Fr., 19. August 2016, 11:25 Uhr
Gold waschen, Brückenfundament freischaufeln und vieles mehr
Ferienspiele am schönen Rhein mit Reise in alte Zeiten

Ja, was ist denn das? Beim Graben nach dem Brückenfundament ergaben sich immer wieder interessante Fragen, auf die Irmtraud Geiß meistens eine kundige Antwort parat hatte. Foto: Hannelore Nowacki
NORDHEIM – Gibt es das sagenhafte Rheingold noch? Der Verein für Heimatgeschichte in Nordheim jedenfalls weiß, wie man in alter Zeit aus dem Rhein Gold gewaschen hat – damals noch einträglich für alle Menschen in Geldnot, doch viel Zeit und Geduld war nötig. Am Ufer des Rheins am Fährhausturm mit Blick auf die vorbeifahrenden Schiffe hatte Kurt Dinges für seine Gruppe junger Goldwäscher eine Waschanlage aufgebaut, wie sie um 1880 noch gebräuchlich war, am Ende der Rutsche würde das schimmernde Edelmetall in die Goldwaschschüssel rieseln, wenn es denn im Kies-Sandgemisch enthalten wäre. Doch Vereinsmitglied Dinges hatte vorgesorgt – glitzerndes Katzengold rieselte in die Marmeladengläser, die die Kinder mit nach Hause nahmen. Spaß gemacht hat es den Kindern trotzdem, es gab ja auch noch viel mehr zu entdecken, zum Beispiel im flachen Uferwasser schwimmende Rheinfische. Gisela Gibtner geleitete die Kindergruppe weiter zur nächsten Station am Deich. Dort machte sich die Ferienspielgruppe mit Schaufeln an die Freilegung des alten Brückenfundaments am Feldrand. Irmtraud Geiß hatte eine alte Fotografie mitgebracht, die eine Brücke über den Rhein zeigt, die von 1939 bis 1941 das Nordheimer Ufer mit Rheindürkheim verband. Dann sei sie vermutlich abgebaut worden, weil man den Stahl für Kriegszwecke brauchte. Tatsächlich fanden die Kinder eine Betonfläche und ein gemauertes Loch unter der Grasnarbe, mit dem Maßband exakt ausgemessen ergab sich eine Länge von 6,10 Metern. Dann legten die Kinder die Schaufeln beiseite und erprobten mit echten Hufeisen ihre Wurfstärke. Auf dem Weg zum Fährhausturm hatte Kurt Althoff römische Spiele im Angebot, zum Beispiel die ganz harmlose Rundmühle, aus Holz gefertigt, ähnlich dem heutigen Mühlespiel. Hoch oben auf dem Damm am Turm wusste Vereinsvorsitzender Günter Mössinger die Kinder mit dem Bau einer Sonnenuhr aus Blumentopf und Stab zu begeistern, auch eine winzige Taschensonnenuhr aus Messing gab es zu bestaunen. Mit Steinen im Handbetrieb Getreide zu mahlen, wie es früher üblich war, ist eine mühselige Angelegenheit, davon konnten sich die Kinder überzeugen. Ein Foto, das Mössinger mitgebracht hatte, zeigte eine Schiffsmühle, die am Rhein noch 1859 in Betrieb war. Im Fährhausturm bei Rudi Dörr lernten die Kinder die historische Ausstellung kennen und bastelten mit natürlichen Materialien. Vom Balkon aus bot sich den Kindern ein schöner Fernblick. Zu Füßen des Fährhausturms hatte Walter Schmidt die Tierwelt des Nordheimer Waldes auf der Wiese ausgebreitet, die sonst bei ihm im Wohnzimmer beheimatet ist. Der freundlich schauende Iltis wie der Habicht, der gerade mit seinen scharfen Krallen ein kleines Rebhuhn gepackt hat, sind die Tiere lebensecht präpariert. Sogar das Nordheimer Wappentier, einen Kuckuck, lernten die Kinder kennen, das weiche Fuchsfell animierte zum Streicheln. Schmidt erzählte spannende Geschichten vom Leben der Tiere im Wald, die sich erwartungsgemäß nicht blicken ließen. Das Dachsvorkommen nehme sogar zu, erklärte Schmidt, auch Rehe und Wildschweine gebe es hier. In alten Zeiten jagten die Menschen mit Pfeil und Bogen, gebräuchlich war auch die Armbrust, deren Gebrauch Schmidt den Kindern beibrachte. Für den spannenden Ausflug der 23 Kinder in alte Zeiten an sechs Stationen waren drei Stunden angesetzt, eine Entdeckungsreise mit viel Spaß und neuen Erkenntnissen. Für die Pause spendierte der Verein für Heimatgeschichte Getränke und eine Brezel für jedes Kind. Die Teilnahme mit Anmeldung bei der Gemeinde Biblis kostet nur 1,50 Euro, bei mehreren Geschwistern reduziert sich der Betrag. Hannelore Nowacki