Hofheimer Carneval Verein bot bei der Prunksitzung ein erstklassiges Programm für Augen und Ohren
Fastnacht auf ganz hohem Niveau
Die Garden des HCV bewiesen einmal mehr ihr Können und sorgten beim Publikum für Begeisterung. Foto: Petra Gahabka
HOFHEIM – Ausgelassene Stimmung herrschte bei der Prunksitzung des Hofheimer Carneval Vereins im seit Wochen ausverkauften Bürgerhaus am Samstagabend. Rund 150 Aktive aus den eigenen Reihen brannten bis kurz nach Mitternacht ein Feuerwerk des Frohsinns ab, das das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss.
Dem von Sitzungspräsident Alexander Scholl verkündeten Motto „Humor ist verdammt wichtig, wie ihr seht. Humor ist Luxus und ganz viel Lebensqualität“ machten die Akteure alle Ehre. Die Jüngsten sind gerade mal drei Jahre alt und zeigten bei den HCV-Wichteln zu Stefan Raabs „Hier kommt die Maus“ ihr Können. Die Kleinsten des Vereins sowie die Flower Powers, die orientalisch gewandet einen Hauch von Bollywood ins Bürgerhaus brachten, sorgten für eine bunte und unterhaltsame Eröffnung. Die Liste der Ehrengäste war lang, darunter eine Abordnung des 1. CCRW Lampertheim mit Stadtprinzessin Julia I. sowie das Bürstädter Prinzenpaar Sabine III. und Michael II., begleitet von Vertretern der Vereins AG.
Katrin Scholl hatte seit der letzten Kampagne alle und alles im Blick, wie sie zu Beginn ihres Protokolls wissen ließ: Die Bürgermeisterwah, die Schnakenplage (kaputte Hubschrauber wie bei der Bundeswehr), den zum dritten Mal installierten Blitzer im Ort und den Bahnübergang in Richtung Bobstadt, über den man nun mit „100 drüberbrettern“ kann. Es gehe voran, „sogar die AKK war im Sommer in Howwe“ und das Neubaugebiet erlebe einen „Bauboom, do werscht du platt, irgendwann werden wir doch mal Stadt“, so die Protokollerin. Mit den Partysängern Edwin Stöwesand, Horst Ackermann, Karlheinz Bauer, Uwe Rückert und Michael Sittauer ging es dann auf Weltreise, die vom Burgsee direkt nach New York und Mexiko führte. Die Garden sind das Aushängeschild des Vereins, von den Jüngsten, den Flower Powers über die Piccolos bis zur HCV-Garde bewiesen die insgesamt 56 Tänzerinnen Kondition und Körperbeherrschung und vergaßen dabei das Lächeln nicht.
Eine gelungene Premiere legte die zwölfjährige Maria Firnkes hin. Als Enkelin liefere sie sich mit Ehrenmitglied Martina Vock als Oma einen lustigen Schlagabtausch. „Ich stehe in der Blüte meines Lebens“, verkündete diese stolz, worauf der Youngster lässig entgegnete: „Da hast du aber schon eine Menge Nachtfrost abbekommen.“ Markus Scholl ist der Mann, der der Obrigkeit den Spiegel vorhält. Als Till vom HCV sagt er seine Meinung und zieht, wie sich das in der politischen Fastnacht gehört, die Parteien durch den Kakao. Seine Seitenhiebe kommen jedoch nicht bei jedem gut an, wie sich im letzten Jahr beim Protokoller des Lampertheimer CGT zeigte. Aber„nur weil manche keine andere Meinung mehr ertragen können, fress ich net alles in mich rein, um in deren Sinne korrekt zu sein.“ Den Shitstorm schon mit einkalkuliert, holte Scholl zum Rundschlag aus. Zwanzig Minuten, ohne Skript und in gereimter Form, bekamen „Flinten-Uschi“ von der Leyen, „Dramaten-Gretel“ Karrenbauer, die SPD, deren Vorsitzendenwahl nicht einmal die Russen manipulieren wollten, und viele andere ihr Fett ab.
Markus Scholl hielt als „Till vom HCV” einmal mehr gekonnt der Obrigkeit den Spiegel vor. Foto: Petra Gahabka
Ein weiteres Ausrufezeichen in der Bütt setzte Volker Hildebrand, „ein Mann von der edelsten Sorte“, wie er sich selbst bezeichnete.Dass er auf den Auftritt der Piccolos folgte, die das Gefühlschaos im Teeniealter tänzerisch präsentierten, passte, denn auch in den Wechseljahren ist nicht immer alles einfach. Das Alter bringe so seine Macken mit sich, und „die Pipeline hat jetzt ihren eigenen Willen“, ließ er wissen. Um abzunehmen jogge er täglich, „und alle, die moi Heike kenne, die wissen auch warum ich renne“. Musikalische Glanzpunkte setzten nach der Pause Hitsänger Alexander Scholl, der dem Wunsch „Mach uns den Julio“ gerne nachkam, sowie die Trommelgruppe Gehörsturz vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehren Hofheim/Bürstadt, die für ein sehenswertes und hörenswertes Spektakel sorgten. Während die Wonneproppen die Hofheimer Jahresuhr inklusive Kerbelied aufleben ließen, grüßten die Pink Ladies aus dem Wilden Westen. Der Knaller: Die Superperforator-Werbung aus „Der Schuh des Manitu“ mit Christian Wacker in der Rolle des Sky du Mont.
„Isch bin´s, die Heike“. Mit dem Lampertheimer Abitur, vier Jahre Grundschule und ein Jahr Tanzkurs, hat es Büttenass Heike Hildebrand bis zur Hilfslehrerin geschafft.In ihrer unnachahmlichen Art erzählte sie von der Einschulung mit „Ferz un Gedöns“, den Abiturvorbereitungen in der dritten Klasse und einem Besuch beim Frauenarzt - eine Schilderung, die dem Kopfkino freien Lauf ließ. Den närrischen Schlusspunkt setzte das Männerballett Knusperstangen, das mit Artisten und Clowns die bunte Zirkuswelt auf die Bühne brachte und für einen nahtlosen Übergang ins große Finale sorgte. Petra Gahabka
Für einen reibungslosen Ablauf sorgten:
Technik: Edwin Stöwesand, Markus Reis, Team Dawn Concepts.
Bühne: Christian Wacker, Anne Firnkes, Lukas Scholl.