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  • Do., 06. September 2018, 12:59 Uhr
    Erstes Lampertheimer Dialekt-Treffen mit vielen interessierten Mundartrettern

    „Dialekte sind vom Aussterben bedroht und brauchen Artenschutz“

    Heimat und Kultur sind mit dem Lampertheimer Dialekt verbunden, aber auch Humor und viele Geschichten, wie sich beim ersten Dialekt-Treffen zeigte. Foto: Hannelore Nowacki


     

     

    LAMPERTHEIM – Die ursprüngliche Lampertheimer Muttersprache, der klangvolle Dialekt mit dem besonderen Zungenschlag, ist vielen Menschen ein Herzensanliegen, wie die Besucherzahl beim ersten Dialekt-Treffen am Dienstagabend im Sitzungssaal des Alten Rathauses bewies. Eingeladen hatte Karl-Heinz „Kalle“ Horstfeld mit seinem Team, um den zunehmenden Rückzug der Mundart aus dem Alltagsleben nicht nur zu beklagen, sondern aktiv etwas zur Rettung zu unternehmen. An seiner Seite auf dem Podium saßen Richard Wehe, Werner Gärtner und der Krimi-Autor Manfred Krämer, der seine Bücher zwar hochdeutsch verfasst, aber bei Lesungen und Vorstellungen sein Publikum mit Lampertheimer Mundart begeistert, wohl mit Einfluss des Kurpfälzischen, das besonders der Lampertheimer Peter Gutschalk auf den Bühnen der Region pflegt. Am Schluss servierte Krämer den Mundart-Freunden eine große Portion mundartlichen Humor aus seinem Bühnenprogramm. Aber auch „Kalle“ Horstfeld will nicht ausschließen, dass ihm die Lampertheimer Mundart durch den beruflichen Kontakt zu Mannheim ganz ungemischt über die Lippen kommt. Zum Dialekt-Treffen begrüßte er die Zuhörer und möglichen Mitmacher in der Lambada Sproach. Und da fängt schon das Problem an, das ihn seit einiger Zeit bewegt: Wie schreibt und liest man den Lampertheimer Dialekt? Viele verschiedene Schreibweisen sind bei den Mundart-Bewegten gebräuchlich, selbst der sprachliche Ausdruck unterscheidet sich von Person zu Person, dies hatte Horstfeld in mundartlichen Gesprächen festgestellt. Sachkundige Bürger hatte er befragt, war im Stadtarchiv und im Heimatmuseum, bei der Volksbühne und sogar zu Hausbesuchen war er nach der motivierenden Veröffentlichung seiner Pläne in der Presse von Bürgern eingeladen worden, die nicht mehr sehr mobil sind. Die 88-jährige Wilma Bock, die nach eigenem Bekenntnis am Dienstagabend noch nie anders geredet hat, verbindet ihren lebendigen Dialekt mit Humor, der auch die aus dem Leben gegriffenen Gedichte ihres verstorbenen Mannes Willi Bock so ausdrucksvoll macht. Allein aus dem Gedächtnis sprach sie die ausführliche Lobeshymne über die Mädle und Frauen der Stadt. In schriftlicher Form gibt es diese mundartlichen Kunstwerke nicht, sie wurden noch nie „uffgschribbe“, aber Wilma Bock weiß: „Jeder schreibt anderschde“. Herta Kleinert „von der Hütt“, also aus Hüttenfeld wie ihre verstorbene Mutter und Mundartautorin Else Hanf, las aus einem der Bücher vor. Genauso hatte sich Initiator „Kalle“ Horstfeld den Ablauf der Veranstaltung auch gedacht, zuerst die Vorstellung der Ideen zum Thema Lampertheimer Dialektsprache, dann das Vergnügen. So oder ähnlich können zukünftige Treffen gestaltet werden, nach Bedarf vier Mal im Jahr oder öfter. Auch einen Stammtisch hatte er angeregt. Auf der Themenliste ganz oben steht der Lampertheimer Wort- und Satzbaukasten, ein Arbeitsgebiet von Horstfeld. Aus der Heimat, wie sie einst war, sollen zu Geschäften, Kinos, Festen und Personen Informationen gesammelt, Zeitzeugen befragt werden. Ein Wettbewerb mit Gedichten und Kurzgeschichten im Lampertheimer Dialekt ist geplant. Stadtrat Gottlieb Ohl mit dem direkten Draht zur Stadt Lampertheim will sich um die Ausführung der Idee kümmern, auf der Internetseite der Stadt ein Portal für Bilder und Texte aus „Laombadde“ zu installieren. Einige Besucher wie auch „Kalle“ Horstfeld, hatten in ihrem Bücherschatz das vergriffene 1. Lampertheimer Wörterbuch von Manfred Rupp aus dem Jahr 1992 gefunden und mitgebracht, der 1500 Begriffe im Laombadda Dialekt gesammelt hatte. Der Autor ist nicht mehr greifbar, soll jedoch besonders gewürdigt werden. Die Möglichkeit einer Neuauflage soll geprüft werden. Wer Lust und Interesse hat, sich dieser Gruppe anzuschließen bittet Karl-Heinz Horstfeld um eine kurze Nachricht an die Adresse la.lerne@web.de. Hannelore Nowacki

     

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