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  • Di., 28. Juli 2020, 10:40 Uhr
    SPD LAMPERTHEIM: Sommertour zur Kita Guldenweg / Für Verschwenkung der Stromtrasse - Erwachsene und Kinder betroffen  

    Ganztagsbetreuung braucht neue Konzepte, Raum und Geld

    Bei der SPD-Sommertour an der Kita Guldenweg erklärte Erster Stadtrat und SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jens Klingler die komplexe und ganzheitliche Aufgabenstellung der Kommune bei der Kinderbetreuung und deren Finanzierung. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Baustellenatmosphäre an der städtischen Kita Guldenweg in der Dieselstraße – ein Kran ragt in den Himmel, hinter dem Bauzaun ist der Anbau mit Ziegelmauern zu sehen. Für eine Ganztagsbetreuung braucht man Platz, der nun mit Fördermitteln geschaffen wird. Noch in diesem Jahr soll alles bezugsfertig und saniert sein. Dachbegrünung und Fotovoltaik sind vorgesehen. Die Spielflächen im Freien und der Garten bleiben dank der großzügigen Anlage aus den 70er Jahren erhalten. Am Treffpunkt der vierten SPD-Sommertour ging es am Montagabend um die frühkindliche Bildung,  Zukunftsthemen der Lampertheimer SPD, die sich in baulicher Hinsicht sichtbar entwickeln, verbunden mit neuen Konzepten für die Familienförderung. Lampertheim wächst und damit auch die Zahl der Kinder und der Bedarf für ihre Betreuung - für eine neue Kita sind 2,7 Millionen Euro im Haushalt reserviert. Wenn jedoch die AWO als Bauherr und Träger der neuen Kita einspringen würde, wären diese Mittel frei. Marius Schmidt, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtparlament und der SPD Bergstraße begrüßte die große Runde im Freien und mit Corona bedingtem Abstand. Mit dem Fahrrad waren die meisten gekommen, Parteimitglieder und Gäste, Magistratsmitglieder und Stadtverordnete. Jens Klingler, SPD-Ortsvereinsvorsitzender und als Erster Stadtrat für die Finanzen zuständig, und der Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Bergstraße Sebastian Parker nahmen zu den fachlichen Fragen Stellung. Von der geplanten Stromtrasse der Firma Amprion würden auch die Kita Guldenweg und die Anwohner in diesem Gebiet betroffen sein. Dagegen wehrt sich der Anwohnerzusammenschluss IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“, der stattdessen eine Verschwenkung über unbewohntes Gebiet fordert. Unterstützung aus der Politik hat ihr Anliegen bereits, es gibt einstimmige Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und des Kreistages. Daran erinnerte Schmidt, der auch deutlich machte, dass das geplante Neubaugebiet Gleisdreieck ohne Verschwenkung nur zu einem kleinen Teil bebaut werden könnte, was den Interessen der Stadt Lampertheim widerspricht. Von der Stadtverwaltung wünschen sich die Interessengemeinschaft (IG) und die SPD verstärkten Einsatz. Drei IG-Vertreter, Artur Mähne, Sabine Baltes und Dominik Ofenloch, waren zur SPD-Sommertour eingeladen, um über den aktuellen und nicht nur aus ihrer Sicht beunruhigenden Sachstand zu berichten. Die Gesundheit von Erwachsenen und Kindern stehe auf dem Spiel, sind sich IG und SPD einig. Für eine Verschwenkung sei jedoch die Zustimmung von 75 Prozent der 150 Grundstückseigentümer nötig, auf deren Grund die neuen Masten stehen würden. 

    Mehr Kinder, mehr Bedarf

    Mit Blick auf die Kommunalwahlen im März 2021 sagte Marius Schmidt im Wahlkampfmodus einleitend zu den Themen frühkindliche Bildung und Familie: „Wir haben eine ganze Menge bewegt und konnten uns in diesen Politikfeldern durchsetzen“. Infolge des Wandels der Arbeitswelt seien Kita- und Krippenplätze aufgerüstet und die Öffnungszeiten angepasst worden, im Wandel der pädagogischen Arbeit stehe über die Kinderbetreuung hinaus die ganze Familie im Fokus. Mit dem Drop-in in der Wormser Straße und weiteren Angeboten werde das Kind vom ersten Tag an gefördert.

    Das Wohngebiet Rosenstock III, aber auch das Wohngebiet Guldenweg und die Kita Guldenweg würden von einer Stromtrasse, wie sie die Firma Amprion plant, betroffen sein. Die IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ (im Bild Sabine Baltes, Dominik Ofenloch und Artur Mähne) setzt sich wie die SPD und die Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung für eine Verschwenkung über unbewohntes Gebiet ein. Foto: Hannelore Nowacki


    In den letzten Jahren sei es gelungen, ein enges Netz zu knüpfen. Auch die Kita Guldenweg sei auf dem Weg ein Familienzentrum zu werden. Die Lampertheimer SPD wolle, dass Kinderbetreuung für die Eltern über die sechs kostenfreien Stunden in Hessen hinaus bezahlbar bleibe. Bedarf für eine neue Kita in den nächsten zwei Jahren und eine neue Krippe gebe es – und erfreulicherweise Interessenten, die als Träger einsteigen möchten und damit mehr Trägervielfalt einbringen, wie Schmidt betonte. Zum einen sei der Verein Lebenshilfe auf die SPD zugekommen, der mit einer zweiten Einrichtung in der Inklusion aktiv werden möchte, zum anderen die AWO, die mit ihrer Kita in Bensheim Erfahrung vorweise und mit der Errichtung weiterer Kitas auch Synergieeffekte in den Bereichen Personal und Konzepterstellung nutzen könnte, wie Parker erläuterte. Klinger wies auf die geplante organisatorische Neustrukturierung des Fachbereichs Soziales und Familie hin, der mit einem Eigenbetrieb und pädagogischer Leitung die bestehenden Einrichtungen der frühkindlichen Bildung besser entwickeln könne, denn Optimierungsbedarf gebe es immer. Mehr Kinder in Lampertheim sei eine Tendenz seit Jahren, die Klingler mit Zahlen belegte: 959 Kinder im Juli 2014, sechs Jahre später sind es 1.277 Kinder. Allein durch Zuzug wurden es 40 Kinder mehr, was zwei Gruppen entspreche. Die Erweiterung und Sanierung der Kita Guldenweg bezifferte Klingler auf 360.00 Euro, davon 250.000 Euro Fördermittel. Weitere Projekte in der Kernstadt, in Neuschloß und Hüttenfeld müssten jedoch wegen der Finanzprobleme des Landes Hessen warten. Klinger fordert: „Das Land muss nachlegen und Möglichkeiten für Neubauten schaffen“. Flexibel bauen, um auf Entwicklungen mit mehr oder weniger Kindern unter oder über drei Jahren reagieren zu können, sei aktuell Standard. Was auch Parker für die AWO so sieht, der einen Teil der Kita-Plätze in Bensheim an umliegende Firmen des Gewerbegebietes für deren Mitarbeiter „verkauft“.  Ein Konzept, das sich Schmidt auch für Lampertheim vorstellen kann. Hannelore Nowacki

    Im Vordergrund ein Teil des Gleisdreiecks, im Hintergrund die jetzige Stromtrasse, deren Masten durch einen Ersatzneubau höher werden und stärkere Leistung transportieren. Foto: Hannelore Nowacki

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