DOMKIRCHE: Steinmetzausstellung „Kopf über Wasser“ mit Swing-Musik eröffnet
Fantasien aus Sandstein – vom Großkopf bis zum Vorwärtsfrosch
Freude und Anstrengung verbinden sich bei der Bearbeitung des Sandsteins. Lutz Mager wird seine beiden Großköpfe nach Ende der Ausstellung im Garten aufstellen. Die Ausstellung ist während des Orgelsommers im August jeden Sonntag zu besichtigen, morgens zum Gottesdienst um 10 Uhr und abends während der Orgelkonzerte um 19 Uhr. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Einen schönen Sommerabend erlebten die Besucher in der Domkirche – mit der Ausstellung von Steinmetzwerken aus Sandstein, viel Schwung mit Swingmusik von „2 Stimmen & 1 Klavier“ und meditativen Texten, vorgetragen von Pfarrerin Sabine Sauerwein: Im Rahmen der Offenen Kirche war der letzte Donnerstag im Monat Juli dieser besonderen Veranstaltung gewidmet, die zahlreiche Interessierte angezogen hatte. Zum Geheimnis der Steinmetzkunst zitierte Pfarrerin Sauerwein eingangs den großen Michelangelo: „Die Idee liegt im Inneren eingeschlossen. Alles, was du tun musst, ist, den überschüssigen Stein zu entfernen“. Zu sehen sind die Exponate aus drei Steinmetzkursen von Holger Schinz-Sauerwein, die unter seiner Leitung in Karins Garten in Dexheim, im Alten Haus in Hofheim und bei der Lukasgemeinde in Lampertheim stattfanden, noch während des Orgelsommers – jeden Sonntag im August, morgens zum Gottesdienst um 10 Uhr und abends während der Orgelkonzerte um 19 Uhr. Den Titel der Ausstellung „Köpfe über Wasser“ hatte Holger Schinz-Sauerwein mit aktuellem Bezug gewählt, wie er den Besuchern in seinen einleitenden Worten erklärte: „Wir müssen unsere Köpfe über Wasser halten, überhaupt in der Coronazeit“. Lutz Mager aus Mommenheim stellte Schinz-Sauerwein als treuen Hobbykünstler vor, der vor über zwanzig Jahren zum ersten Mal an seinem Kurs in Oppenheim teilgenommen hatte. Zwei Großköpfe mit auffallend langgestreckten Gesichtszügen und feinen langen Nasen hatte Lutz Mager diesmal aus Mauerstein gehauen, zu deren Gestaltung ihn der Maler Amadeo Modigliani inspiriert hat. Dessen Bilder faszinierten ihn seit Jahren. Ein sehr harter Sandstein sei es, aber: „Holger weiß, dass ich kräftig zuschlagen kann“, berichtete er im Gespräch mit dem TIP. Natürlich platzt mal etwas ungeplant ab: „Dann muss es so sein“, zeigt sich Lutz Mager auch bei Missgeschicken mit sich versöhnlich. Manchmal sehe das Werk dann sogar besser aus. Die beiden Großköpfe werden nach Ende der Ausstellung einen Platz im Garten bei den vielen anderen selbst geschaffenen Werken bekommen. Darauf freut sich auch seine Frau. Den Kopf aus dem Wasser strecken auch die Frösche aus Sandstein, die als Eckfrosch, Grinsefrosch, Vorwärtsfrosch und Zungenfrosch fröhlich in die Welt schauen. Der „Standardfrosch“ mit dem Namen Armer Ritter, den Schinz-Sauerwein als Probestück zur Qualitätsprüfung des gelieferten Sandsteins gestaltet hatte, taucht mit Visier ins Wellenbad. Nicht aus dem Odenwald komme der Sandstein, die Quader werden aus Polen geliefert, war von Schinz-Sauerwein zu erfahren. Der Fantasie sind auch bei den weiteren Exponaten keine Grenzen gesetzt. Swing, diesen besonderen Schwung, der auch zum Tanzen anregt, erfuhr das Publikum mit den Songs, die Sängerin Christine Gralow und Sänger Matthias Braun mit Günther Baus am Piano vortrugen. Jazz in schönster Harmonie kam mit Songs wie „I’ve got you under my Skin“ und „How deep ist the Ocean“ oder LOVE zum Ausdruck. Bei „Fly me to the Moon“ begeisterte auch die deutsche Version von Roger Cicero „Schieß mich doch zum Mond“. Eine lustige Geschichte mit ernsthaftem Hintergrund aus einem Buch von Eckart von Hirschhausen erzählte Pfarrerin Sauerwein, jedoch angepasst an den aktuellen Anlass - mehrfach flocht sie wie zur Geschichte gehörend den Ausstellungstitel „Köpfe über Wasser“ ein. Ist der Pinguin, immer im Smoking, aber ohne Taille und flugunfähig, eine Fehlkonstruktion? Nein, „die Pinguine sind geeignet, im Wasser viel Spaß zu haben“, heißt es in der Geschichte. Und die Moral von der Geschichte? Nicht so schnell ein Urteil fällen, man kann komplett daneben liegen. Nach dem Segen waren die Besucher zum Umtrunk eingeladen und beim Anschauen der Exponate mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Hannelore Nowacki