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  • Fr., 20. März 2020, 11:48 Uhr
    Bericht des Verein für Heimatgeschichte Nordheim anlässlich des 75. Jahrestages der Rheinüberquerung der Amerikaner

    Erinnerung an die Nacht des 25./26. März 1945

    NORDHEIM – In der Nacht des 25./26. März 1945, also vor 75 Jahren, etliche Wochen vor der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945, überquerten die Amerikaner an verschiedenen Stellen von Mannheim bis Gernsheim mit ihren Sturmbooten den Rhein, besetzten unsere Ortschaften und befreiten sie von der Nazidiktatur. In Nordheim war damals einer der umkämpften Hauptübergänge der US-Truppen. Es gibt ein schlechtes Bild vom Rheinübergang und Kampfberichte der Amerikaner. Sie stießen noch am gleichen Tag über Wattenheim und Biblis vor. Tags darauf bis an die Bergstraße zu kommen. Damit endeten bei uns die Luftangriffe und Beschießungen. Das sinnlose Töten hatte hier endlich ein Ende und demokratische Strukturen konnten langsam aufgebaut werden, eine Demokratie, der wir nicht zuletzt unsere friedliche Entwicklung verdanken.

    Mit dem Jahr 1945 kam das Kriegsgeschehen immer näher. Immer öfter gab es Fliegeralarm. Die feindlichen Bomber hatten andere Ziele und überflogen Nordheim meistens. Am 14. Januar wurde es blutiger Ernst in Nordheim. Die 23jährige Luise Heilmann, die mit einer Freundin auf dem Weg zum Rhein spazierte, ist in freiem Feld von einem Tiefflieger tödlich getroffen worden. Bis 19. März kamen immer noch kleine Trupps zurückweichender deutscher Soldaten zum Teil mit Panzerfäusten bewaffnet von Rheindürkheim über den Rhein. Gemäß Hitlers Führerbefehl wurden in den Morgenstunden des 20. März alle Rheinbrücken von den Deutschen gesprengt. Das betraf die Wormser Straßenbrücke und die Eisenbahnbrücke, sowie die Kriegsbrücke Nordheim und die Kriegsbrücke Gernsheim. Nun waren unsere Ortschaften von ihrer Kreisstadt Worms abgeschlossen. Den Bürgermeistereien und den Ortsgruppenleitungen der NSDAP fehlten ihre vorgesetzten Dienststellen. Am gleichen Tag erreichte die 11. US Panzerdivision Osthofen und nahm von dort aus das linke Rheinufer unter Beschuss. Dabei trafen sie in Nordheim neben der Kirche das Gehöft von Jakob Rukwied. Scheune und Stallungen gerieten in Brand und durch Funkenflug entzündete sich auch die Kirche und brannte vollständig aus. Tags darauf rückten die Amerikaner ohne Gegenwehr in Worms und Rheindürkheim ein. Die Beschießung des rechten Rheinufers verdichtete sich. Flugblätter wurden abgeworfen, eines lautete:

    An das deutsche Volk! Ich General Dwight D. Eisenhower, oberster Befehlshaber der Alliierten Streitkräfte, gebe hiermit folgendes bekannt. Wir kommen als ein siegreiches Heer, nicht als Unterdrücker. In dem Gebiet, das von Streitkräften unter meinem Oberbefehl besetzt ist, werden wir den Nationalsozialismus und den deutschen Militarismus vernichten, die Herrschaft der Nationalsozialistischen Partei beseitigen, die Nationalsozialistische Partei auflösen, sowie die grausamen, harten und ungerechten Rechtssätze und Einrichtungen, die von der Nationalsozialistischen Partei geschaffen worden sind, aufheben. Den deutschen Militarismus, der so oft den Frieden der Welt gestört hat, werden wir endgültig beseitigen. Führer der Wehrmacht und der Nationalsozialistischen Partei, Mitglieder der geheimen Staatspolizei und andere Personen, die verdächtig sind, Verbrechen und Grausamkeiten begangen zu haben, werden gerichtlich angeklagt und falls für schuldig befunden, ihrer gerechten Bestrafung zugeführt. Dwight D. Eisenhower

