Di., 18.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Di., 31. Mai 2016, 08:28 Uhr
    Neue Bilderausstellung im Rathausfoyer bis 30. Juni / Gutmensch ist ein Ehrentitel

    Geflüchtet und ein Zuhause gefunden

    Aus einer Mauer kann ein Haus mit offenen Türen werden. Bei der Eröffnung der Ausstellung im Foyer des Rathauses mit Bürgermeisterin Barbara Schader (rechts) hatte Pfarrer Dirk Greverus einen Sack voller Holzbausteine mitgebracht, die gemeinsam geordnet wurden. Bürgermeisterin Schader (rechts) dankte allen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Im Bild: Erster Stadtrat Walter Wiedemann und Edith Appel-Thomas. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Eine ganz besondere Bilderausstellung ist bis zum 30. Juni im Foyer des Rathauses zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Es geht dabei nicht vorrangig um Kunst, es geht um Flucht und Flüchtlinge, das Ankommen und Bleiben, aber auch um den Wunsch in die ferne Heimat zurückzukehren. Am Montagabend wurde die Ausstellung von Bürgermeisterin Barbara Schader und Pfarrer Dirk Greverus feierlich eröffnet. Das Bürstädter Netzwerk Asyl, von Michael und Iris Held geleitet, hatte mehrere Mitglieder mobilisiert. Auch neue Interessenten an der Netzwerkarbeit waren gekommen. Die Heimat verlassen müssen, Flucht in ein neues Leben – dieses Thema ist nicht neu, aber zurzeit wieder sehr aktuell. Flüchtlinge aus vielen Krisen- und Kriegsgebieten sind auch im Kreis Bergstraße angekommen. Das Evangelische Dekanat Bergstraße hat das Thema in einer Plakatserie mit Fotos von Flüchtlingen aus mehreren Jahrzehnten und verschiedenen Ländern veranschaulicht. Die persönlichen Geschichten der Menschen, die auf den Fotos zu sehen sind, geben Auskunft über ihre überstandene Flucht, ihre Erwartungen an die Zukunft und ihre Wünsche. Edith Appel-Thomas, im Vorstand der Evangelischen Kirche in Bürstadt engagiert, hatte die Ausstellung des Dekanats in Heppenheim gesehen und war beeindruckt, wie sie im Gespräch mit dem TIP berichtete. Im Kirchenvorstand sei beraten und der Beschluss gefasst worden, diese Ausstellung nach Bürstadt zu holen. Man habe dann Kontakt mit der Stadt Bürstadt aufgenommen, weil es nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein politisches Thema sei. „Ich hoffe, dass viele Leute sich das ansehen“, sagte Appel-Thomas. Bürgermeisterin Schader betonte, dass dieses Thema uns alle angehe und „uns anschreit zum Handeln“. An Pfarrer Greverus gerichtet, sagte Schader: „Ich freue mich, dass Sie als  Ausstellungsort  unser Rathaus gewählt haben“. Pfarrer Greverus ging in seinem Vortrag der Frage nach: Was ist gut und was bestimmt unser Handeln? Voraussetzung für das Handeln sei unsere Haltung, letztendlich sei gut, was dem Leben förderlich und dem Gemeinwesen zuträglich sei. „Ein Gutmensch ist der, dies lebt - Gutmensch ist ein Ehrentitel für Menschen, die sich der Not anderer Menschen annehmen“, erläuterte Greverus. Ein Schimpfwort sei es nur für jene, die sich außerhalb dieses Handelns stellen. Zu den Ausreden zählt Greverus Aussagen wie „es sind zu viele“, „sie passen nicht zu uns“ oder „wir können uns das nicht leisten“. An dieser Stelle schüttete Pfarrer Greverus eine Einkaufstasche voller Holzbauklötze auf den vor ihm stehen Stehtisch aus. „Was ist zu tun?“, fragte er in die Runde.

    Was ist zu tun? Diese Frage beantwortete Pfarrer Greverus mit den Hinweisen „neu ordnen und schauen, wie sich Stück für Stück daraus etwas bildet“. Nach und nach entstand aus den genau 81 Holzbausteinen eine gemeinsam gebaute Mauer. Erster Stadtrat Walter Wiedemann hatte ein paar Klötzchen gesetzt, ebenso andere Helfer. Man brauche etwas Geduld, räumte Pfarrer Greverus ein und man müsse sich sogar abstimmen. Jedem Holzklötzchen hatte er eine Million Menschen zugeordnet, die in Deutschland leben. Nur ein Klötzchen war rot angemalt, sinnbildlich für die Flüchtlinge. „Ja, wir können es uns leisten und wir können es tun“, schloss Greverus nach dieser Vorführung. Bürgermeisterin Schader rief dazu auf, gemeinsam Häuser zu bauen, mit offenen Türen. Ines Ziegler, die beim Bauen mitgeholfen hatte, findet es wichtig, dass man sich einsetzt. Im Gespräch mit dem TIP erzählte sie, dass sie auch im Netzwerk Asyl mitmache. „Das liegt mir ganz arg am Herzen“, sagte sie. Als Sprachpatin treffe sie sich einmal die Woche mit einer Frau aus Pakistan, um ihr die deutsche Sprache und Kultur zu vermitteln. In ihrem Beruf als Erzieherin habe sie Erfahrung mit Migranten. Nach ihrem Rundgang durch die Ausstellung zeigten sich die Gäste der Einweihungsfeier beeindruckt. Hannelore Nowacki

     

    Beitrag aus der Rubrik

    » Bürstadt und Stadtteile
    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 2