Mo., 17.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 15. Juni 2016, 14:31 Uhr
    Zeckenbisse als Gesundheitsgefahr / AGILA und Gesundheitsamt informieren über Risiken

    Gefährliche Blutsauger lauern auch im Nibelungenland

    Möchten auf die Gefahr durch Zeckenbisse aufmerksam machen: Heinz Klee, Mitglied des Kreisausschusses, Dr. Walter Seelinger (AGILA), Reinhild Zolg (Gesundheitsamt Bergstraße), Silvia Maier (Schulleiterin des Alfred-Delp-Schule) und Bärbel Ohl (Leiterin Kita am Graben; v.l.). Foto: Benjamin Kloos

    Möchten auf die Gefahr durch Zeckenbisse aufmerksam machen: Heinz Klee, Mitglied des Kreisausschusses, Dr. Walter Seelinger (AGILA), Reinhild Zolg (Gesundheitsamt Bergstraße), Silvia Maier (Schulleiterin des Alfred-Delp-Schule) und Bärbel Ohl (Leiterin Kita am Graben; v.l.). Foto: Benjamin Kloos

    NIBELUNGENLAND – Sie sind klein, unscheinbar aber tragen dennoch häufig ein großes Risiko für die Gesundheit in sich: Zecken. Das Gesundheitsamt des Kreis Bergstraße sowie das ärztliche Gesundheitszentrum in Lampertheim (AGILA) haben eine Kampagne gestartet, um über die möglichen Folgen eines Zeckenbisses aufzuklären – „aber auch über die Möglichkeiten, sich zu schützen”, schilderte Reinhild Zolg, Fachbereichsleiterin des schulärztlichen Dienstes vom Gesundheitsamt Heppenheim, im Rahmen eines Pressegesprächs das Anliegen der Aktion.

    Mit steigenden Temperaturen steigt auch die Gefahr für Menschen und Haustiere bei Spaziergängen von einer Zecke gebissen zu werden. Zu ihren Lieblingsplätzen gehören Gräser und Büsche an Wegrändern und das Unterholz. Dort warten sie geduldig in Augenhöhe ihrer Wirte. Sie fallen nicht, wie oft angenommen, von Bäumen. Auch der eigene Garten ist potentielles Zeckengebiet. Sie finden sich sowohl in gepflegten als auch verwilderten Gärten und machen keinen Unterschied zwischen Gärten in Wald nähe und weit entfernten Grundstücken. Die Gefahr dabei: Einige Exemplare können Krankheitserreger übertragen. So kann fast jede dritte Zecke Borrelien, die sich in ihrem Darm aufhalten, in eine Stichwunde einbringen. Wird die Zecke dann gewaltsam und nicht ordnungsgemäß entfernt, steigt das Risiko einer Infektion durch auswürgen. Eine Borreliose ist, rechtzeitig erkannt, behandelbar.

    Schwerwiegender ist die Frühsommerenzephalitis (FSME), die unmittelbar mit dem Biss übertragen werden kann. Diese Erkrankung geht mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, quälender Übelkeit, schlimmstenfalls Berufsunfähigkeit und bleibenden Lähmungen einher.

    Impfen schützt

    „Als Ärzte sind wir sehr daran interessiert, Krankheiten vorzubeugen. Der Impfschutz ist dabei sehr wichtig und wird leider besonders von Erwachsenen häufig bagatellisiert. Dabei sollte niemand vergessen: Wir leben in einem Hochrisikogebiet für Borreliose und FSME”, betonte Dr. Walter Seelinger für AGILA. „Dabei ist gerade diese Impfung sehr gut verträglich.”

    Klein, unscheinbar aber dennoch ein Risiko für die Gesundheit: Zecken. Foto: pixabay.com


    Besonders in diesem Jahr sei die Gefahr heimtückisch, erläuterte Dr. Seelinger. Denn Zecken sitzen häufig in Sträuchern, aus denen sie der gerade in der letzten Zeit häufig starke Wind bläst und zu den Menschen weht. „Damit steigt die Gefahr für Bisse ohne zuvor direkt mit den Zecken in Kontakt gekommen zu sein. Auch in meiner Praxis gibt es immer wieder Fälle, vor zwei Jahren kam ein an FSME erkrankter Patient zu mir, dessen Krankheit glücklicherweise aufgrund der schnellen medizinischen Versorgung vollends ausheilte.”

    Heinz Klee, Mitglied des Kreisausschusses, stellte die Aktualität der Aktion klar. „Es vergeht kein Tag, an dem kein Zeckenbefall gemeldet wird. Daher ist die Aufklärung, besonders auch von Kindern, sehr wichtig.” Das Gesundheitsamt hat zur Aufklärung eine eigene Ausstellung im Angebot, die von Kindergärten, Schulen und öffentlichen Einrichtungen ausgeliehen kann. Diese war jüngst in der Kita am Graben, der Alfred-Delp-Schule (ADS) sowie in der Stadtbücherei Lampertheim zu sehen – mit durchschlagendem Erfolg. „Wir haben das Angebot sehr gerne in Anspruch genommen. Sehr positiv ist, dass in verschiedenen Sprachen informiert wird, gerade für Migranten. Wir Erzieherinnen sind jetzt für dieses Thema sehr gut aufgestellt und auch die Kinder sind gut informiert und suchen sich jetzt gegenseitig nach Zecken ab”, freute sich Bärbel Ohl, Leiterin der Kita am Graben.

    „Unsere Schüler haben das Angebot ebenfalls sehr gut angenommen”, stimmte die Schulleiterin der ADS, Silvia Maier, zu. Die Biologielehrerin verwies ebenfalls auf die Gefahr der Krankheiten, die Zeckenbisse auslösen und wie schwierig es sei, diese zu erkennen: „Im Alter von sechs Jahren hatte meine Tochter ebenfalls einen Zeckenbiss. Ohne Rötung, ohne auffällige Merkmale. Erst sechs Wochen später entdeckte ich einen lilafarbenen Schatten im Gesicht – es war Borreliose. Dank der sofortigen Behandlung mit Antibiotika konnten wir die Krankheit erfolgreich bekämpfen.”

    Zecken entfernen

    Wer von einer Zecke gebissen wurde, sollte diese mithilfe einer Zeckenkarte oder, falls sie bereits länger am Körper sitzt, vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Entfernte Zecken sollten zerdrückt werden – eine „Entsorgung” in der Toilette ist nicht ratsam, da dies die Tiere überleben können.

    Zuverlässigen Schutz vor der FSME bietet nur eine entsprechende Impfung. Auch der Kreis Bergstraße zählt zu den Risikogebieten. Die Impfung ist hier zu jedem Zeitpunkt sinnvoll. Die ersten beiden Impfungen werden im Abstand von vier Wochen gegeben. Eine dritte Impfung nach fünf bis zwölf Monaten schließt die Grundimmunisierung ab und verleiht einen Langzeitschutz für mindestens drei Jahre. Regelmäßige Auffrischimpfungen, je nach Alter des Geimpften, alle drei bis fünf Jahre durch eine einzelne Impfdosis sorgen dafür, dass der Schutz dauerhaft bestehen bleibt.

    Bei Bedarf bieten Haus- und Kinderärzte, aber auch das Kreisgesundheitsamt mit seiner wöchentlichen Impfberatung, jeden Donnerstag von 14-15 Uhr Ratsuchenden zum Thema Impfungen weitere Hilfe an. Benjamin Kloos

     

     
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1