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Mo., 09. November 2020, 14:49 Uhr
Lampertheim gedachte der Opfer der Reichspogromnacht vor 82 Jahren / Rede von Bürgermeister Störmer auf Homepage der Stadt zu finden
„Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, wo wir heute stehen”
Im Gedenken an die Reichspogromnacht legten am Montag Vertreter der Stadtverwaltung sowie des DGB Rosen am Standort der ehemaligen Synagoge in Lampertheim nieder. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Am 9./10. November 1938 wurden die jüdischen Synagogen, sowie die Geschäfte und Einrichtungen der jüdischen Mitbürger in der Reichspogromnacht durch die Nazi-Machthaber in ganz Deutschland zerstört und geplündert. Auch in Lampertheim gab es massive Ausschreitungen und Terror gegen unsere jüdischen Mitbürger. Am Montag gedachte die Stadt Lampertheim anlässlich des 82. Jahrestages der Reichspogromnacht – aufgrund der Corona-Pandemie allerdings anders als sonst. Wo sich normalerweise in jedem Jahr zahlreiche Menschen versammeln, um gemeinsam in einer von Schülern des LGL mutgestalteten Gedenkstunde den unzähligen Opfern zu gedenken, legten in diesem Jahr Vertreter der Stadt – unter ihnen Bürgermeister Gottfried Störmer, Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass und der Erste Stadtrat Jens Klingler – sowie des DGB Lampertheim in stillem Gedenken Blumen an den zuvor aufgestellten Kränzen am Standort der ehemaligen Synagoge in Lampertheim nieder.
„Wir setzen gemeinsam mit dem DGB ein Signal, dass die Übergriffe gegen jüdische Mitbürger nicht vergessen sind – allerdings in diesem Jahr ohne Rede vor Ort”, erläuterte Bürgermeister Störmer im Vorfeld des Gedenkens. „Es ist uns wichtig, an diesen Tag zu erinnern. Aber wir wollen vermeiden, dass zu viele Menschen zusammenkommen – aus Verantwortung für unsere Bürgerinnen und Bürger.”
Aus Sicht des DGB ist „es eine andere Art und Weise, wie wir in diesem Jahr Gedenken. Natürlich wäre es viel besser, wenn wir wie sonst üblich auf die Verbrechen, die hier vor 82 Jahren begangen wurden, hinweisen könnten. Aber dies müssen wir aufgrund der aktuellen Situation auf nächstes Jahr verschieben.”,
Um dennoch auch mit Worten an die Reichspogromnacht zu erinnern, findet sich auf der Internetseite der Stadt Lampertheim unter www.lampertheim.de auch eine Rede von Bürgermeister Störmer. In dieser richtet er das Augenmerk besonders auf die Frage, warum uns Erinnerung so wichtig ist und worin die Bedeutung für uns darin liegt.
Bürgermeister Störmer betont, dass es wichtig sei, Symbole und Plätze zu haben, die das verkörpern, an was wir uns erinnern wollen. „Sie sollten sich aber den Bedürfnissen der Menschen anpassen. Unser Erinnern sollte deshalb nicht nur die Vergangenheit aufleben lassen, sondern den Bogen zum hier und jetzt schlagen und uns bewusst machen, wo wir heute stehen.” Für das Erinnern sei in der heutigen Zeit diese darüber hinaus besonders: „Miteinander sprechen, vortragen, lehren, lernen, es leben, mit eindrücklichen Veranstaltungen wie dieser daran erinnern, in unseren Alltag platzieren. Jeder von uns soll Multiplikator dieser Botschaft sein: Nie wieder Krieg, nie wieder Nationalsozialismus, nie wieder menschenverachtende Politik, nie wieder… Ich weiß: das ist manchmal nicht einfach, gelegentlich auch mit Unannehmlichkeiten verbunden, aber verlangt momentan nur Courage”, stellt das Stadtoberhaupt in seiner mahnenden Rede klar. „Wir sollen uns erinnern und wir wollen uns erinnern. Ich wünsche mir, dass dieses Erinnern dazu führt, dass sich viele Menschen damit auseinandersetzen, wo wir heute stehen. Wie wir uns gegenüber den Nachbarn, den sozial Schwachen, den Flüchtlingen in unserem Land, den Andersgläubigen, den anders Aussehenden gegenüber verhalten. Auch: Wie egoistisch sich einige in einer Pandemie der Gesellschaft gegenüber verhalten. Das Grauen von damals soll nicht verdrängt werden. Es soll dazu dienen, die heutigen Herausforderungen zu meistern – gut zu meistern.” Benjamin Kloos