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Mo., 22. November 2021, 11:59 Uhr
MUSIKKULTUR: Neue Konzertreihe „POPAKADEMIE goes LA“ in Zusammenarbeit mit cultur communal und MIL
Faszinierende Premiere mit Henny Herz und ENGIN und Jan Aaron Snaschel
Die Band ENGIN trieb das Publikum mit rockigen und türkisch inspirierten Rhythmen an. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Die Großbuchstaben „LA“ im Titel der neuen Konzertreihe „POPAKADEMIE goes LA“ gaben Henny Herz und ENGIN zunächst Rätsel auf, das sich dann aber wie von selbst löste. Auswärtige Künstler denken natürlich an das Nächstliegende, an die kalifornische Metropole, aber LA steht seit vielen Jahren auch für die kleine Schwester Lampertheim, wenngleich es Stimmen gibt, die von der großen Schwester sprechen. Wie auch immer, seit der Premiere in der neuen Konzertreihe im Schwanensaal am vergangenen Donnerstag haben Musikszene und Publikum einen Grund mehr die Lampertheimer Musikkultur zu feiern. Im Schwanensaal war Raum für großartige Gefühle, die leisen und sanften, die lauten und aufrüttelnden. Henny Herz, Absolventin der Popakademie und seit Jahren in der Münchener Musikszene gefragt, verzauberte das Publikum mit engelsgleicher Stimme, feinfühligen Texten und zarten Gitarrenklängen, am E-Bass von ihrem Partner begleitet. Träumen oder einfach mitschwingen in den weiten Sphären der Gefühle - Songwriterin Henny Herz konnte die Herzen ihres Lampertheimer Publikums gewinnen. Mit seiner Band ENGIN schlug auch Sänger, Gitarrist und Bandleader Devekiran Engin sanfte Töne an, zeigte sich aber besonders eindrucksvoll in den temperamentvollen, rockigen Tonlagen und sich steigernden türkischen Rhythmen, die das Publikum zum Schwingen und Klatschen im eingängigen Takt animierten. Als Frontmann ENGIN teilte er mit dem Publikum seinen inneren Bezug zu den türkischen Wurzeln seiner Songs, mit denen er sich in den stilleren Monaten der Pandemie auseinandergesetzt habe. Einfühlsam singt er „Immer wenn ich an dich denke, fällt mir immer wieder ein, ich will dich nicht verlieren“. In einem türkischen Song geht es um die Tränen auf dem Bild, der Sohn hat nur dieses Bild vom Vater. David Knevels am Bass und Jonas Stiegler am Schlagzeug trugen zum Gesamtkunstwerk ENGIN bei.
Henny Herz nahm das Publikum mit auf Reisen in die weite Welt der Gefühle. Foto: Hannelore Nowacki
Im Vorprogramm trat der 15-jährige Jan Aaron Snaschel aus Hofheim und Schüler des Lessing-Gymnasiums singend mit Gitarre auf. Den Veranstaltern der neuen Konzertreihe war er schon beim digitalen Kulturprojekt der Stadt Lampertheim „thirty minutes for culture“ aufgefallen. Mit seiner markanten Stimme spielt er in allen Tonlagen und kann sich dem Publikum auch in Worten nähern. In den fast vier Stunden, die das Publikum zur Verfügung hatte, wurde die Bühne zum Universum der jungen Musik, selbst komponiert und getextet, original und einzigartig. Kulturdezernent Marius Schmidt begrüßte das Publikum zu dieser Premiere und gab den Ausblick auf das kommende Jahr mit vier weiteren Konzerten in Kooperation der Stadt Lampertheim mit cultur communal, der Musiker-Initiative Lampertheim und der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim. Erst kürzlich hat die Stadt Lampertheim die Zusammenarbeit mit der Popakademie vertraglich festgelegt, nachdem zwei Jahre wegen Corona gewartet wurde. Doch die Verbindung hatte Bestand. Wie so oft spielt persönliche Bekanntschaft eine Rolle wie sie zwischen dem Lampertheimer MIL-Mitglied Hans-Jürgen Götz und dem Direktor der Popakademie Professor Hubert Wandjo mit Lampertheimer Wurzeln seit Jugendzeiten besteht, sie haben früher gemeinsam Musik gemacht und Kontakt gehalten. So war der Boden für die Anfrage der Stadt Lampertheim bei der Popakademie bereitet und Rolf Hecher, Leiter des Fachbereichs Kultur mit cultur communal, hat nicht nur ein neues Angebot der Musikkultur nach Lampertheim holen können, durch die Kooperation ist er auch seiner Vision der Entwicklung einer jungen Musikkultur ein gutes Stück näher gekommen. Denn die Kooperation sieht vor, dass der junge musikalische Nachwuchs in Lampertheim von den Profis und angehenden Profis der Popakademie im Rahmen der Künstlerförderung lernen und das Potenzial entwickeln kann. Angedacht sind zukünftig Bildungsangebote für Musikinteressierte in Lampertheim, Besuche der Popakademie und weiterführende Angebote rund um den professionellen Musikbetrieb. Bildungsarbeit im besten Sinne sieht Kulturdezernent Schmidt hier. Auch die Studierenden der Popakademie und Profis mit Abschluss bekommen etwas – sie erhalten in der Zusammenarbeit die Möglichkeit ihre theoretischen Kenntnisse in praktische Arbeit umzusetzen und Erfahrung zu sammeln. Vielleicht finden hier auch neue Karrieren ihren Anfang, mit Auftritten überall in der Welt, auch das kann passieren und wäre ganz im Sinne von Kulturamtsleiter Hecher. Und wie kam das Konzert bei Popakademie-Direktor Wandjo an? Seine Antwort kam prompt und öffentlich für alle im Schwanensaal sichtbar: Beide Daumen hoch. Während der Pandemie sei viel online gespielt worden, deswegen seien alle Musiker glücklich, dass sie wieder rauskommen, wusste Direktor Wandjo aus der Popakademie zu berichten.Hannelore Nowacki