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Do., 28. Oktober 2021, 09:52 Uhr
CARITAS: Doppelspitze stellte Arbeit der Caritas in Bürstadt vor
Fachkräfte für stationäre und ambulante Altenpflege gesucht
Über Neuigkeiten und die aktuellen Herausforderungen berichteten die Vertreter des Caritasverbandes Darmstadt im Briebelsaal. Im Bild (von rechts): Die Caritasdirektoren Stefanie Rhein und Winfried Hoffmann, Heimleiter St. Elisabeth Benedict Pretnar, Leiterin der Sozialstation Letisha Junker und Pressereferentin Claudia Betzholz. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Zum Pressetermin hatte die neue Doppelspitze des Caritasverbandes Darmstadt in den Briebelsaal des Alten-Pflegeheims St. Elisabeth eingeladen. Nach den Formalitäten am Eingang mit elektronischer Datenerfassung und Ausgabe von FFP2-Masken war der Weg frei. Das Haus ist wieder ein Stück weit offen. Caritasdirektorin Stefanie Rhein, seit fünf Jahren im Vorstand, leitet seit 1. August mit ihrem neuen Kollegen Winfried Hoffmann den Caritasverband gemeinsam. Der 55-jährige Diplom-Pädagoge und Sozialmanager informiert sich zurzeit in den Einrichtungen und Dienststellen über die Arbeit vor Ort und besuchte am Dienstagmittag das Caritaszentrumin Bürstadt. Eine freundliche Atmosphäre hatte Hoffmann bei seinem Besuch festgestellt, der nicht der erste gewesen sei. Heimleiter Benedict Pretnar und Letisha Junker, die Leiterin der Ökumenischen Sozialstation, die für Bürstadt, Biblis, Groß-Rohrheim und Einhausen zuständig ist, berichteten von ihrem Alltag und den aktuellen Herausforderungen. Ambulant betreut werden 750 Klienten in der pflegerischen Versorgung und Beratung. In St. Elisabeth wird weiterhin umgebaut und saniert, von außen auch am Gerüst an der Fassade erkennbar. Gleich zu Beginn machte Caritasdirektorin Rhein deutlich, wo das Hauptproblem liegt: Auch die Caritaseinrichtungen spüren den Pflegenotstand. Der Caritas-Tarif sei gut und es werde selbst ausgebildet, aber wenn die Schüler die Praxis erleben, springen viele ab, aus verschiedenen Gründen, aber „in der Summe ist das natürlich erschreckend“. Wichtig wären den Beschäftigten ein fester Dienstplan, verlässliche freie Tage und Wochenenddienst nur einmal im Monat. Dem stehe der gesetzlich vorgegebene Personalschlüssel und die Vergütung durch die Pflegekassen entgegen – ein „ungutes System“, wie Rhein meint. Im stationären Bereich gebe es dennoch keine Belegungsprobleme, doch die Sozialstation könne immer wieder mal keine weiteren Klienten aufnehmen. Zwei Fachkräfte könnten eingestellt werden, doch der Fachkräftemangel mache sich hier bemerkbar. Wenn in den nächsten drei Jahren viele Mitarbeiter in Rente gehen, sieht Heimleiter Pretnar eine Lücke, die nicht mit dem selbst ausgebildeten Nachwuchs gefüllt werden könne. Nachbesetzungen dauerten schon jetzt lange. Im Schichtsystem sieht er sogar Vorteile für die private Zeiteinteilung, die bewusst gemacht werden sollten. Das Problem sieht er in der knappen Personalbemessung durch die Pflegekassen. Auch die Ansprüche der neuen Kolleginnen ändern sich. „Wie passt die Arbeit in mein Leben“ sei eher die Frage als umgekehrt. Intern müssen Antworten gefunden werden, aber die große Lösung sei nur mit neuem Personalschlüssel erreichbar. Oft sei es die menschliche Zuwendung, auf die es ankomme, gar nicht die rein fachliche Leistung, betonte Pretnar. Doch der Zeitmangel verhindere manches, was einem selbst zuhause wichtig sei wie die gemütliche Tasse Kaffee bevor man duscht und frühstückt oder das Spiegelei zwischendurch. „Wir schneiden uns die Zeit aus den Rippen, das macht auf lange Sicht unzufrieden“. Der große Wurf wäre ein Betreuungsschlüssel von 1:7 oder 1:8. Wird es diese große Entlastung geben? Pretnar sieht das nicht. „Nur leere Stellen werden geschaffen“. Die „Versorgungsrealität“ sehe so aus: In der Pflege seien zurzeit 35 Vollzeitkräfte für 94 Bewohner da - im Frühdienst sechs bis zehn Mitarbeiter, in der Spätschicht sechs Mitarbeiter und nachts zwei.
Neue Wohnform in St. Elisabeth
Während die Rahmenbedingungen politisch gesteuert seien und der Eigenanteil der Bewohner steige, gebees eine interne Lösung: Durch Umbau und Sanierung von St. Elisabeth wird das Wohngemeinschaftsmodell eingeführt. In familiärer Atmosphäre leben zehn bis vierzehn Bewohner in eigenen Zimmern, mit Aufenthaltsbereich und Küche als Lebensmittelpunkt, betreut von Alltagsbegleitern und Pflegekräften nach Bedarf. Im bereits bezogenen Neubau sei dies schon umgesetzt. Um Genuss gehe es, nicht nur um satt werden. Anders als zurzeit in Einhausen werde die zentrale Küche in St. Elisabeth erhalten und Komponenten kochen, dann auch für die Einrichtung in Einhausen. Der letzte von vier Bauabschnitten soll Ende 2023 fertig sein, der zweite Bauabschnitt mit den geänderten Strukturen soll Ende 2021 bezogen werden. „Der Gesellschaft und Politik sollte die Pflege mehr wert sein“, meint Pretnar. In der Coronazeit sei die Videotelefonie hilfreich gewesen, zukünftig müsse auch an die Telemedizin gedacht werden, daher die eingeplante Versorgung in den Zimmern mit WLAN. Weitere Angebote im Caritaszentrum sind der Männertreff, der gut angenommen werde. Enormen Zulauf hätten die Beratungsstellen durch die Corona-Pandemie zu verkraften, sowohl die Allgemeine Lebensberatung wie die Seniorenberatung durch Beate Weidner-Werle, teilte Rhein mit. Das ehrenamtlich geführte Café in St. Elisabeth wertete Rhein als wertvollen Beitrag zur Teilhabe. Hannelore Nowacki
Information
Der Caritasverband Darmstadt hat rund 1.500 Beschäftigte. Rund 400 Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich in vielen Einrichtungen und Dienststellen. Im Jahr 2020 kamen 1.122 Menschen in die Allgemeine Lebensberatung. Die Ausgaben des Verbandes finanzierten sich 2020 zu 63,25 Prozent über Leistungen der Sozialversicherung, zu 12,71 Prozent über Mittel der Caritas wie Kirchensteuer, Mieten, Zinsen oder Förderfonds, 0,27 Prozent kamen aus Spenden und Stiftungen.