Begeisterte und besorgte Bürger lieben ihre Biedensandbäder
Förderverein Biedensand Bäder gegründet
Der Förderverein Biedensandbäder geht mit dem einstimmig gewählten Vorstand an die Arbeit (von links): Sabine Kluge, Philipp Butterfass, Renate Nagel, Torsten Schultrich, Karin Nehring und Nico Tamburello. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Glückliches Lampertheim – am Donnerstag wurde in der 90-minütigen Gründungsversammlung im Sitzungssaal des Alten Rathauses der Förderverein Biedensand Bäder gegründet und der Vorstand gewählt. Erster Stadtrat Jens Klingler, der auch Geschäftsführer der Biedensand Bäder ist, hatte die Initiative ergriffen und öffentlich zu dieser Versammlung eingeladen. Dass sich so viele Menschen für die Biedensand Bäder interessieren und einsetzen wollen, hatte Klingler dennoch überrascht – rund 50 Männer und Frauen waren gekommen und der Saal war nahezu voll besetzt. Der Satzungsentwurf lag zur Beschlussfassung schon vor und wurde zusätzlich an die Leinwand gebeamt. Zu Beginn skizzierte Klingler die Vorteile, die Hallenbad und Freibad für alle gesellschaftlichen und Altersgruppen als Treffpunkt, für Sport und gesundheitliche Aufgaben mit sich bringen, Kinder erlernen hier das Schwimmen. Nach Möglichkeit, so betonte Klingler, solle die Stadt versuchen, die Biedensandbäder in Eigenleistung zu finanzieren. Viele Fragen aus dem Publikum drehten sich um die zukünftigen Aufgaben des Fördervereins und die Rolle der Vereine, die jetzt schon außerhalb der Öffnungszeiten schwimmen können. Ideen zur Nutzung der Biedensandbäder kamen zur Sprache. „Wenn sich der Förderverein gründet, werden wir ausdiskutieren, welche Möglichkeiten der Nutzung es gibt“, sagte Klingler. Er könne sich Bereiche vorstellen, in denen der Förderverein Leistungen anbietet, die „wir personell oder finanziell nicht erbringen können“. Aber der Förderverein werde keine Leistungen ersetzen und keine Zusatzangebote machen, die die Biedensandbäder als Einrichtung anbieten. Entscheidungen werde es nur in Absprache mit der Geschäftsleitung der Biedensandbäder geben. Ziel und Zweck des gemeinnützigen Vereins sind nach Paragraf 2 der Satzung die ideelle und finanzielle Unterstützung der Biedensandbäder. Dass es um den Knackpunkt Finanzen geht, war klar. Eine Frage aus dem Publikum fasste das zusammen: „Einen Förderverein gründen, weil Geld fehlt und eine Finanzspritze nötig ist“. Er habe die Anzeige zur Gründungsversammlung gelesen. Tatsächlich ist der Unterhalt kostenträchtig, wie Klinglers Antwort zeigte. Der jährliche Zuschussbedarf durch die Stadt liege bei 700.000 Euro, nach der Sanierung werde es sicher mehr sein, prognostizierte Klingler und erinnerte an die Diskussionen im Jahr 1999, mit der Idee das Hallenbad komplett abzureißen und an anderer Stelle neu zu bauen. Dann sei damals entschieden worden, Sanierungen bei bestimmten Ausfällen durchzuführen. „Heute ist alles einmal durchsaniert und auf dem neuesten Stand, jetzt sanieren wir die Hülle“. Doch verpflichte das Förderprogramm zum Erhalt des Hallenbades auf 20 Jahre, gab Klingler zu bedenken. Im formellen Teil der Versammlung fungierte Klingler als Versammlungsleiter, nach der Wahl leitete die Vorstandsvorsitzende die Sitzung. Der Satzungsentwurf sei bei Finanzamt und Amtsgericht in der Vorprüfung gewesen, ob die Satzung in dieser Form eingetragen werden könne. Aber Änderungen seien jetzt möglich, man könne sich einbringen, erklärte Klingler und las Satz für Satz vor. Das Juristendeutsch irritierte teilweise, ein paar kleine Änderungen kamen hinein. Es handele sich im Wesentlichen um Standardformulierungen, klärte Klingler auf und machte zudem deutlich: „Man hat vom Förderverein keine Gegenleistung wie bei einem Sportverein zu erwarten“. Einstimmig wurde die Satzung beschlossen, auch bei den Vorstandswahlen war man sich einig. Laut Satzung zahlen die Mitglieder einen jährlichen Mindestbeitrag von 12 Euro. Die Personalsuche für den Vorstand verlief zügig, weil einige Versammlungsteilnehmer darauf brannten sich einzubringen. Gegenkandidaten gab es nicht, so dass durch Handzeichen die 63-jährige Renate Nagel einstimmig als Vorsitzende gewählt war. Bei ihrer Vorstellung bekannte sie, sie fühle sich seit zehn Jahren in Lampertheim sehr wohl und sei bereit sich mit ihrer Kraft einzusetzen. Sie selbst sei sportlich und finde es wichtig, dass die Biedensandbäder für Schulen und Sportvereine offen sind. Stellvertretender Vorsitzender wurde der 24-jährige Nico Tamburello, der selbst gerne nach der Arbeit schwimmt und als Vorsitzender Jusos Ried bekannt ist. Für ihn ist das Schwimmbad auch ein Ort für Jugendliche, die sich hier treffen: „Gehen wir ins Schwimmbad“ heiße es bei den jungen Leuten. Um die Kassenverwaltung kümmert sich zukünftig Philipp Butterfass, der in Lampertheim als Veranstalter von „Tanz der Bässe“ in den Biedensandbädern bekannt ist und den Verein mit Rat und Tat unterstützen will. Drei Beisitzer wurden im Block gewählt: Torsten Schultrich, 51 Jahre, Mitglied im Tauchclub nahe der Biedensandbäder. Auch Karin Nehring, 62 Jahre, gab an, dass sie vor Jahren zugezogen sei, in der Familie seien fleißige Schwimmer. Sie mache zum ersten Mal in einem Verein mit. Sabine Kluge, 58 Jahre, seit 25 Jahren in Lampertheim zuhause, geht nahezu täglich schwimmen. Einzig der Posten des Schriftführers blieb unbesetzt. „Ich bin total geflasht, das heute so viele Leute gekommen waren“, sagte Klingler am Schluss, als der Vorstand sich schon für das erste Arbeitstreffen verabredete. Hannelore Nowacki