    Bei der fast täglichen Beschießung Nordheims brannte manch eine Scheune und Stallungen ab. Schwerwiegend war ein Granattreffer am 23. März in den Bürotrakt des Alten Rathauses Nordheim, bei dem drei Zivilisten und ein unbekannter Soldat getötet wurden. Die Amerikaner bereiteten sich in Rheindürkheim auf den Rheinübergang vor. Teile einer Pontonbrücke wurden hinter der Strohzellstofffabrik angefahren zusammen mit Sturmbooten. Die rechte Rheinseite war deutscherseits nur schwach mit MG-Ständen der 352. Volksgrenadier-Division hinter dem Hochwasserschutzdamm besetzt, die alles unter Feuer nahmen, was sich auf der linken Rheinseite bewegte. Nach Auszügen aus den amerikanischen Kriegsberichten des 180. Infanterie Regiments, meldeten sich in Rheindürkheim vier Freiwillige der 45. Division am 25. März 1945 mit einem Schlauchboot zur Lageerkundung über den Rhein zu rudern. Sie schätzten die feindliche Stärke und legten einen geeigneten Landeplatz unterhalb der Nordheimer Altrheinmündung fest, der frei von Minen war. Die dicht am Rheinufer stehende Gaststätte Fauti wurde beschossen, in der Annahme es wäre ein getarnter Bunker. Die Erkundung der vier Männer erwies sich als sehr wertvoll für ihre Einheit. In der Nacht darauf am 26. März um 2.30 Uhr war die Rheinüberquerung im Morgennebel angesetzt. Die Amerikaner berichteten mit einer gewissen Übertreibung: "Noch bevor die Bootsmotoren dröhnten, schossen die 100 Deutschen schon wahre Feuerströme aus ihren 14 Fliegerabwehrkanonen und Maschinengewehren. Das 180. Infanterieregiment verlor dabei mehr als die Hälfte seiner Sturmboote. Colonel Hufft gab umsichtig seine Befehle und trieb seine Männer mit den Worten an: das nächste Dorf (Nordheim) ist voller Leicas (Kameras). Es gibt da eine Menge zu saufen. Laßt uns hingehen!"  Nach kurzer aber heftiger Gegenwehr zogen sich die Verteidiger über die Autobahn Frankfurt - Mannheim zurück. In Rheindürkheim wurde berichtet, dass die Verluste der Amerikaner recht hoch waren. In einem provisorischen Lazarett dort lagen 30 - 40 Tote. Auf dem Ehrenfriedhof Nordheim befinden sich etwa 14 deutsche Soldatengräber aus der Zeit des Rheinübergangs. Um 5.30 wurde Nordheim von den Amerikanern besetzt.

    In Nordheim konnte kriegsbedingt von Weihnachten 1944 bis 10. Dezember 1945 kein Schulunterricht erteilt werden. Die Bevölkerung befand sich zum Kriegsende meistens in den Kellern. Volkssturm wurde zur Verteidigung aufgeboten. Im Gegensatz zu den genagelten Schuhen der deutschen Soldaten kamen die Amerikaner in der Frühe des 26. März lautlos auf Gummisohlen. Sie durchsuchten Häuser und Scheunen nach versprengten Soldaten, die sie gefangen nahmen, auch einzelne Plünderungen kamen vor.

    6.45 nahmen die Amerikaner Wattenheim und das 3. Bataillon marschierte weiter nach Biblis. Mörser- und Gewehrgranatfeuer stoppten in Ortsnähe vor dem Flugplatz den Vormarsch der Amerikaner. Deren Artillerie und Mörser legte die deutsche Abwehr lahm. Das 1. Bataillon des 180. Regiments mit Colonel Hufft führte seine Männer weit in das umkämpfte Land über Hofheim bis zur Autobahn, um am 27. März über Schwanheim, Fehlheim nach Auerbach und Hochstätten vorzudringen. In den Besetzten Gebieten wurde eine Ausgangssperre verhängt, an der nur eine Mittagsstunde zu Einkäufen frei war.

    Ganz schnell hatten die Amerikaner bei Nordheim unterhalb der Altrheinbrücke ihre Pontonbrücke erbaut, über die Tag und Nacht, drei Wochen lang Autos und Panzer durch das Dorf rollten. 

    Quellen für den Bericht des Verein für Heimatgeschichte Nordheim sind die Bücher „850 Jahre Nordheim, 1979”, „Chronik der Schule Nordheim, Alfred Emig, 1984”, „Heimatgeschichtliche Sammelblätter des Vereins für Heimatgeschichte Nordheim, Juli 1994”, „Unser Rheindürkheim, Hans Dlugosch, 1996” sowie „Flieger über Rheinhessen, Heinz Leiwig, 2006”. zg

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