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  • Fr., 06. November 2015, 00:24 Uhr
    Neue Serie: TIP stellt Flüchtlingshilfen im Nibelungenland vor / Heute: Flüchtlingshilfe in Biblis durch das DRK

    „Für Menschen, die zu uns kommen, da sein”

    Einsatz mit Herz für die Flüchtlinge: Adelheid Schultheiß vom DRK Biblis setzt sich nicht nur im Modestübchen des DRK für Menschen aus Krisengebieten ein. Foto: Benjamin Kloos


    BIBLIS – Angesichts der aktuellen Situation rund um die Flüchtlinge und der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer läuft im TIP eine neue Serie. In dieser wird einmal wöchentlich eine Organisation, Institution oder Verein vorgestellt, die sich aktiv für die Integration von Flüchtlingen in Lampertheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim einsetzen. Heute stellt Ihnen der TIP die Flüchtlingshilfe in Biblis durch das DRK vor.

    Menschlichkeit und Freiwilligkeit sind zwei der sieben Grundprinzipien, die sich das Deutsche Rote Kreuz (DRK) auf die Fahnen geschrieben hat. Dass dies nicht reine Theorie ist, beweist derzeit tagtäglich das DRK Biblis. Circa 70 Flüchtlinge sind hier aktuell untergebracht, dezentral, um eine mögliche Ghettoisierung bewusst zu vermeiden.

    „Wir versuchen als DRK, für die Menschen, die zu uns kommen, da zu sein. Dazu gehört neben der umfangreichen Information auch, dass wir im Bedarfsfall das Modestübchen zu Sonderzeiten öffnen. Denn häufig haben die Flüchtlinge kaum Winterkleidung, sondern nur das, was sie am Körper und in leichtem Gepäck tragen können”, weiß Adelheid Schultheiß, die die Flüchtlingsarbeit des DRK Biblis koordiniert.

    Wichtige Infos aus einer Hand

    Eine Besonderheit in Biblis, die bereits viele Nachahmer gefunden hat: Jeder Flüchtling bekommt bei seiner Begrüßung eine Mappe mit zahlreichen Informationen und Wissenswertem in die Hand. „Es ist wichtig, dass die Menschen, die ankommen, wissen, was sie erwartet. Daher dieses Heft”, so Adelheid Schultheiß. Die Mappen, die in verschiedenen Sprachen erstellt wurden, werden regelmäßig aktualisiert, da der Inhalt besonders auf Erfahrungswerten basiert.Wichtige Fragen werden darin beantwortet, beispielsweise wo Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser zu finden sind, Notrufnummern, Einkaufsmöglichkeiten aber auch Feiertage, damit die Flüchtlinge wissen, wann Geschäfte geschlossen sind. Auch die Mülltrennung wird erläutert, was bei Behördengängen und beim Einkaufen zu beachten ist, ebenso sind das Jugendschutzgesetz und spezielle Angebote für Frauen darin enthalten. Und natürlich auch die Angebote des DRK selbst, wie etwa das Modestübchen. Hier können alle Bibliser am ersten Mittwoch im Monat von 14 bis 17 Uhr Kleidung erhalten, so auch die Flüchtlinge. „Wir freuen uns aber über jeden, der nicht mehr kommt; denn dann können wir davon ausgehen, dass diese Person ihre persönliche Notlage überwunden hat”, betont Adelheid Schultheiß.

    Die kulturellen Unterschiede können auf den ersten Blick zu humorvollen Situationen führen, aber schnell auch gefährlich werden: So bedeutet in einigen Ländern wie beispielsweise Albanien Kopfnicken „Nein" und Kopfschütteln „Ja". „In unserem Modestübchen sind wir darauf aufmerksam geworden, als ein Mann bei einer Hose den Kopf schüttelte und wir sie weggelegt haben. Seine Frau hat dann verdeutlicht, dass sie die Hose doch gerne hätten. Aber bei einem Arzt oder einem Notfall kann ein solches Missverständnis schnell fatale Folgen haben”, so Adelheid Schultheiß. Daher findet sich in der Mappe auch eine Übersetzung der wichtigsten Sätze, die in einer Arztpraxis fallen.

