
LAMPERTHEIM – Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde Lampertheim hat ihr neues Gebetszentrum in der früheren Bahnhofsgaststätte am Montag nach längerer Renovierungszeit offiziell eröffnet und die Feier mit der Einladung an Mitglieder und Gäste zum Iftar-Empfang verbunden. Zu Beginn der Feierstunde strahlte noch die Sonne am blauen Himmel, doch nach Sonnenuntergang ein paar Minuten nach 18 Uhr konnte das Fastenbrechen, arabisch Iftar, beginnen. Der Tisch im multifunktionalen Besprechungsraum, der auch als Kinderzimmer genutzt wird, war schön gedeckt und nebenan in der Küche hatte der Koch, ein Gemeindemitglied, einen bunten Gartensalat frisch angemacht. Wie der Generalsekretär der Lampertheimer Ahmadiyya-Gemeinde Ali Habib im Gespräch mit dem TiP erklärte, stand ein Dinner auf dem Speiseplan für die Herrenrunde mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch. Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) und Erster Stadtrat Marius Schmidt nahmen gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern an der Mahlzeit teil. Kerstin Biehal von der Gemeinwesenarbeit Lampertheim hatte noch einen weiteren Termin. Mit Versen in arabischer Sprache zur Bedeutung des Fastens im Ramadan, die er anschließend auf Deutsch vortrug, eröffnete der im Kreis Bergstraße zuständige Ahmadiyya-Imam Asad Jaryullah die Feier. Dem Jahresrückblick des Vorsitzenden der Lampertheimer Gemeinde Iftikhar Shaikh Ahmad folgte Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) mit seinem Grußwort, in dem er die finanzielle Lage der Stadt Lampertheim in den Blick rückte, eine Herausforderung, die alle betreffe. Eine Neuausrichtung werde zukünftig mehr Gestaltungspielraum eröffnen, zeigte sich Scholl überzeugt und ließ anklingen, dass es auch viel Positives „in unserer Stadt“ gebe. Das Jahr 2026 werden ein gutes Jahr. Der Ahmadiyya-Gemeinde wünschte Scholl alles Gute. Wie sich Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinden in Lampertheim, in Deutschland und im Ausland mit Helfern engagieren, sich in der Gesellschaft einbringen und Hilfsaktionen wie nach er Flut im Ahrtal organisieren und zum Neujahrsputz in deutschen Städten antreten, wurde in einem Video gezeigt. Helfen in allen Erdteilen und ein Bekenntnis zum Frieden gelte als Auftrag. Im Nahostkonflikt werde der Angriff der Islamisten verurteilt, aber auch das Leid der Zivilbevölkerung solle benannt werden, betonte der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser im Video.
Foto: Hannelore Nowacki
Gebetszentrum und Treffpunkt
Zwei junge Frauen der Lampertheimer Ahmadiyya-Gemeinde nahmen an der Feierstunde teil: Raziya Ahmed und Sanna Ahmad, die beide im Mitarbeiterstab der Ahmadiyya-Frauenorganisation ehrenamtlich tätig sind, wie sie im Gespräch mit dem TiP berichteten. Kopftuch tragen sie aus religiöser Überzeugung, entsprechend dem Kopftuchgebot im Heiligen Koran. Im Alltag empfinden sie das Kopftuch sehr oft als Unterstützung, andererseits sei es nicht immer einfach in unserer Gesellschaft Kopftuch zu tragen. Das Kopftuch sei fast Teil der Identität und auch Schutz. Jeden Tag von Neuem entscheide sie sich für ihren Glauben, sagt Sanna Ahmad. Als Muslima erkannt zu werden ist beiden Frauen wichtig. Von ihren Arbeitskollegen habe sie noch nie Äußerungen dazu gehört, erzählt Raziya Ahmed. Zur Feierstunde wurde die flexible Trennwand nicht ausgerollt, doch zu den Gebetszeiten haben die Geschlechter ihren jeweils eigenen Bereich mit eigener Zugangstür, was bei der Renovierung der Räumlichkeiten berücksichtigt wurde, wie Generalsekretär Habib erklärte. Die Frauen kommen dann durch die Tür an der vorderen Terrasse, die Männer durch die Tür an Gleis 1 des Bahnhofs, beide Zugänge sind per App bedienbar. Das neue Gebetszentrum, das mit viel Eigenarbeit und Spendengeldern renoviert wurde, ist monatlicher Treffpunkt mit Vorträgen für die rund 220 Gemeindemitglieder in Lampertheim und im Umkreis bis Groß-Rohrheim. Fünf Mal am Tag steht das Gebetszentrum für Gebete offen, im Monat Ramadan findet zusätzlich das Tarawi-Gebet statt. Da der weiche Gebetsteppich in allen Räumlichkeiten außer der Küche verlegt ist, werden die Schuhe gleich am Eingang ins Regal gestellt.
Hannelore Nowacki
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