VEREIN FÜR HEIMATGESCHICHTE NORDHEIM: Ein wohlhabender Kunstliebhaber und Mäzen des Gymnasium Bensheim und der kathollischen Pfarrei Birkenau
Erinnerung an Pfarrer Franz Anton Schero aus Biblis
Das Priestergrab auf dem Friedhof Biblis. Pfarrer Schero wurde als erster Priester hier bestattet. Foto: oh
BIBLIS – Vor 190 Jahren trat mit Pfarrer Franz Schero ein bemerkenswerter Geistlicher die Pfarrei in Biblis an. Der Verein für Heimatgeschichte Nordheim erinnert an ihn. Pfarrer Franz Anton Schero kam am 28. September 1797 als ältestes von acht Kindern und erstem Sohn des Franz Anton Schero, Kaminfeger und Großherzoglichen Trüffeljäger in Bensheim zur Welt. Seine Mutter war Margaretha, geborene Eckert aus Heppenheim. Er besuchte das Bensheimer Gymnasium und wurde katholischer Pfarrer.
Im Jahr 1833 trat er als junger Geistlicher die aufstrebende Pfarrei in Biblis an. Durch den Wegfall der Dreifelderwirtschaft erhöhten sich die landwirtschaftlichen Erträge und der Erlös aus dem Verkauf der Eichen aus dem Bibliser Wald hatte die Gemeinde finanziell saniert. Noch vor dem Rathausbau 1838 ließ Pfarrer Schero 1836 die Altäre in der Bibliser Kirche umbauen. Er setzte sich 1839 für die Schaffung des alten Friedhofs in der Annastraße ein und sorgte dafür, dass das zentrale Kreuz vom Vorgängerfriedhof an der Heinrichstraße hierher versetzt wurde und nun denFriedhof an der Annastraße ziert.
Kraft seines Amtes war Pfarrer Schero auch Vorsitzender des Schulvorstands. Er bewirkte, dass 1844 die heutige alte Schule in der Kirchstraße neu gebaut wurde. Sein Verhältnis zur bürgerlichen Gemeinde war offenbar recht gut, denn als die bürgerliche Gemeinde die Darmstädter Straße verbreitern wollte gab er bereitwillig einen Streifen seines Pfarrgartens dafür ab.
1848 hat er beim Bistum Mainz den Bau einer neuen Kirche beantragt, „da die Bevölkerung in den vergangenen 50 Jahren sich derart vermehrt hätte, daß die Kirche nicht mehr ausreicht“, wie Valentin Schmitzer in seiner unveröffentlichten Chronik 1960 bemerkte. Den Bau der schönen, großen, neugotischen St. Bartholomäuskirche in Biblis und deren Einweihung 1872 – 1876 hat ernicht mehr erlebt.
Nach nur 14-tägigem Krankenlager, am 11. Juni 1859, starb der wohlhabende Pfarrer Franz Schero. Noch zu seinen Lebzeiten hielt er guten Kontakt zu seinem ehemaligen Bensheimer Gymnasium. Bei der Friedhofsverlegung 1950 wurde er auf den neuen Friedhof in Biblis an zentraler Stelle umgebettet.
Im Verordnungs- und Anzeigeblatt für die Kreise Bensheim und Heppenheim wird Pfarrer Schero mehrmals erwähnt.
Das Blatt Nr. 60, vom 29. Juli 1857 berichtet: Am 22. Mai wurden der hiesigen Gymnasialbibliothek durch Herrn Pfarrer Schero in Biblis 209 Werke, worunter sich Bücher von großem Werthe befinden, zum Geschenke gemacht. Durch diese neue Zusendung wurden dessen frühere Schenkungen so bedeutend vermehrt, daß die ganze Schenkung des Herrn Pfarrers, welche in dem Bibliothekzimmer besonders aufgestellt ist, nun einschließlich vieler alten und seltenen Münzen über 600 Nummern zählt.Der Bibliothekar (F. J. Herrmann) des Großherzoglichen Gymnasiums fühlt sich verpflichtet, im Namen der Anstalt dem Herrn Pfarrer Schero, einemehemaligen Schüler des hiesigen Gymnasiums, für diese werthvollen Geschenke den innigsten Dank hierdurch öffentlich auszusprechen, und glaubt im Interesse der hiesigen Stadt und Umgegend zu handeln…..Gymnasiallehrer Herrmann führt weiter aus: Neben Professor Georg Mühlfelds, Bibliotheksschenkung 1814, vermachte 1826 der emeritierte Pfarrer Johann Adam Berg einen Teil seiner Bücher, 209 Werke als Legat. Von 1833 bis 1846 konnten aus eigenen Mitteln über 100 Bücher meist philologische Werke angekauft werden. Im Mai 1847 wurde die Bibliothek um 355 Werke aus allen Zweigen der Literatur vermehrt, welche Herr Pfarrer Schero zu Biblis derselben zum Geschenk machte.
Blatt Nr. 83, vom 17. Oktober 1857:
Schenkung eines Ölgemäldes im Werthe von 15 Karolinen an die Hospitalkirche zu Bensheim von Seiten des kath. Pfarrers Schero zu Biblis.
Schenkung eines Ölgemäldes im Werthe von 25 Karolinen an die kath. Pfarrkirche zu Bensheim von Seiten des kathol. Pfarrers Schero zu Biblis.
