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Di., 11. Juni 2019, 11:50 Uhr
Zur „Offenen Gartenpforte“ reisten Besucher aus weitem Umkreis an
Garten-Erlebnis mit Natur, Kunst und Gesprächen
Bei der „offenen Gartenpforte“ fanden Besucher schöne Plätze zum genießenden Verweilen wie das Ehepaar aus Osthofen im Garten in der Flatenstraße in Hofheim. Foto: Hannelore Nowacki
RIED – In fünf Gärten war das Tor für die Besucher am Samstag und Pfingstsonntag weit geöffnet. Im Rahmen der Veranstaltung „Offene Gartenpforte Hessen“ hatten sich Garten- und Kunstfreunde auch von weit her auf den Weg gemacht, um in Biblis, Biblis-Wattenheim und Lampertheim-Hofheim das Besondere zu entdecken. Anette Jansen, Initiatorin der Aktion „offene Gartenpforte“ im Ried, hatte wie die anderen Gartenbesitzer zwei turbulente Tage hinter sich – mit einer wunderbaren Bilanz. Im Gespräch mit dem TIP am Montag berichtete sie von schätzungsweise 800 Besuchern. Doch nicht allein diese hohe Zahl beeindruckte sie. Vor allem die vielen netten Leute, die zu Besuch kamen, die persönlichen Gespräche und das innige Interesse an der Natur wie auch an der Kunst und den ausstellenden Künstlern sei für sie und die anderen Gartenbesitzer selbst ein schönes Erlebnis gewesen. Alle Rückmeldungen, von den Gartenbesitzern und den Besuchern, seien durchweg positiv gewesen. In das ausgelegte Gästebuch hätten sich auch begeisterte italienische Besucher eingetragen, ein Lob, das Anette Jansen und Partner Andreas Brandl sich schnellstmöglich übersetzen ließen. 300 Eimerchen mit der Aufschrift „Gartenglück“ hatten sie für die Besucher zum Mitnehmen bereitgestellt, am Ende habe es nicht für alle gereicht, bedauerte Anette Jansen – dennoch überglücklich. Schönstes Sommerwetter brachte die Blüten, das Grün und die Kunstwerke zum Leuchten und die Besucher in den fünf Gärten ins Schwärmen. Allein das Sehen war vielen Besuchern nicht genug, sie fotografierten die Schönheit des Gesehenen mit Hingabe. In der Kirchstraße in Biblis waren Gemälde von Gastgeberin Martina Rausch und Künstlerin Karin Maurer die bunte Zierde neben Rosen und anderen blühenden Schönheiten. Ein Schlafbaum und ein Schokoladenbaum, ein Feigenbaum und ein Olivenbaum geben dem Garten von Martina Rausch und Hans Schader seinen eigenen Charakter, zu überblicken vom geräumigen Freisitz. „Viel Arbeit, aber es macht Spaß“, sagte Martina Rausch. Eine Bibliserin, selbst Gartenbesitzerin, freute sich über das Erlebnis und faszinierende neue Ideen, die sie mit nach Hause nimmt. Walter Lauseker, der seit zehn Jahren das ehrenamtliche Projekt „Schöner Pfarrgarten“ mit bis zu zehn aktiven Helfern leitet, führte von Beginn an eine Strichliste. Schon zwei Stunden nach Eröffnung am Samstagzählte er 40 Besucher, die auf Wegen und Rasen flanierten. Blüten und Schmetterlinge aus Glas von Glaskünstler Heinz Schader ergänzten den Blütenflor im weitläufigen Pfarrgarten mit Blick auf die Christophoruskirche. Kaffee und Kuchen gab es und Lesestoff vom Bücherflohmarkt der Bücherei Wattenheim.
Die Verbindung von Natur und Kultur im Garten von Anette Jansen und Andreas Brandl faszinierte viele Besucher. Foto: Hannelore Nowacki
In der Kulturscheune von Eva Bertz und Adrian Steier-Bertz in Wattenheim drängten sich zur Mittagszeit Besucher zunächst am Büffet, um sich mit den angebotenen Köstlichkeiten zu stärken. Im Garten spielte die Jazz-Combo mit Gastgeber Adrian Steier-Bertz am Kontrabass, einige Besucher hörten der Musik zu, andere unternahmen einen Rundgang zu den Kunstwerken, Aquarelle von Rita Rössling und Objekte mehrerer Künstler im Haus und meditativen Räumen unter freiem Himmel im Garten. Eine einzigartige Atmosphäre mit großem Walnussbaum, der den Garten überspannt. In Hofheim,unmittelbar an der schönen Barockkirche von Balthasar Neumann gelegen, hat Christiane von Bezold ihr Gartenparadies gestaltet. Einst gehörte das nun denkmalgeschützte Anwesen zum Bauernhof ihrer Großeltern, seit zwölf Jahren wohnt sie hier. Ihre Leidenschaft ist die Vielfalt der Natur, in der sie verschiedenartige Ruheplätze angelegt hat, die zum Genießen und Verweilen einladen, mal sonnig am Strauch mit roten Johannisbeeren oder an der Wein berankten Mauer mit Sitzecke, wo ein Ehepaar aus Osthofen den Blick in den Garten genoss. Im lichten Schatten mit Liegestuhl zeigte ein Schild den „Lieblingsplatz“ an. „Etwas Gutes für die Natur tun“ ist ihr Motto. In Teichnähe strahlt blau blühend der Borretsch im Kräuterbeet, auf dem Weg dorthin streift man am Lavendel entlang und nimmt den wunderbaren Duft mit. Radieschen isst Christiane von Bezold gerne, aber sie blühen auch dekorativ mit zarten weißen Blütenständen, wie sie erst kürzlich entdeckte. Die Vielfalt der Kräuter faszinierte Besucher, darunter einige besondere Arten wie Black Adder mit Anisgeschmack oder das Olivenkraut mit gelben Blüten. Die Felsenbirne hat schon süße rote Früchte angesetzt. „Man kann Schönes mit Gutem für die Natur verbinden“, findet Gartenbesitzerin von Bezold und ist sich damit einig mit Felizitas Blickheuser aus Rosengarten, die von ihrem Besuch viele Ideen mitnimmt. „Der Erfahrungsaustausch war für mich ein großes Glück“, sagte sie im Gespräch mit dem TIP. Und wie steht eine leidenschaftliche Gärtnerin zu den Schnecken mit dem Häuschen auf dem Rücken? Beide, die Besucherin und die Gastgeberin, finden die Weinbergschnecken schön, nützlich und niedlich. Sie fressen welke Pflanzenzteile und Moos und haben bei Christiane von Bezold eine eigene Ruheecke zur Verfügung. Begeisterung auch bei der Entdeckung der Kinderstube der Marienkäfer, krabbelndes Geziefer, das sich erst zur Schönheit entwickeln muss. Auch bei Anette Jansen und Andreas Brandl im Garten können Insekten und Schutz suchende Tiere wie Igel gut unterschlüpfen – sie finden an ansprechend gestalteten Plätzen mit Totholz und natürlichen Materialien Zuflucht. In ihrem ideenreichen, blühenden Paradies sindKunstobjekte und Gegenstände integriert, die hier ein zweites Leben haben. Viele Besucher erfreuten sich am Gartenkonzert des Sängerquartetts Liederkranz und der Lesung von Nicol Beisel am Sonntagnachmittag. Hannelore Nowacki