiefster Seele entließ Sängerin Melanie Haag in den großen Raum. Dann wieder engelsgleich klar ihre Stimme, wie auch der Gesang der ebenso stimmgewaltigen Barbara Boll. Noch etwas Besonderes gefiel Pfarrer Kröger an diesem Abend: „Hier sind Menschen in der Kirche“. Die begrüßte er herzlich: „Schön, dass ihr da seid“. Die Kirche war nicht voll, nur die Kandidaten für die Kirchenvorstandswahl mit Angehörigen hatten mit Maske und viel Abstand Platz genommen. An diesem Tag hatten die Gemeindemitglieder ihren Kirchenvorstand gewählt, das Wahlergebnis gab Pfarrer Kröger nach dem Gottesdienst bekannt. Die Kirchengemeinde war eingeladen am Abendgottesdienst online zuhause oder wo auch immer über Zoom oder YouTube teilzunehmen. „Alles, was euch bewegt hat einen Platz bei Gott, lasst uns den Gottesdienst feiern“, sagte Pfarrer Kröger den nahen und ferneren Gottesdienstbesuchern. Acht Lieder interpretierten Musiker und Sängerinnen, allesamt bekannte englischsprachige Hits, die vor Jahrzehnten die Charts stürmten. Liedtext für Liedtextverband Pfarrer Kröger mit Gedanken über das Leben, dessen Endlichkeit, das Sterben, den Himmel und die Ewigkeit, besinnlich, heiter, abwechslungsreich und kurzweilig. Zuversicht auf die göttliche Begleitung ließ Pfarrer Kröger mitschwingen, neue Horizonte öffnete dieser Crossover-Musikgottesdienst mit seinem Mix aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Einsichten zwischen Himmel und Erde. Auf der Großleinwand wurden die Themen bildlich dargestellt, effektvoll durch Einblendungen des Pfarrers, der zeitweise vor einem grasgrünen Vorhang sprach, manchmal war auch die Musikgruppe auf der Empore zu sehen. Da die Sonne durch die hohen Fenster strahlte, waren die Szenen auf der Leinwand etwas matt. „Jump“ (1983), das erste Lied, verband Pfarrer Kröger mit dem Bild „ins Leben springen, ohne zu wissen, wo oder ob man landet“. Ermutigend: „Spring doch hinein in dein Leben“. Das dritte Lied, „Who wants to live forever (1986), nahm Pfarrer Kröger zum Ausgangspunkt für das Nachdenken über die Endlichkeit. „Die Endlichkeit gibt dem Leben einen Wert, kostbare Momente sind kostbar, weil sie endlich sind“, gab der Pfarrer zu bedenken. Alles hat seine Zeit, zitierte er. Natürlich auch für den verdienten Applaus, über den sich die Musiker und Sängerinnen freuten und sich an der Brüstung der Empore zeigten. Nach der Zugabe „The Show must go on“ von Queen noch einmal Applaus. Eine Psalm-Meditation, Fürbitten und das Vaterunser, zuletzt der Segen und noch eine musikalische Zugabe, dann ging der Abendgottesdienst zu Ende. Die Orgel macht Sorgen, darüber sprach noch kurz Helmut Schollmeier. Die Instandsetzung werde die Gemeinde 100.000 Euro kosten – Spenden an den Förderverein oder das Gemeindebüro seien willkommen. Die Sonne tauchte den Kirchturm in goldenes Licht. Hannelore Nowacki