(Laut Auskunft von Herrn Dietmar Borries, vom Verein für Briefmarken und Münzkunde Biblis, war der seltene Karolin eine Goldmünze, die damals rund 11 Silbergulden wert war. Ein 4 Pfünder gemischtes Tafelbrot kostete 15 Kreuzer = ¼ Gulden. Ein Pfund Bratwurst kostete 1/3 Gulden).
Blatt Nr. 92, vom 19. November 1859:
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die zum Nachlaß des katholischen Pfarrers Schero von Biblis gehörige Ölgemälde-Sammlung, in circa 100 Stück, zum Theil von berühmten Malern herrührend, in wohlerhaltenem Zustand und hohem Werth.
Donnerstag, den 1. Dezember l.(laufenden) J.(Jahres),
Vormittags 10 Uhr,
auf dem Rathaus zu Biblis,
öffentlich an den Meistbietenden gegen Baarzahlung versteigert werden soll. Zugleich dient weiter zur Nachricht, daß mit den Gemälden auch noch Silber- und Goldsachen zur Auction kommen werden.
Biblis, 17. November 1859.
Im Auftrag des Großherzoglichen Landgerichts
Gernsheim.
Die Curatoren:
B. Franck, Valentin Beickert.
Blatt Nr. 41, vom 23. Mai 1860:
Vermächtnis des kath. Pfarrers Schero zu Biblis von 2500 Gulden, an die kath. Pfarrei Birkenau zum Zwecke der Bildung eines Fonds zur Erbauung eines neuen Pfarrhauses und zur Verbesserung der Pfarrbesoldung.
Blatt Nr. 45, vom 5. Juni 1861:
Versteigerung
Donnerstag, den 20. Juni, Vormittags 10 Uhr, werden auf dem Gemeindehaus zu Biblis die noch nicht zur Versteigerung gebrachten Massegegenstände des verlebten Herrn Pfarrer Schero daselbst, versteigert als:
Ein Ölgemälde,
ein Crucifix von Elfenbein,
mehrere Schul- und Predigtbücher, nebst
zwei neue Meßbücher
gegen gleich baare Zahlung.
Biblis, 28. Mai 1861 Großherzogliches Ortsgericht Biblis
Franck
Damit enden die öffentlichen Eintragungen. Der Birkenauer Heimatforscher Günter Körner hat in den Geschichtsblättern des Kreises Bergstraße Nr. 52, 2019 Seite 257, über die Stiftung des kathol. Pfarrers Franz Josef Marquart, aus Ober-Abtsteinach für die Pfarrei Birkenau aus dem Jahr 1849 geschrieben. Marquart geboren 1795 in Bensheim, gestorben 27.3.1849. Seine Stiftung umfasste 2000 Gulden. Stiftungsverwalter waren der kathol. Pfarrer Baumann aus Lorsch, Schero aus Biblis und der Birkenauer Pfarrstelleninhaber Konrad Bertsch. Das alte Pfarrhaus wurde als ein „feuchtes Loch“ beschrieben. Teile der Räume dienten als Schule. Durch das Dach regnete es, das Gebäude war in desolatem Zustand. Pfr. Bertsch lebte in ärmlichen Verhältnissen, die Pfarrei Birkenau war erst 1802 gegründet worden. Ab 1853 kam es zu Unstimmigkeiten im Stiftungsrat zwischen Baumann und Schero einerseits und dem ärmlichen Bertsch andererseits, der leichtfertig mit dem Stiftungsvermögen umging. Zum Bau eines Pfarrhauses in Birkenau kam es erst 1864/65. Aus der Marquartschen Stiftung waren noch 600 Gulden dafür vorhanden. Mit dem Zufluss der 2500 Gulden aus dem Nachlass von Pfr. Schero, ließ sich der Bau realisieren.
Mündlich hatte Pfarrer Schero noch kurz vor seinem Tod, den Ortsarmen seiner Gemeinde Biblis eine Schenkung von 25 Gulden für Brot zugedacht. Die aber nicht zur Ausführung kam, da seine Erben ihre Zustimmung verweigerten.
Offen ist die Frage, woher das Vermögen des Bibliser Pfarrer Schero herrührte. Frau Claudia Sosniak vom Stadtarchiv Bensheim, hat die Familienverhältnisse der Eltern von Pfarrer Schero näher beleuchtet. Dabei gab sie den Hinweis, dass Vater Franz Anton Scherer/Schero Kaminfeger war und wohl nebenbei noch Großherzoglicher Trüffeljäger. Trüffel waren damals schon begehrt und teuer. Die Trüffelpilze lieben warme mit Eichen bestandene Böden. Beides gab es nahezu ideal im Bibliser Wald. Allerdings braucht es sehr viel Erfahrung und speziell geschulter Hunde, um die begehrten Trüffel, die unter der Waldoberfläche wachsen aufzufinden. Es ist durchaus vorstellbar, das Pfarrer Schero schon von Kindesbeinen an, seinen Vater bei der Trüffelsuche in den Wäldern um Bensheim begleitete und dadurch das Trüffel sammeln erlernte, was ihm dann in Biblis helfen konnte, zu einem gehobenen Wohlstand zu kommen.
Er fand seine letzte Ruhestätte in Biblis und liegt heute im zentralen Priestergrab auf dem Friedhof in Biblis. zg