
LAMPERTHEIM – Vor 40 Jahren wurde die Beratungsstelle in Trägerschaft des Kreises Bergstraße als gesetzlicher Auftrag gegründet. Im geselligen Rahmen der Jubiläumsfeier der Beratungsstelle am Mittwochvormittag im Saal des Lutherhauses der evangelischen Kirchengemeinde stand der fachliche Austausch der geladenen Gäste untereinander im Mittelpunkt. Vertreter aus Kindergärten, Schulen und sonstigen Einrichtungen waren gekommen. Namensschilder wiesen die Gesprächspartner aus. Bei strahlendem Sonnenschein waren auf der Terrasse Stehtische aufgestellt, eine heiter wirkende Dekoration mit frühlingsgrünen Tischdecken und frischen Tulpen in den Vasen. An der Wand vor dem Büffet im Saal glänzte die Zahl 40, Gebäck und Getränke standen bereit. Die Erste Kreisbeigeordnete Angelika Beckenbach und der Viernheimer Bürgermeister Matthias Baaß unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung der Beratungsstellen für das Wohl der Familien und Kinder. Professionelles Fachwissen, Empathie, Geduld und Engagement präge die Beratungstätigkeit, lobte Beckenbach die Arbeit der Beratungsstelle. Bürgermeister Baaß hatte sich bei den Kindergärten seiner Stadt umgehört und wollte daher das große Lob in den Mittelpunkt stellen, das ihm von dort vermittelt wurde. Auch sei seit Corona in der Stadt ein Netzwerk mit intensiver Zusammenarbeit entstanden. In Vertretung des Leiters der Lampertheimer Beratungsstelle Frank Occhionero führte Sabine Trabold-Schaller aus Viernheim durch die Veranstaltung. Sie begrüßte den Chef der Beratungsstellen, den Leiter des Kreisjugendamtes Kai Kuhnert und damalige Mitarbeiter aus der Gründungszeit sowie Dr. Claus Koch aus Heidelberg als Referent zum Thema „Geborgenheit, Bindung und Resonanz – die Entstehung von Weltoffenheit beim Kind“. Der Experte für Entwicklungspsychologie, der auch Autor, Publizist und Institutsgründer ist, sieht sichere emotionale Bindungen ab dem ersten Lebenstag als Grundlage für psychische Stabilität, Empathie und gesellschaftliche Offenheit sowie für das Demokratieverständnis. Am Nachmittag zum Tag der offenen Tür mit Spiel und Spaß für Kinder waren alle Interessierten eingeladen, die Beratungsstelle in der Blücherstraße 26 kennenzulernen.
Foto: Hannelore Nowacki
Mehr Probleme, mehr Beratungen
Herausfordernde Zeiten - die vielfältigen Probleme, die Familien, Kinder und Jugendliche in den Riedgemeinden Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim und auch Viernheim belasten, nehmen seit Jahren stetig zu. Das zeigt die Statistik der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in der Blücherstraße 26, eine Einrichtung des Kreises Bergstraße. Vor der Coronapandemie im Jahr 2019 meldeten sich 454 Ratsuchende neu an – mit jährlich steigender Tendenz. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Neuanmeldungen für Beratungstermine auf 563. 2025 konnten bereits 836 Klienten, wie die Ratsuchenden bezeichnet werden, Beratungstermine angeboten werden. Trennung und Scheidung, Erziehungsfragen, soziale und schulische Probleme sind laut Statistik die häufigsten Anliegen. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist gestiegen, mittlerweile sind am Standort Lampertheim acht psychologische und pädagogische Fachkräfte mit Zusatzausbildungen in Beratung und Therapie sowie zwei Sekretariatsmitarbeiterinnen tätig, in der Viernheimer Außenstelle in der Kettelerstraße beraten zwei Fachkräfte. Kinder und Jugendliche können auch ohne ihre Eltern beraten werden. Zu den Aufgaben der Beratungsstelle gehört auch die fachliche Unterstützung in Kinderschutzfragen in Kindergärten und Schulen und Bereichen der frühen Hilfen. Die Ratsuchenden können sich auf die Vertraulichkeit durch die Schweigepflicht verlassen. Die Beratung ist kostenlos.
Hannelore Nowacki
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