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Mo., 03. August 2020, 12:46 Uhr
EHEPAAR HERWECK: Geschichte wird lebendig gehalten / Früher wurde hier über Übeltäter Gericht gehalten wurde
Früher Hochgerichtsstätte - heute beschauliches Fleckchen Natur im Galgengewann
Geschichte und Natur sind bei Familie Herweck auf freier Flur vereint, die an dieser Stelle mit ihrem Flurnamen an die frühere Hochgerichtsstätte erinnert. Foto: Hannelore Nowacki
HOFHEIM – Beim Blick in die Ferne flimmert die heiße Sommerluft schon am Morgen, doch draußen auf dem sonnigen Feldweg von Hofheim nach Nordheim entlang der frisch bestellten und bereits abgeernteten Feldern sind erstaunlich viele Spaziergänger unterwegs, die einen mit Hund, die anderen mit erkennbar sportlichen Ambitionen. Die Gegend ist also kein Geheimtipp, aber seit einigen Tagen um eine Attraktion reicher geworden. Dafür haben Bärbel und Erich Herweck gesorgt, die ihre Freude an Natur und regionaler Historie gerne mit anderen interessierten Menschen teilen. Ein großer filigran wirkender Torbogen lädt die Menschen zu einem Abstecher in ein Stück gepflegter Natur mit Bäumen und Bänken ein, verbunden mit einem informativen Blick in die Vergangenheit dieser Örtlichkeit, die von Gerichtsbarkeit und Hinrichtungen verschiedenster Art zeugt. Lang ist es her, seit auf der Anhöhe zwischen Hofheim, Nordheim und Wattenheim über Übeltäter Gericht gehalten wurde und der Galgen zum Einsatz kam. Ganz genau ist heute nicht mehr festzustellen, wo der Galgen errichtet war, bislang wurden keine Überreste gefunden. Aber Erich und Bärbel Herweck haben nachgeforscht und sich kundig gemacht, beim Verein für Heimatgeschichte Nordheim nachgefragt und im Internet recherchiert. Auf alte Karten sind sie gestoßen, die Standorte von Gerichten, Hochgerichten und Richtplätzen von Offenbach bis an den Neckar zeigen. Auf heutigen Karten von Hofheim sind Bezeichnungen wie Galgenäcker, Galgengewann oder Am Galgen eingezeichnet, das hatte die Herwecks schon lange neugierig gemacht. Und nachdem sie ihre landwirtschaftliche Tätigkeit mit dem Ruhestand getauscht hatten, konnten sie auch mehr Zeit in ihre historische Leidenschaft investieren. Das Ergebnis mit nagelneuer Infotafel und einem Galgen, dem historischen Vorbild nachempfunden, ist sehenswert und lehrreich. Erstmals in Schriften erwähnt wurde der Galgen 1490, bekannte Hinrichtungen in den Jahren1601 und 1612 sind namentlich dokumentiert. Im Schnittpunkt der damaligen Gemarkungsgrenzen von Hofheim, Nordheim und Wattenheim hatte man den Galgen auf der einzigen Anhöhe in dieser Gegend positioniert, um sich die Kosten zu teilen und ein weithin sichtbares Mahnmal zu haben, hat das Ehepaar Herweck herausgefunden und erklärt: „Wir haben uns gesagt, so etwas muss in Erinnerung bleiben“. In ihrer familiären Ahnenforschung sind sie bis 1725 gekommen. Beim Entziffern der alten Handschriften hatte sie der Hofheimer Heimatforscher Hans Heim unterstützt, der sie auch auf die Idee für Nachforschungen in Sachen Galgen gebracht habe. Auf dem Privatgelände ist ein Naturparadies entstanden, das auch den Enkelkindern Luisa und Eva Spaß macht. Für sie hat Erich Herweck das Insektenhotel so niedrig aufgestellt, dass die Kinder die fliegenden Nützlinge gut beobachten können, über die sich auch die Singvögel freuen. Regelmäßiger Besucher ist ein Feldhase, der während des Gesprächs vorbeischaute und dann ins benachbarte Feld hoppelte. Rehe bevorzugen die dunklen Stunden, wissen Bärbel und Erich Herweck aus Erfahrung. DerZiergalgen dient Greifvögeln als Ansitz, um in aller Ruhe eine Maus oder anderes Getier zu erspähen und zu fangen. Zwischen den Nadelbäumen haben die Herwecks Obstbäumchen und einen Maulbeerbaum gepflanzt – die Naturoase wächst und gedeiht. Ein Paradies auch für die kleinen Heideschnecken, die wie zur Zierde auf den Zweigen verweilen und die Sonne genießen. Im Urlaub besuchen Bärbel und Erich Herweck gerne Freilichtmuseen mit faszinierenden Einblicken in das mühsamere damalige Leben. Mit der Natur seien sie groß und alt geworden, sagen die beiden, etwas Sinnvolles für Mensch und Natur zu machen erfülle sie mit Stolz. Bernhard Appelt, der sportlich des Weges kam, blieb stehen und lobte diesen Einsatz aus eigener Initiative begeistert. Wer auf der Strecke mal pausieren möchte, findet einen Felsblock als Sitzgelegenheit, den Luisa als Aussichtsplattform bestieg.Hannelore Nowacki