    Doch auch an die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer in der Gurkengemeinde wurde gedacht. Diesen wurde ebenfalls ein entsprechendes Heft ausgehändigt, in dem auf wichtige kulturelle Unterschiede und islamische Feiertage wie den Ramadan hingewiesen wird – um beiderseitige Missverständnisse bestmöglich zu vermeiden. Zudem wird auf die unterschiedlichen Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeit verwiesen.

    Durch das DRK wurden auch bereits Ehrenamtliche vermittelt, die sich als Paten um Flüchtlinge kümmern – sei es im Bereich der Sprache oder einfach bei der Hilfe alltäglicher Aufgaben wie Behörden- oder Arztbesuchen und Einkäufen. „Die Flüchtlinge kommen aus einer anderen Kultur. Es bedarf viel Einsatzes und Engagements, die Herausforderungen für diese Menschen zu meistern. Die Sprache ist dabei nicht unbedingt das größte Problem, vielmehr sind es die scheinbar ganz banalen Dinge wie das Einkaufen”, weiß Adelheid Schultheiß zu berichten. „So kennen die Flüchtlinge einfach die Produkte nicht, die es bei uns zu kaufen gibt. Hier kommt es schnell zu Verwechslungen, hier ist dringend Hilfe geboten.“

    Was wird benötigt?

    Ein besonders hoher Bedarf herrscht derzeit an Winterkleidung – und zwar besonders in kleinen Herrengrößen (S/M) sowie an Decken für die Flüchtingscamps wie in Bensheim. Erfreut zeigte sich Adelheid Schultheiß über die hohe Bereitschaft der Bibliser Bevölkerung gerade im Bereich der Spenden, aber auch des ehrenamtlichen Engagements. „Weitere Helfer sind aber gerne willkommen”, betont die rührige Bibliserin, die zuletzt selbst mehrere Monate ehrenamtlich in Bensheim tätig war. „Eine wertvolle Erfahrung in vielen Bereichen”, so Adelheid Schultheiß. Und das trotz täglich 12 bis 14 Stunden Einsatz und einer wirklich großen Herausforderung. „Doch das ist die Situation für uns alle, besonders aber für die Flüchtlinge selbst”, betont sie und erklärt ihre besondere Motivation: „Ich habe selbst einen Flüchtlingshintergrund, auch wenn ich in Deutschland geboren wurde. Meine Eltern stammen aus Ungarn, da war es auch nicht immer einfach – oft hieß es wir wären Zigeuner. Aber es gab auch viel Hilfsbereitschaft, die wir erfahren durften. Und diese möchte ich auf diese Art und Weise weiter- und zurückgeben.”

    Passend dazu hat das DRK Biblis ein besonderes Motto gewählt: „Solange uns Menschlichkeit verbindet, ist egal, was uns trennt. Denn niemand lässt ohne Not alles zurück und geht in eine unbekannte Zukunft. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Sie können uns unterstützen”, wirbt das DRK Biblis um Unterstützung.

    Benjamin Kloos

    Info:

    Wer helfen möchte, ob ehrenamtlich oder mit Sachspenden, kann sich gerne an Adelheid Schultheiß wenden. Telefonisch unter 06245/5097 oder per E-Mail unter adelheid.schultheiss@drk-biblis.de erfahren Sie, was derzeit gebraucht wird. Und wer Geld spenden möchte, kann dies ebenfalls gerne tun: Zweckgebundene Geldspenden werden unter dem Stichwort „Flüchtlingshilfe Biblis" auf folgendem Konto IBAN: DE17508900000021132705 entgegengenommen.

     

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